Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Postkutsche für des Herzogs Küche

Wittstock Postkutsche für des Herzogs Küche

Die Stadt Wittstock lag bereits Ende des 17.Jahrhunderts auf dem Postkurs zwischen Berlin und Güstrow. Der Herzog von Mecklenburg-Strelitz sorgte jedoch dafür, dass die Stadt Kreuzung für Poststraßen wurde: Er wollte seine Lebensmittel schneller beziehen.

Voriger Artikel
Bodo Wartke im Stadtgarten
Nächster Artikel
Mehr als 3000 Unterschriften gesammelt

Das Telschowsche Haus in Wittstock war die erste Poststation in Wittstock ab 1681 für die Fahrpost von Berlin nach Güstrow.

Quelle: Claudia Bihler

Wittstock. Ein Viertel des Portos, ein Achtel vom Frachtgeld und ein Salär von 20 Talern – der erste Postmeister der Stadt Wittstock, Johann Friedrich Lorenz, konnte sich bereits 1689 über ein recht stabiles Einkommen freuen. Dabei: Als im Jahr 1681 die erste Postverbindung durch die Stadt Wittstock führte, nämlich der Postkurs von Berlin nach Güstrow, gab es gerade mal zwei Postkutschen pro Woche, die in der Dossestadt halt machten, um dort mit neuen Pferden ausgestattet zu werden. Montags und donnerstags hielten die Kutschen in Wittstock, 38 Stunden benötigte die „Güßtrowsche geschwinde Post“ zwischen den beiden Städten damals. Doch schon im Jahr 1713 sollten die Postmeister der Stadt mehr zu tun bekommen.

„Eine eigenartige Entstehungsursache“ für diesen neuen Postkurs zwischen Strelitz und Perleberg machte der Wittstocker Stadthistoriker Wilhelm Polthier 1933 in seiner „Geschichte der Stadt Wittstock“ aus: „Er ging auf den Wunsch des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz zurück, die Lebensmittel für seine Küche und andere Fahrpostsendungen aus Hamburg schneller und billiger, als es bis dahin über Güstrow möglich war, zu erhalten.“

Extravaganzen als Entwicklungsmotor

Ob es nun Salzheringe oder Südfrüchte aus Hamburg waren – ungewöhnlich war der Wunsch des Mecklenburger Herzogs zu dieser Zeit nicht. Schließlich war auch der Postweg zwischen Hamburg und Berlin unter anderem darum eingerichtet worden, „um die unersättliche Lust des Berliner Hofes auf kulinarische Delikatessen – Austern, Südfrüchte und exotisches Gemüse wie Kartoffeln“ zu stillen. Dazu wurde im 17. Jahrhundert eine „Küchenpost“ zwischen Berlin und Hamburg eingerichtet – leicht nachzulesen im Wustrauer Wegemuseum, das sich nicht nur der Geschichte des Wege- und Chausseebaus durch die Prignitz widmet, sondern auch der damit eng verbundenen Entwicklungsgeschichte der Post in der Region.

Am Telschowschen Haus weist heute ein Hinweisschild auf sein Alter und eine Infotafel auf seine frühere seine Nutzung hin

Am Telschowschen Haus weist heute ein Hinweisschild auf sein Alter und eine Infotafel auf seine frühere seine Nutzung hin.

Quelle: Claudia Bihler

So extravagant der Wunsch des Mecklenburg-Strelitzer heute erscheinen mag: Durch diese „Spezialitäten-Verbindung“ wurde Wittstock zum Kreuzungspunkt mehrere Poststraßen, erhielt damit auch Anschluss an die wichtige Strecke nach Hamburg und eines der nur 79 Postämter, die es in Preußen zu dieser Zeit gab. Ab der Jahrhundertwende wurden Stück für Stück weitere Postlinien eingerichtet, darunter nach Ruppin, nach Kyritz, Rheinsberg oder Röbel, die täglich angefahren wurden.

Preußisches Postwappen

Preußisches Postwappen.

Quelle: Wikipedia

Nun hatten auch die Postmeister zu tun, denn sie waren die ersten Ansprechpartner, wenn Reisende und Postillione über den Zustand der Straßen klagten. Der Postmeister wiederum musste beim Magistrat auf Verbesserung drängen – ob nun die Stadttore zu langsam geöffnet wurden oder die Postkutsche im Schlamm stecken blieb. Der Magistrat wies häufiger mal die Verantwortung von sich. Polthier berichtet etwa von Posthalter Nagel, der vom Magistrat recht unwirsch abgefertigt wurde: Bei nassem Wetter seien die besten Wege schlecht, und wenn die Wagen stecken blieben, liege es wohl an den Pferden des Posthalters, „die vielleicht die entkräftetsten Postpferde in den königlich Preußischen Staaten sind“.

Eisenbahn sorgte für Erleichterungen

Dass das Reisen auf den holprigen Landstraßen mehr als beschwerlich war, erschließt sich leicht – teilweise waren die Strecken in schlechtem Zustand, teilweise wuchsen sie nur wenig genutzt bereits wieder zu. Die Postillione mussten ihre Tiere dennoch vorantreiben – schließlich waren in den Posthandbüchern nicht nur die Stationen aufgelistet, an denen sie zu halten hatten. Die Postkutschen fuhren auch nach einem exakten Fahrplan, der einzuhalten war.

Abhilfe sollte erst die Eisenbahn bringen. Mitte des 19. Jahrhunderts war die erste Eisenbahnstrecke, die von Wittstock aus erreichbar war, der Eisenbahnanschluss in Neustadt (Dosse), der 1846 in Betrieb ging.

Ein Postreiter trifft an einer Poststation ein

Ein Postreiter trifft an einer Poststation ein. Darstellung auf dem Frontispiz von Melissantes Neuer Geographie um 1708.

Quelle: Claudia Wikipedia

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert sollte das Problem der maroden Straßen dann auch für Wittstock der Vergangenheit angehören. 1880 war Neuruppin ans Eisenbahnnetz angeschlossen worden, anschließend konnte Kremmen mit Berlin verknüpft werden. Auf geradem Weg sollte die Bahn dann über Neuruppin nach Wittstock führen – und damit dem Verlauf des heutigen Prignitz-Express folgen.

Biertrinken nur bis 22 Uhr

Die preußische Staatsbahn hatte allerdings kein Interesse an der Strecke, und so wurde 1896 zum Bau die private Kremmen-Neuruppin-Wittstocker Eisenbahn-Aktien-Gesellschaft gegründet. Nachdem die 65 Kilometer lange Strecke gebaut war, konnten auch die Wittstocker Postmeister ihre Transporte per Bahn organisieren.

Bis dahin allerdings waren für viele Reisende Zwischen-Übernachtungen in Wittstock nötig. In den frühen Zeiten konnten Reisende wie Kutscher in der Poststation übernachten. Im Ratskeller oder den Häusern der Brauer konnten die Übernachtungsgäste auch ein Bier trinken. Allerdings bis ins 18. Jahrhundert hinein ausschließlich bis 22 Uhr aufgrund eines kurfürstlichen Erlasses, dem sich allerdings die Wittstocker Ratsherren mit allen Mitteln versuchten, zu widersetzen.

Nachdem der ungeliebte Erlass fiel, war der weg frei für die Gründung zahlreicher Gaststätten in der Stadt – vom Gasthof „Goldene Traube“ bis hin zum „Zum grünen Baum“, Gasthof des Posthalters Nagel, in dem unter anderem Stallungen für bis zu 90 Pferde vorhanden waren.

Von Claudia Bihler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

c001ffb8-fc5e-11e7-90a2-a388f9eff187
Kyritz damals und heute

Über ihre mittelalterlichen Grenzen wuchs die Knatterstadt erst im 19. Jahrhundert hinaus. Aber dann richtig: Die Stadt ist im steten Wandel begriffen. Viele alte Bauten mussten bis in die jüngste Zeit hinein neuen Ideen und Bedürfnissen weichen.

7d84d8be-fb68-11e7-b11f-9a7b802e86ee
Lindow damals und heute

Die MAZ lädt ein zu einer Zeitreise. Wir haben historische Ansichten von Lindow zusammengestellt und vom gleichen Ort aus wie damals heute noch einmal eine Aufnahme gemacht. Die Ergebnisse zeigt diese Bildergalerie. Die historischen Karten stammen aus dem Privatarchiv des Lindowers Udo Rönnefahrt.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg