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Polizeihund Artemis geht in den Ruhestand

Lellichow (Ostprignitz-Ruppin) Polizeihund Artemis geht in den Ruhestand

Nach zehn Jahren im Staatsdienst wird Axel Redepennings Polizeihund Artemis jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Der 13-jährige Belgische Schäferhund kann so manchen Fahndungserfolg vorweisen. Doch seinen Lebensabend wird er ganz in Familie verbringen.

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Axel Redepenning und seine Familie werden sich weiterhin um Artemis kümmern.

Quelle: Alexander Beckmann

Lellichow. Für einen Hund zählt jedes Jahr siebenfach, sagt man. Wenn es danach ginge, wäre Artemis jetzt seit sieben Jahrzehnten im Staatsdienst. Das macht ihm keiner seiner Polizistenkollegen so schnell nach.

Und auch Polizeihauptmeister Axel Redepenning (51) aus Lellichow hält Artemis’ Karriere für etwas ganz besonderes. „Zehn Jahre sind für einen Hund eine lange Zeit“, sagt Redepenning, der schon seit 25 Jahren als Hundeführer vor allem mit Drogenspürhunden arbeitet. Schließlich seien die Tiere einer Doppelbelastung ausgesetzt: auf der einen Seite mit dem normalen Streifendienst, auf der anderen mit den Sucheinsätzen auf Abruf. „Und die Nasenarbeit ist für den Hund das anstrengendste überhaupt.“

Immer volle Einsatzbereitschaft

Dafür hat Artemis aber auch mehr von der Welt gesehen als mancher seiner Artgenossen. In ganz Berlin und Brandenburg, ab und an auch darüber hinaus, war der Belgische Schäferhund im Einsatz: bei Fahndungsaktionen, Durchsuchungen, an Flughäfen und in Justizvollzugsanstalten. „Da kamen schon mal Anforderungen, dass man morgens um vier an der Oder sein sollte“, erinnert sich Redepenning.

Artemis schweigt dazu. Mit den Jahren – inzwischen sind es 13 – ist er ruhiger geworden. „Er ist immer noch top dabei“, versichert sein Chef, „auch wenn er jetzt ein bisschen Rückenprobleme hat.“

Im Familienkreis war der Polizeihund für beinahe jeden Spaß zu haben

Im Familienkreis war der Polizeihund für beinahe jeden Spaß zu haben.

Quelle: Julia Redepenning

In seiner Jugend muss der Rüde auf jeden Fall ein richtig wilder Feger gewesen sein. Als eines von zehn Geschwistern kam er am 7. Mai 2004 auf dem Hof der Redepennings in Lellichow auf die Welt. „Der sollte eigentlich nie Polizeihund werden“, erzählt Familienvater Axel. „Wir wollten Sport mit ihm machen“, ergänzt Tochter Julia (26). Sie übernahm damals die erste Ausbildung des Junghundes. Der erwies sich als echte Sportskanone. „Wir halten bis heute den Bahnrekord auf der Agility-Strecke in Blesendorf“, berichtet Julia stolz. „Artemis hatte nur ein Problem: Er mochte keine fremden Menschen. Er war eben ein bisschen anders.“

Der Rüde bestand auf engem Kontakt zu seinen Vertrauten. Und so sahen Redepennings nur eine Möglichkeit: weitere Ausbildung und eine Aufgabe, die ihn zusammen mit einem Familienmitglied den ganzen Tag fordert.

Für Artemis war das sozusagen ein Kinder- oder besser Hundespiel. Zu den grundlegenden Fertigkeiten kamen ein paar neue hinzu, die ihn zum Schutzhund qualifizierten. Vor allem lernte der Rüde aber neues Spielzeug kennen – mit einem ganz speziellen Geruch. Das der von den kleinen Drogenproben kam, mit denen das Spielzeug präpariert war, interessierte Artemis wohl kaum. Wenn Axel Redepenning „Such!“ sagte, dann verstand der Rüde einfach: „Na, was meinste wohl, wo ich dein Spielzeug diesmal versteckt habe?“ Bei diesem Spiel ist Artemis praktisch unschlagbar. Und „ganz nebenbei“ führte ihn seine Supernase dabei zu Cannabisplantagen, Drogenlieferungen, Schmuggelware.

Auch ehrenamtlich unterwegs

Bei dieser Arbeit war der Hund so in seinem Element, dass er sogar seine Abneigung gegen Fremde vergaß. Zusammen mit Axel Redepenning besuchte er Schulen, Kitas und Ferienlager, um sein Können zu präsentieren. Die Kinder waren jedes Mal begeistert. „Unser Artemis war sogar für den Ehrenamtspreis von BB-Radio nominiert“, erzählt Julia. Vater Axel erinnert sich: „Da waren wir auf Schloss Diedersdorf. Ich kam mir vor wie im falschen Film.“ Sogar der Ministerpräsident sei dabei gewesen. Julia betont einen anderen Aspekt: „Da kam die Diskussion auf: Warum werden eigentlich immer nur Menschen geehrt?“

Das fragt sich Axel Redepenning inzwischen auch. „Für mich ist Artemis ein Kollege. Ich bin einer der wenigen Polizeihundeführer, die ihre Tiere nicht im Zwinger halten. Der Hund ist bei uns Familienmitglied.“ Dass das nicht jeder so sieht, weiß der Polizeihauptmeister. Und es ärgert ihn: „Beamte werden offiziell aus dem Dienst verabschiedet. Hunde nicht.“

Der Dienst und das ständige Training führten das Duo an die verschiedensten Orte

Der Dienst und das ständige Training führten das Duo an die verschiedensten Orte.

Quelle: Matthias Anke

Am kommenden Montag endet der Polizeidienst von Artemis – inoffiziell als Polizeiobermeister. „Meine Hunde haben alle einen Dienstgrad“, erklärt Axel Redepenning. „Immer einen Grad unter meinem. Damit klar ist, wer der Chef ist.“ Artemis’ Altersrente besteht aus Landeszuschüssen für Tierarztbesuche und Futter. Auch Hundesteuer muss Herrchen nicht zahlen. Und eines steht bombenfest: „Es gab noch nicht einen Diensthund, der nicht bei uns zu Hause geblieben ist.“ Ein paar schöne Ruhestandsjahre sollten also drin sein.

Ein Nachfolger im Dienst steht schon in den Startlöchern. Noch hat Charon seine Ausbildung nicht abgeschlossen. Aber die Grundausbildung bei Julia hat er schon hinter sich. Bald wird das Team Redepenning also wieder ermitteln.

Von Alexander Beckmann

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