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Ostprignitz-Ruppin Polizist sieht zu, wie der Dieb entwischt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Polizist sieht zu, wie der Dieb entwischt
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21:33 04.10.2016
Ein Griff in die Tasche – und das Portemonnaie war weg. Quelle: dpa
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Neuruppin

Pizza für die Enkel – mit diesem Auftrag eilte Dorrit Goebel-Koch in den Supermarkt. „Als sie sich bei Edeka über die Tiefkühltruhe beugte, spürte sie in ihrem Rücken eine leichte Berührung“, berichtet ihr Mann Peter Goebel. Sie sah einen Mann ohne Einkaufswagen, der sich rasch entfernte. „Sie bemerkte, dass ein Henkel ihrer Handtasche, die sie über der Schulter trug, herabhing.“ Ihr Portemonnaie fehlte. Die 72-Jährige stürzte dem vermeintlichen Dieb hinterher, der wohl aufgrund ihrer Schreie erschreckt stehen blieb. Was sie denn wolle, fragte er auf Englisch und streckte ihr seinen kleinen Stoffbeutel entgegen, in den sie schauen sollte. Dass er die andere Hand versteckt hielt, entging der Berlinerin, die mit ihrer Familie seit 20 Jahren in Neuruppin ein Feriendomizil bewohnt, nicht.

„Sie flitze um ihn herum – und siehe da: In der linken Hand hielt er ihr Portemonnaie“, erzählt Peter Goebel. Sie entriss ihm den Geldbeutel, er lief in Richtung Kasse. „Das ist ein Dieb!“, schrie die Gynäkologin in der Hoffnung, dass sich in dem Geschäft ein paar starke Männer finden, die ihr helfen, den vermeintlichen Täter zu fassen. Fehlanzeige. Der Dieb entwischte. „Die Verkäuferinnen, alle aus dem Häuschen, waren des Lobes voll über die mutige Tat und meinten, jetzt wüssten sie endlich, wie er aussähe“, berichtet Peter Goebel.

Geschädigte hofft, dass sich andere Diebstahlopfer melden

An die MAZ wendet sich der Psychotherapeut, weil er und seine Frau wollen, dass die Masche des Diebs bekannt wird. Der Täter, der es offensichtlich auf unachtsame Einkäufer abgesehen hat, ist etwa 30 Jahre alt. Bei dem Vorfall im Edeka trug der hellhäutige Mann ein weißes T-Shirt, knielange Shorts und ein weißes Käppi. „Vielleicht wird der Dieb noch gefasst, wenn sich andere melden.“

Doch das ist nicht der einzige Grund: Dorrit Goebel-Koch ging nach dem Diebstahl noch einmal in den Laden, in der Hoffnung, dass der Täter von einer Überwachungskamera erfasst worden sein könnte. Das war zwar nicht der Fall. Stattdessen erzählten ihr die Verkäuferinnen aber, dass sich während des gesamten Vorfalls im Vorraum des Supermarktes ein Polizist im Zivil befunden hatte. „Eingegriffen hatte er aber leider nicht“, sagt Peter Goebel. „Ich habe schon öfter Polizisten erlebt, die sich raushalten.“ Er könne das einerseits verstehen, schließlich habe er auch beruflich mit Polizeibeamten zu tun. „Die haben ein völlig anderes Angstpotenzial, weil sie andere Erfahrungen machen als der Normalbürger.“ Andererseits habe er auch schon Situationen erlebt, bei denen die Nichteinmischung an „Arbeitsverweigerung“ grenzte. Auf MAZ-Anfrage bestätigt Edeka-Marktleiterin Marion Bialek, die Geschichte. Eine ihrer Mitarbeiterinnen sagt auch erneut, dass sie den Polizisten im Zivil eindeutig erkannt hat.

Polizeisprecher nimmt seinen Kollegen in Schutz

Der Neuruppiner Polizeisprecher nimmt seinen Kollegen dennoch in Schutz. „Grundsätzlich ist ein Polizist verpflichtet zu handeln, wenn er im Dienst ist“, sagt Toralf Reinhardt. Wenn dieser sich hingegen irgendwo privat aufhält, dann wird er nur bei besonders schweren Straftaten sofort „in Dienst versetzt“. Dazu zählen Totschlag oder ein bewaffneter Überfall – ein Ladendiebstahl hingegen nicht. Eine moralische Pflicht, als Helfer den Bürgern auch in der Freizeit zur Seite zu stehen, gebe es hingegen nicht. „Wir sagen auch den Zeugen immer: Bringt euch nicht in Gefahr.“ Viel wichtiger sei es in so einer Situation, einen kühlen Kopf zu bewahren, die Polizei zu alarmieren und später eine genaue Täterbeschreibung zu liefern.

Fraglich sei zudem, ob der Beamte von dem Vorfall überhaupt etwas mitbekommen hatte. „Vielleicht hat er gerade in dem Moment den Einkaufszettel seiner Frau bei einem Wochenendeinkauf zu entziffern versucht“, sagt Reinhardt. Es könnte auch sein, dass der Polizist gerade mit einem anderen Auftrag, zum Beispiel jemanden zu observieren, in dem Laden beschäftigt war.

In manchen Tagen gibt es in Neuruppin viele Taschendiebstähle

Dass die Goebels den Diebstahl, der im September passiert ist, indes nicht schnell angezeigt haben, kann Reinhardt nicht verstehen. „Nur so haben wir die Chance, den Täter zu fassen.“ Die Masche des Täters sei eine gängige: Diebe greifen oft beim Einkaufen zu, weil die Menschen dabei auf etwas anderes konzentriert sind. Solche Delikte kommen in den Neuruppiner Märkten an manchen Tagen mehrfach vor. Dass es manch einem so vorkommt, als greife die Polizei nicht mit voller Härte durch, sei im System begründet, erklärt Toralf Reinhardt. Da ein Taschendiebstahl normalerweise nicht als eine Straftat, sondern nur als Vergehen bewertet wird, könne die Polizei „nicht in voller Intensität“ jedem Diebstahl nachgehen. Sprich: Ohne klare Hinweise geben die Polizisten irgendwann auf, nach dem Täter zu suchen.

Hilfe: Wer einen Diebstahl anzeigen will, kann sich in der Neuruppiner Polizeiwache unter Tel.  03391/35 40 melden.

Von Celina Aniol

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