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Protzen Open Air feiert Jubiläum

Protzen Protzen Open Air feiert Jubiläum

Ab Donnerstag kommen 1000 Metal-Fans ins kleine Protzen. Sie feiern bei der 20. Ausgabe des Protzen Open Air die Musik der harten Gangart. 30 Bands sind im Jubiläumsjahr angekündigt.

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Kampfar aus Norwegen begeisterten im vergangenen Jahr die Metal-Fans in Protzen. Zum diesjährigen Jubiläums-Festival sind 30 Bands angekündigt.

Quelle: Andreas Vogel

Protzen. Nur drei Tage hatte es gedauert – da waren die 1000 Karten des Protzen Open Air ausverkauft. Am 5. September hatten die Festivalmacher die Karten erstmals im Internet angeboten. Zwei Mal brach der Server daraufhin wegen des großen Ansturms zusammen. Kurze Zeit später hieß es auf der Internetseite „sold out“ – ausverkauft. „Dabei war damals noch nicht mal klar, welche Bands überhaupt spielen würden“, sagt Mario Grimmer und grinst.

Das kleine, feine Festival am Rande des Rhinluchs ist eine Institution in der Metal-Szene. 30 Bands spielen ab Donnerstag auf einer Wiese unweit des Friedhofes. Zum 20-jährigen Bestehen des Festivals haben Grimmer und seine Helfer erstmals zwei Bühnen aufgebaut. Einige große Bands mit Namen in der Szene werden dort spielen, aber auch viele noch nicht so bekannte, die sich ein großes Publikum erst noch erspielen müssen. „Denen geben wir gerne mal eine große Stage.“

Ein Auftritt der „Gods of Death“ kam nicht zustande

Seit 2003 bucht Grimmer, langer grauer Zopf, schwarze Brille, die Bands für Protzen. In keinem Jahr ging so viel schief wie im Jubiläumsjahr, sagt er. Ein Vertrag mit den „Gods of Death“ etwa, den Pionieren des Death Metal in den USA, kam nicht zustande. Trotz wochenlangem E-Mail-Verkehr. Andere Bands sagten unmittelbar vor dem Festival ab.

„Es wäre der Knaller gewesen, wenn Gods of Death gekommen wären“, sagt Grimmer. „Eine uralte Band.“ Doch Grimmer und die Musiker aus Florida kamen bei den zu buchenden Flügen nicht zu einander. Grimmer rieb sich erst auf und zog dann die Reißleine. Buchte eine andere Band. Schirenc plays pungent Stench. Auch ein großer Name. „In all den Jahren wird man massiv ruhiger“, sagt der 39-Jährige. „Du hast Leute in Europa, auf die du dich verlassen kannst.“

Kaum eine Katastrophe, die Grimmer noch schreckt

Grimmer ist ein Routinier. Kaum eine Katastrophe, die ihn noch schreckt. Im vergangenen Jahr etwa blieben vier Bands auf ihrem Weg nach Protzen in Tschechien und anderswo mit ihren Autos liegen. Grimmer und seine Helfer organisierten. Telefonierten. Alle Musiker waren rechtzeitig am Set.

In diesem Jahre kommen neben vielen Bands aus Deutschland auch Formationen aus den Niederlanden, aus Schweden, den USA, Ungarn oder Österreich. Was all diese Bands ins kleine Protzen mit seinen gerade mal 500 Einwohnern zieht? Grimmer weiß es nicht. „Ich hoffe, dass sich hier alle wohl fühlen“, sagt er schlicht. Als ein Band-Frontmann bei einem der jüngsten Konzerte sagte, er sei froh, „wieder zu Hause zu sein“, war auch Grimmer tief berührt. „Das hat der in so einen Moment der Stille reingesagt – das durchläuft einen dann schon warm.“

Helfer nehmen Urlaub, um in Protzen dabei zu sein

Grimmer organisiert die Festivals seit 2010 mit seiner Frau Andrea. Er holt die Bands nach Protzen, sie schreibt Schichtpläne, bestellt Getränke, bucht Hotels und Pensionen für die Musiker. „Ohne Andrea würde es nicht klappen“, sagt Grimmer. Ohne die 30 Helfer, die jedes Jahr mitanpacken auch nicht. Manche nehmen sich Urlaub, nur um in Protzen bei den anstrengenden Aufbautagen und den noch anstrengenderen Festivaltagen dabei sein zu können.

Eigentlich arbeitet der Bäcker und Konditor Grimmer in einer Biobäckerei in Rohrlack. Auch in der Backstube lässt er die Musik der harten Gangart laufen. Nur im Büro nicht. Das jährliche Festival, sagt er, „ist ein anstrengendes Hobby, aber ein schönes“. Zweifel, ob er sich den Festival-Stress überhaupt noch zumuten will, hatte er vor ein paar Jahren durchaus. „Dann kamen zwei Bestätigungen von zwei geilen Bands“, sagt er. Und die Zweifel waren verflogen.

Einfach ein guter Gastgeber sein

Vielleicht lässt sich die Frage, was Grimmer antreibt, ganz einfach beantworten: Grimmer will ein guter Gastgeber sein. „Wenn hier alle mit einem Lächeln gehen, bin ich froh“, sagt er. Man glaubt ihm das sofort.

Damit das Festival so bleibt, wie es ist, hat Grimmer sich eine Grenze gesetzt. 1000 Gäste dürfen kommen, mehr nicht. Das Festival soll klein bleiben, keine Geldmaschine werden.

Das Eintrittsgeld blieb niedrig

Grimmer lästert gerne mal über die Klimapolitik von Donald Trump oder den Mainstream in der Musik. Die 50 Euro Eintrittsgeld für die 30 Bands zum Jubiläums-Open Air hat er bewusst niedrig angesetzt. „Alles wird immer teuer – aber es geht auch anders“, sagt er und grinst. „Fuck the commerce.“

Von Frauke Herweg

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