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Proben für Brecht-Stück haben begonnen

Netzeband Proben für Brecht-Stück haben begonnen

Ein Stück von Bertolt Brecht stand bisher noch nie auf dem Spielplan des Theatersommers Netzeband. Vor ein paar Tagen nun haben die Proben für „Der gute Mensch von Sezuan“ begonnen: Ein Stück, dass brandaktuell ist. Die Kluft zwischen Gutmensch und Ultrakapitalist passt in unsere Zeit. Premiere ist am 29. Juli.

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„Maskenball“: Wang und Mi Tzü, Gott und Shen Te – mit Sascha Mey (l.) und Gritt Maruschke (r.).

Quelle: Geisler

Netzeband. Die Masken sind ein Traum: Aus der von Mi Tzü sprießt ein leuchtendroter Teppichklopfer, umrahmt von einer Handvoll gelackter chinesischer Stäbchen. Die Teppichhändler sind mit Kiefernzapfen und Naturperlen gekrönt, der Polizist ist strahlend gelb behütet, den Barbier Shu Fu ziert eine Tolle, um die ihn Promi-Friseure beneiden würden. Die Prostituierte Shen Te wird durch einen rosafarbenen Spitzenfächer symbolisiert, ihr „böses“ Alter Ego Shui Ta, der Ultrakapitalist, trägt Zylinder. Was auch sonst? Maskenbildnerin Jana Fahrbach hat über mandelförmigen Augen in puderweißen Gesichtern leuchtend bunte Haare oder farbenprächtige Stoffe drapiert, die je nach Figur auch im Kostüm Verwendung gefunden haben. Alles atmet asiatisches Flair – wen wundert’s: Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ ist just im tiefsten China angesiedelt. Zumindest bei oberflächlicher Betrachtung.

Die Masken, hier Daria Monciu mit der von Shen Te, sind bereits fertig

Die Masken, hier Daria Monciu mit der von Shen Te, sind bereits fertig.

Quelle: Peter Geisler

„Das Thema ist gerade jetzt zutiefst brisant“, benennt es Sascha Mey, der die Regie führt. Es geht um das Funktionieren in einer Leistungsgesellschaft, die sich immer mehr verselbstständigt. Und darum, wie man in solcher bestehen kann, ohne sich selbst zu verlieren. „Wir haben die Parabel Brechts ins Hier und Jetzt geholt“, beschreibt er seine Ambition. Ob man als Gutmensch bestehen könne in einer Welt, die voll ist von Egozentrikern, Selbstdarstellern und Egomanen. „Das war für mich extrem spannend“, sagt der 30-Jährige, der von Frank Matthus nach Netzeband geholt wurde. „Ich habe mit Sascha mehrfach am Krefelder Theater zusammengearbeitet und ihn als politisch engagierten Theatermacher erlebt“, begründet Matthus, Chef des Fördervereins Temnitzkirche und langjähriger künstlerischer Leiter des Theatersommers, seine Wahl. Es wird Meys erste eigenständige Regiearbeit sein. Seit knapp zwei Wochen wird nun geprobt.

Sascha Mey führt im Stück Regie

Jana Fahrbach, die derzeit bei den Salzburger Festspielen eingespannt ist, hat 27 Masken vorbereitet, die Feinanpassung passiert am Set. Das Bühnenbild ist ebenfalls in Arbeit. Eine Herausforderung: soll doch aus Shen Tes Dirnenstube später der Tabakladen werden. Eine ganze Stadt ist darzustellen, der Aufstieg Sezuans soll durch leuchtende China-Laternen symbolisiert werden. Choreografin Gritt Maruschke von der Jugendkunstschule Neuruppin, seit sechs Jahren in Netzeband dabei, versucht, die großen Bilder choreografisch noch eindrucksvoller zu gestalten. „Die Szenen-Umbauten finden offen statt“, verrät Sascha Mey. „Wir haben da noch einige Ideen, die wir in der Probenphase erst testen müssen“, sagt er und verrät keine weiteren Details.

Neben den Profi-Darstellern und langgedienten Semi-Profis sind dieses Jahr fünf Netzeband-Neulinge im 19-köpfigen Darsteller-Team. Die Tonaufnahmen, nach denen die Mimen agieren werden, sind fertig. Auf Tom Quaas Stimme wird man diese Saison verzichten müssen. „Ich habe Schauspieler aus Netzeband und Krefeld für die Tonaufnahmen verpflichtet“, sagt der Regisseur. Auch die Musik ist fast im Kasten. Ursprünglich war die Auflage des rechtegebenden Verlages, das Stück nur mit der Musik Paul Dessaus aufzuführen. „Man ist uns aber sehr entgegengekommen“ sagt Matthus erleichtert – Dessau hätte nicht gut in den Gutspark gepasst. „Jetzt haben wir freie Hand.“

Daria Monciu hat die Haupt-Doppelrolle Shen Te/Shui Ta

Daria Monciu, bereits das zweite Jahr in Netzeband dabei, spielt die Doppelrolle Shen Te/Shui Ta: die Gratwanderung zwischen gut und hartherzig, zwischen Wollen und Müssen. „Es ist erstaunlich, wie die Masken einen verändern“, sagt sie. Wenn ich die von Shui Ta aufsetze, habe ich ein Machtgefühl gespürt“, sagt sie. Auch im wirklichen Leben sei man oft gezwungen, sich hinter einer Maske zu verstecken. Auch wenn diese selten so prächtig sind wie die in Netzeband.

„Der gute Mensch von Sezuan“ hat am 29. Juli, 20.30 Uhr im Gutspark Netzeband Premiere. Karten unter tourist-information@rheinsberg.de oder 033931/3 49 40.
www.theatersommer-netzeband.de

Von Regine Buddeke

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