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Premiere von Händel-Oper „Alcina“

Rheinsberg Premiere von Händel-Oper „Alcina“

Wer sagt, dass Oper nicht auch mit modernen Rhythmen gemixt werden kann? Frank Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper Rheinsberg, hat den Anspruch, Oper auch jüngerem Publikum schmackhaft zu machen. Er setzt auf Rock und Jazz aber auch Klänge der Neuen Musik. Schon im Vorjahr tastete er sich in die Materie, jetzt legte er mit Händels „Alcina“ nach.

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Irrungen, Wirrungen: (v. l.) Kirill Iwanow (Melissos), Jessica Véronique Miller (Bradamante), Clara Corinna Scheurle (Ruggiero).

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. „Es war ein absoluter Publikumserfolg“, sagt Frank Matthus über die Premiere der Oper „Alcina“ innerhalb der Kammeroper Schloss Rheinsberg am Freitagabend. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

Denn ein wenig riskant ist es schon immer, Altbewährtes – in diesem Fall die barocke Händel-Oper – dem Zeitgeist anzupassen. „Wir sind zwar nicht die ersten, die das machen – aber mutig ist es immer“, so der künstlerische Leiter der Kammeroper. Er will nicht nur in jedem Jahr eine Uraufführung präsentieren, sondern auch durch neue Klänge neuen Generationen einen Zugang zur Oper zu schaffen.

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Mit der Oper „Alcina“ von Georg Friedrich Händel hat die erste große szenischen Produktion im 26. Festivalsommer der Kammeroper Schloss Rheinsberg Premiere. Das Publikum findet sich auf der Insel der Zauberin Alcina, inmitten des Schlosstheaters wieder. Zu hören ist nicht ausschließlich die Musik Händels. Der Berliner Komponist Mark Scheibe hat zusätzliche Stücke für die Aufführungen komponiert.

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Bereits im Vorjahr – 2015 hat Frank Matthus den Staffelstab von seinem Vater, dem Kammeropergründer Siegfried Matthus, übernommen – wagte er die verschiedensten Experimente. Damals ebenfalls mit einer Händeloper, „Amadigi“, die er mit modernen Kostümen ins Hier und Jetzt holte. Danach besagte Uraufführung: „Adriana“ war eine Oper nach dem Libretto der zeitgenössischen Autorin Elke Heidenreich, die Musik schrieb deren Lebenspartner Marc-Aurel Floros. Auch bei den Sonntags-Matineen setzt Frank Matthus nicht allein auf die durchweg ausgewählt-erlesenen Stimmen seiner Sänger und den Charme berühmter Arien. Auch hierbei wagte er Ausflüge in die Welt des Jazz, Pop oder Rock.

Beim Publikum kam das überwiegend gut an. Dass auch bisweilen kritische Stimmen aufkamen, stört Frank Matthus nicht. Denn Neues sorgt immer für Diskussionen. „Wenn es Innovationen nicht schon immer gegeben hätte, hätten wir auch keinen Barock“, ist Frank Matthus überzeugt. „Mein Bestreben ist, neue Ausdrucksformen für die Oper des 21. Jahrhunderts zu suchen, die über Avantgarde und zeitgenössische Musik hinausgehen.“ Er will Elemente aus Jazz, Rock und Funk einzubringen – die traditionelle Form der Oper indes erhalten.

Frank Matthus

Frank Matthus

Quelle: Regine Buddeke

„Zeitgenössische Opern sind heute Kunst- und Kopfprodukte – sie erreichen die Zuschauer oft nicht mehr“, sagt Opern-Fan Matthus, der wieder einen emotionalen Zugang schaffen möchte und sich daher gern der alten Klänge bedient. „Ich würde so etwas wohl nicht mit Carmen, Tosca oder La Traviata machen“, versichert er.

Händels „Alcina“ schien ihm ein geeigneter Stoff. „Eine der schönsten Musiken des Barock“, schwärmt er. Und da das Ganze auf einer Zauberinsel spielt, haben Regisseurin Isabel Ostermann und insbesondere Mark Scheibe als Co-Komponist neben Händel ihrem Affen kräftig Zucker gegeben.

Scheibe übernimmt überdies als Conferencier am Klavier den Erzählerpart, um die Handlung, in Ermangelung von eingeblendeten Texten der italienischen Verse, den Zuschauern – neckisch gereimt – nahezubringen. Auch am zweiten Abend wird die „Alcina“ stürmisch gefeiert, Dirigent Attilio Cremonesi gar mit spontanem Fußgetrommel.

Alcina und Ruggiero

Alcina und Ruggiero.

Quelle: Peter Geisler

In dieser Saison sorgte bereits der „Mozart in 90 Minuten“ für Furore, ein irrwitziger Versuch, das Gesamtwerk des Genies in voller Bandbreite zu zeigen. Die vier enthusiastischen Sänger waren auch Pantomimen, Ballerinen, Rapper und Puppenspieler, um sich durch sämtliche Opern und Sinfonien Mozarts zu toben: ein schweißtreibend-vergnüglicher Abend. „Das war ein Experiment – und ein schöner Erfolg“, zieht Frank Matthus Resümee. Auch die Operngala sei ein Fest gewesen.

Frank Matthus sieht sich mit seinem Versuch auf gutem Wege. Gern lässt er sich in seinen eigenen Ideen auch von denen seines Teams inspirieren. Ob er – nach seiner langen Zeit im Netzebander Theatersommer – angekommen ist in Rheinsberg? „Schon im Vorjahr“, sagt er. Aber es verdichte sich in dieser Saison. Was sein Konzept betrifft, ist er optimistisch. „Veränderungen brauchen Zeit – das funktioniert nicht in einem Jahr.“ Der Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Wir sind in einer spannenden, hoffnungsvollen Phase.“

Von Regine Buddeke

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