Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Projektschiff erinnert an Fluchtursachen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Projektschiff erinnert an Fluchtursachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 26.09.2017
Fluchtgründe sind international: Die Kupferfiguren von Jens Galschiot haben Gesichtszüge ganz unterschiedlicher Herkunftsregionen. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Im Sommer 2013 klettern 282 Menschen aus Eritrea und Äthiopien im Hafen von Lampedusa von einem Schlepperboot. Der alte Holzkutter hat sie sicher über das Mittelmeer gebracht. Ein kleines Wunder.

Zwei Jahre später heißt das Boot „Al-hadj Djumaa“ und hat eine Mission. Mit 80 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiot an Bord fährt das ehemalige Schlepperboot 25 deutsche Städte an, um an gefährliche Fluchtwege und das Sterben auf dem Mittelmeer zu erinnern. Bis zum Sonnabend, dem nationalen Flüchtlingstag, soll die „Al-hadj Djumaa“ mit ihren Flüchtlingsskulpturen Berlin erreicht haben. Am Montag hatte sie in Neuruppin, der vorletzten Station ihrer Reise, festgemacht.

282 Flüchtlinge haben vor vier Jahren auf der kleinen „Al-hadj Djumaa“ die Überfahrt von Libyen nach Lampedusa gewagt. Das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ informiert über Flüchtlingsschicksale. Auf seiner Reise durch Deutschland hat das Boot auch in Neuruppin angelegt.

„Was Flucht bedeutet, ist für die meisten von uns nicht vorstellbar“, sagte Landrat Ralf Reinhardt, der das Schiff am Dienstag mit Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde begrüßte. Umso wichtiger sei es, sich mit Fluchtgründen und Integrationschancen auseinanderzusetzen. Weltweit würden weiterhin Millionen Menschen fliehen müssen. „Dieses Boot ist ein Mahnmal für etwas, was nicht aufhört und durch keine Obergrenze zu stoppen ist.“

Riesengeschäft für Schlepper

Die Not der Menschen, die vor Kriegen und Hunger fliehen, ist ein Riesengeschäft für Schlepper. Allein mit den 282 Menschen, die an Bord „Al-hadj Djumaa“ gestiegen waren, hätten die Schlepper etwa eine Viertelmillion Euro verdient, sagte Gerald Mennen, Geschäftsführer der Outlaw-Stiftung, die das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ aufgelegt hat. „Wo die Boote weg fahren, wird Cash gemacht.“

Kein Mensch verlasse freiwillig seine Heimat, sagte Mennen. Viele Flüchtlinge hätten vor ihrer Fahrt übers Mittelmeer bereits einen qualvollen Fluchtweg hinter sich, hätten Wüstendurchquerungen und Gefängnisaufenthalte überstehen müssen „Die Todeszahlen bis dorthin sind noch viel höher.“

Gespräche mit denen, die noch erreichbar sind

Auf seinem Weg nach Berlin lud das Schiffsprojekt zu Lesungen, Diskussionen und Theaterprojekten. Wichtig waren der Schiffsbesatzung zudem Gespräche mit Menschen, die der Ankunft von Flüchtlingen kritisch bis feindlich gegenüber stehen. „Vielleicht haben wir einen Ansatz für eine andere Perspektive geben können“, so Mennen. Kaum jemand werde vorgefertigte Meinungen aufgeben. „Aber wir werden uns mit denen auseinander setzen, die noch erreichbar sind.“

Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse warb auch Bürgermeister Jens-Peter Golde für ein Nichtabreißenlassen des Dialogs. Neuruppin habe mit vielen Demos auf dem Schulplatz bewiesen, dass es eine bunte Stadt sei. „Aber man darf nicht nur mit der Trillerpfeife dastehen“, sagte er. „Man muss sich auch auf intellektueller Ebene auseinandersetzen.“

Von Frauke Herweg

Wo hat welche Partei und welcher Kandidat im Bundestagswahlkreis 56 am meisten gepunktet? Die MAZ hat sich die Ergebnisse angeschaut. Demnach hat CDU-Mann Steineke in Neuruppin und Wittenberge die wenigsten Stimmen erhalten, die AfD hat besonders in Heiligengrabe und Rheinsberg gepunktet und SPD-Frau Ziegler hat in Wittenberge gewonnen.

29.09.2017

1967 gründete „Chorvater“ Hans-Peter Schurz in der damaligen EOS Neuruppin den Märkischen Jugendchor. Der wurde nun 50 Jahre alt: das wurde im Neuruppiner Stadtgarten stimmgewaltig gefeiert. Mit dabei auch viele Ehemalige; rund 600 Sänger haben im vergangenen halben Jahrhundert im Chor mitgesungen und viel für Stimme und Leben gelernt.

29.09.2017

In der Dosse sollen sich Fischarten wie Forelle oder Elritze stärker vermehren. In Goldbeck fuhr deshalb am Dienstag schwere Technik auf, um sogenannten Laichkies ins Flussbett zu befördern. Dort kann der Nachwuchs schlüpfen.

09.11.2017