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Ostprignitz-Ruppin "Hauen Sie ab mit ihrem Zeug"
Lokales Ostprignitz-Ruppin "Hauen Sie ab mit ihrem Zeug"
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09:55 14.03.2014
Genrefoto Quelle: dpa
Blesendorf

Das kündigte der Blesendorfer Ortsvorsteher Wolfram Hlouschek am Mittwochabend an. Zuvor hatten sich die Investoren Hermann Hemmen und Jan-Anne Legendal der Auseinandersetzung mit Einwohnern aus dem Raum Blesendorf, Könkendorf und Sadenbeck gestellt. Dabei war es zum Teil heftig zur Sache gegangen. "Hauen Sie ab mit ihrem Zeug. Wir wollen Sie hier nicht", rief ein Gast aus Sadenbeck und kündigte an, "alles tun" zu wollen, um diese Mastanlage zu verhindern. Ein anderer fragte Legendal, der selbst in Könkendorf wohnt, wie er denn den Einwohnern noch in die Augen schauen könne, wenn die Anlage dort gebaut wird. Er würde in dem Dorf ohnehin keine Freunde finden, man würde höchstens vor ihm ausspucken.

Die Einwohner fürchten Gestank, Boden- und Verkehrsbelastung und kritisieren den Umgang mit den Tieren. Konkrete Aussagen zum Betrieb der Anlage blieben Hemmen und Legendal weitgehend schuldig. Es gab lediglich die Mitteilung, dass rund 325000 Hähnchen dort gemästet und vier Arbeitskräfte aus der Region eingestellt werden sollen. Hemmen sprach schnell und mit sehr starkem holländischen Akzent, sodass er kaum zu verstehen war. Wolfram Hlouschek als Gastgeber musste teilweise übersetzen. "Wir mästen hier die Hähnchen, wenn wir eine Genehmigung dafür bekommen", sagte Hemmen. Als Nachfragen kamen, die darauf abzielten, wie hoch die Verkehrsbelastung denn sein werde, wo geschlachtet werden soll oder wo der anfallende Hühnerdung letztlich lande, kamen nur spärliche Aussagen. Die sogenannte Dungplatte werde "in der Nähe" der Anlage sein.

Als Schlachteorte waren teils das mecklenburgische Brenz, teils "in der Nähe von Berlin" im Gespräch. Angesichts der wenigen Informationen wurde dem Investorenteam Hemmen/Legendal vorgeworfen, nur Geld machen zu wollen und selbst nicht zu wissen, was sie denn eigentlich täten. "Der verarscht doch die Leute", sagte jemand. Und: "Wenn wir zusammenhalten, können wir einiges bewegen." Die Stimmung war merklich aufgeheizt. Hemmen und später auch Legendal standen vor den Leuten und machten nahezu keine Versuche gegenzuhalten, sondern ließen die Tiraden über sich ergehen.

Sachlicher wurde Philipp Wacker von der BI Wittstock contra Industriehuhn. "Sie haben einen sehr steinigen und teuren Weg vor sich", sagte er und fragte: "Warum sagen Sie nicht, ich investiere in moderne Filteranlagen. Schließlich lebe ich hier." Am besten sei es jedoch, den Bauantrag gänzlich zurückzuziehen. Hemmen betonte, dass er sich an alle gesetzlichen Vorgaben halten werde. Viel mehr war ihm aber kaum zu entlocken.

Den Gästen war das zu wenig. Sie warfen Hemmen vor, sich hinter Gesetzen verstecken zu wollen. Immerhin zollte Philipp Wacker den Holländern auch Respekt. Denn es sei nicht selbstverständlich, dass sich Investoren einer solchen Veranstaltung überhaupt stellen.

Kritik musste sich aber auch der Wilmersdorfer Ortsvorsteher Heinz-Otto Voß anhören. Ihm wurde vorgeworfen, die Einwohner in Könkendorf zu spät über die Hähnchenmastpläne informiert zu haben. Erst am 5. März gab es dort eine Informationsveranstaltung zum Thema (die MAZ berichtete). Bis dahin sei das Ganze weitgehend unbekannt gewesen. Voß beteuerte, selbst erst seit kurzem von den Bauplänen zu wissen und räumte ein, sich wohl "zu wenig darum gekümmert" zu haben. Gleichzeitig berichtete Wolfram Hlouschek, von den Bauplänen im November vergangenen Jahres erfahren zu haben, obwohl Blesendorf lediglich der Nachbarort ist und auch zum Nachbarkreis OPR gehört. Damals habe es geheißen, dass Blesendorf in den Fahrtrouten zu und von der Anlage in Könkendorf nicht mehr vorkomme. "Eigentlich hatte ich auch Friedhelm Müller vom Bauamt in Pritzwalk eingeladen, aber er hat abgesagt", berichtete Hlouschek. Er hatte ihn fragen wollen, welche Routen die Fahrer denn nun nehmen sollen. Sowohl in Blesendorf als auch in Könkendorf wird befürchtet, dass die Straßen durch den zusätzlichen Verkehr stark beschädigt und die Anwohner zur Kasse gebeten werden, wenn es um die Sanierung geht. Letztlich sei es aber auch zweitrangig, auf welchen Straßen die Laster unterwegs sind: "Wir wollen es einfach nicht", sagte Wolfram Hlouschek und bekam Applaus.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der Schulterschluss zwischen den Blesendorfern und Könkendorfern besiegelt. Wenn die Baupläne innerhalb des Genehmigungsverfahrens vier Wochen lang ausgelegt werden, wollen sie stichhaltige Einwände vorbringen, um die Sache möglichst doch noch zu kippen. Dabei will die nun in Gründung befindliche BI auch mit der BI "Wittstock contra Industriehuhn" zusammenarbeiten.

Von Björn Wagener

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