Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Projektschiff erinnert an Fluchtursachen

Neuruppin Projektschiff erinnert an Fluchtursachen

Die „Al-hadj Dschumaa“ ist ein schwimmendes Mahnmal. Mit 80 Flüchtlingsskulpturen an Bord fährt das ehemalige Schlepperboot durch ganz Deutschland. Am Montag legte es auch in Neuruppin an.

Voriger Artikel
Mühsames Zählen, schnelle Weitergabe
Nächster Artikel
12.000 Besucher bei der Hengstparade

Fluchtgründe sind international: Die Kupferfiguren von Jens Galschiot haben Gesichtszüge ganz unterschiedlicher Herkunftsregionen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Im Sommer 2013 klettern 282 Menschen aus Eritrea und Äthiopien im Hafen von Lampedusa von einem Schlepperboot. Der alte Holzkutter hat sie sicher über das Mittelmeer gebracht. Ein kleines Wunder.

Zwei Jahre später heißt das Boot „Al-hadj Djumaa“ und hat eine Mission. Mit 80 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiot an Bord fährt das ehemalige Schlepperboot 25 deutsche Städte an, um an gefährliche Fluchtwege und das Sterben auf dem Mittelmeer zu erinnern. Bis zum Sonnabend, dem nationalen Flüchtlingstag, soll die „Al-hadj Djumaa“ mit ihren Flüchtlingsskulpturen Berlin erreicht haben. Am Montag hatte sie in Neuruppin, der vorletzten Station ihrer Reise, festgemacht.

19a90036-a2a8-11e7-b4ec-506d3b985282

282 Flüchtlinge haben vor vier Jahren auf der kleinen „Al-hadj Djumaa“ die Überfahrt von Libyen nach Lampedusa gewagt. Das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ informiert über Flüchtlingsschicksale. Auf seiner Reise durch Deutschland hat das Boot auch in Neuruppin angelegt.

Zur Bildergalerie

„Was Flucht bedeutet, ist für die meisten von uns nicht vorstellbar“, sagte Landrat Ralf Reinhardt, der das Schiff am Dienstag mit Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde begrüßte. Umso wichtiger sei es, sich mit Fluchtgründen und Integrationschancen auseinanderzusetzen. Weltweit würden weiterhin Millionen Menschen fliehen müssen. „Dieses Boot ist ein Mahnmal für etwas, was nicht aufhört und durch keine Obergrenze zu stoppen ist.“

Riesengeschäft für Schlepper

Die Not der Menschen, die vor Kriegen und Hunger fliehen, ist ein Riesengeschäft für Schlepper. Allein mit den 282 Menschen, die an Bord „Al-hadj Djumaa“ gestiegen waren, hätten die Schlepper etwa eine Viertelmillion Euro verdient, sagte Gerald Mennen, Geschäftsführer der Outlaw-Stiftung, die das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ aufgelegt hat. „Wo die Boote weg fahren, wird Cash gemacht.“

Kein Mensch verlasse freiwillig seine Heimat, sagte Mennen. Viele Flüchtlinge hätten vor ihrer Fahrt übers Mittelmeer bereits einen qualvollen Fluchtweg hinter sich, hätten Wüstendurchquerungen und Gefängnisaufenthalte überstehen müssen „Die Todeszahlen bis dorthin sind noch viel höher.“

Gespräche mit denen, die noch erreichbar sind

Auf seinem Weg nach Berlin lud das Schiffsprojekt zu Lesungen, Diskussionen und Theaterprojekten. Wichtig waren der Schiffsbesatzung zudem Gespräche mit Menschen, die der Ankunft von Flüchtlingen kritisch bis feindlich gegenüber stehen. „Vielleicht haben wir einen Ansatz für eine andere Perspektive geben können“, so Mennen. Kaum jemand werde vorgefertigte Meinungen aufgeben. „Aber wir werden uns mit denen auseinander setzen, die noch erreichbar sind.“

Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse warb auch Bürgermeister Jens-Peter Golde für ein Nichtabreißenlassen des Dialogs. Neuruppin habe mit vielen Demos auf dem Schulplatz bewiesen, dass es eine bunte Stadt sei. „Aber man darf nicht nur mit der Trillerpfeife dastehen“, sagte er. „Man muss sich auch auf intellektueller Ebene auseinandersetzen.“

Von Frauke Herweg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg