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Ostprignitz-Ruppin Plötzlich Horngurken als Ernte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Plötzlich Horngurken als Ernte
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12:49 24.10.2017
Der Blankenberger Jörg Frömer an den Resten seiner Horngurkenpflanze. Nur ein letztes Exemplar ist leicht gelb. Die anderen sind offensichtlich unreif geblieben. Quelle: Matthias Anke
Blankenberg

Wie konnte das bloß passieren? Jörg Frömer weiß es nicht. Aus den Samen, die er vor Monaten hinter seinem Haus in Blankenberg in den märkischen Boden brachte, sollten eigentlich ganz normale Gurken werden. Er hatte die Samen von Verwandten aus Erfurt mitgebracht.

„Sie verwenden immer selbstgezogene Gurkenkerne dort auf ihrem Balkon“, sagt der frühere Erfurter Polizeidirektor, der im Ruhestand in seine alte Heimat Blankenberg zurückkehrte und sich dann viele Jahre als Ortsvorsteher engagierte. Doch was in diesem Wusterhausener Dorf und auch auf dem Balkon in Erfurt dann heranwuchs, ließ nicht nur den Hobby-Gärtner staunen: Es sind Gurken, die man nur sehr vorsichtig in der Hand halten kann, will man sich nicht an den Stacheln ringsherum verletzen.

Schmeckt nicht nach Gurke, sondern Ananas und Banane

Wie konnte das bloß passieren? Benjamin Herkner, der in Deutschhof südlich von Fehrbellin Ökolandwirt ist, weiß es auch nicht. Er hat aber Ideen: „Womöglich wurde da Saatgut aus Versehen vertauscht. Oder es kam zu zufälligen Kreuzungen. Wer weiß, was die Nachbarn da gezüchtet hatten?“

Herkner, 32 Jahre jung, weiß aber, worum es sich handelt: Es sind Horngurken. Auch ein Bildabgleich via Internet lässt keinen Zweifel daran, dass die ausgebrachten Samen niemals normale Gurken gewesen sein konnten, sondern Horngurken, die mit dem herkömmlichen Gemüse fast nichts zu tun haben. „Sie schmecken nach Ananas und Banane“, erklärt Herkner, der sich voriges Jahr sogar selbst im Horngurken-Anbau versucht hatte. „Es war gar nicht so einfach, an Saatgut heranzukommen“, erklärt der Ökobauer, der nach den sogenannten Demeter-Standards zertifiziert ist. Im Handel heißt diese Frucht zudem Kiwano. Sie stammt aus Afrika und dort aus der Kalahari-Wüste.

Frömers Ernte war üppig. Dennoch traut sich in Blankenberg niemand, diese Früchte zu probieren. Reif wären sie wohl ohnehin erst in völlig gelbem Zustand Quelle: Matthias Anke

„Was in der Wüste gedeiht, muss doch auch im märkischen Sandboden wachsen können“, dachte sich Herkner. Doch das heimische Klima machte es ihm am Ende dann doch nicht so leicht. Und auch die Exemplare in Frömers Garten hatten es offensichtlich nicht bis zur Reife geschafft. Dann nämlich ist die Frucht knallgelb oder orange.

So sieht eine reife Horngurke beziehungsweise Kiwano aus. Man isst sie, indem man den Inhalt herauslöffelt. Quelle: Fotolia

„Wer weiß, ob die nicht sogar giftig sind“, fragt sich Frömers Schwester Marianne Schnaak. Als sie die Horngurken zum ersten Mal sah, musste sie sofort an die Diskussionen um giftige Zucchini denken. „Die soll man ja auch nicht selber züchten.“ Als vor zwei Jahren ein Mann in Süddeutschland an einem Zucchiniauflauf starb, sorgte das bundesweit für Aufsehen. Seither ist vielen bekannt, dass Kürbisgewächse wie Gurken, Melonen und eben auch Zucchini naturgemäß giftige Bitterstoffe bilden als Schutz vor Fraß.

Ob Gurke, Zucchini oder Kürbis: Von Eigenzüchtungen wird abgeraten

Diese Cucurbitacine wurden aber schon lange herausgezüchtet. Sie sind nur noch in winzigen Mengen enthalten. Wenn die Pflanzen aber in alte Muster verfallen, etwa unter Stress wachsen, beispielsweise bei Hitze und Trockenheit, können die Bitterstoffe reaktiviert werden. Weil in dem Fall von vor zwei Jahren das Gemüse aber aus dem Eigenanbau einer Nachbarin stammte, konnte es zudem möglich sein, dass eine sogenannte Rückmutation oder Rückkreuzung für die Giftstoffe die Ursache war. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seinerzeit erklärte, könne das passieren, wenn in der Nähe auch Zierkürbisse angebaut werden, die noch sehr viel Cucurbitacine enthalten.

Seitdem wird davon abgeraten, im eigenen Garten gewonnene Samen für den weiteren Anbau zu verwenden. Saatgut solle im Handel gekauft und auch nicht mit selbst gezogenen Samen gemischt werden. Erst vor wenigen Wochen machte ein Fall aus Norddeutschland, den die betroffene ältere Dame aber überlebte, erneut darauf aufmerksam.

Ob Jörg Frömer nächstes Jahr trotzdem einen neuen Horngurken-Versuch startet? „Nein, ich konzentriere mich lieber auf meine Kartoffeln, Bohnen und auf alles, mit dem ich mich auskenne.“ Auch vor Zucchini fürchte er sich nicht. „Da vertraue ich schon immer auf Samen, die ich aus Südtirol bekomme.“

Und was, wenn es sich bei seiner aktuellen Ernte nun doch schlichtweg um ganz unschädliche Horngurken handelt? Vor dem Verzehr würde ein bitterer Geschmack ohnehin auffallen. Frömer: „Lieber nicht.“ Wer wisse schon, was dann passiert.

Kiwano ist der Handelsname der Horngurke

Die Horngurke, auch Hornmelone genannt, ist laut Internetlexikon Wikipedia eine Pflanzenart aus der Familie der Kürbisgewächse. Auch die gemeine Gurke zählt zu dieser Familie.

Die Früchte sind in Europa unter der Handelsmarke Kiwano bekannt.

Die Kiwanos stammen ursprünglich aus Afrika und werden zunehmend in Neuseeland und Israel angebaut.

Zur Fruchtreife sind die Früchte leuchtend orangefarben oder knallgelb. Das Innere ist grün, kann ausgelöffelt werden und gilt als erfrischend. Die Frucht hat damit nicht nur namentlich Ähnlichkeit mit der Kiwi.

Der Geschmack wird als Kombination von Bananen, Zitronen und Passionsfrucht beschrieben. Kiwanos können als Zutat im Obstsalat verwendet werden, aber auch als Beilage zu Fisch oder Fleisch.

Im deutschen Handel hat sich die Frucht noch nicht durchgesetzt. Dabei wird auf wertvolle Inhaltsstoffe in signifikanten Mengen verwiesen. Vitamin C, Kalium, Kalzium und Magnesium gehören dazu.

Von Matthias Anke

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