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Psychiatrische Tagesklinik zieht positive Bilanz

Wittstock Psychiatrische Tagesklinik zieht positive Bilanz

Depressionen und andere psychische Erkrankungen brauchen häufig etwas länger, bis sie von Betroffenen und ihrem Umfeld als solche akzeptiert werden. Professionelle Hilfe finden Patienten im Raum Wittstock seit 15 Jahren in der Psychiatrischen Tagesklinik in Wittstock. Die Einrichtung befindet sich direkt im Zentrum der Dossestadt – und das aus gutem Grund.

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Heike Herrmann (v.l.), Kristin Köppen und Raymond Bohnau freuen sich über beste Raumbedingungen für Patienten und Personal.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Die innere Unruhe ist schon seit Jahren Vera Schöllers (Name von der Redaktion geändert) größtes Problem. „Häufig steigere ich mich in Situationen zu sehr hinein“, spricht die 54-Jährige über ihre Krankheit. Das führe dann zu Depressionen, zuletzt sogar zu heftigen Magenkrämpfen. „Spätestens da war mir klar, dass ich Hilfe brauche“, blickt die Altenpflegerin aus der Nähe von Pritzwalk zurück.

Ihre Hausärztin überwies sie an die Psychiatrische Tagesklinik in Wittstock. Dort lässt sich Schöller seit Ende Mai behandeln. „Ich fühlte mich hier von Anfang an wohl“, lobt sie die Atmosphäre der Klinik, die so gar nicht an „Krankenhauscharme“ erinnere. In Entspannungsübungen sowie Einzel- und Gruppengesprächen begab sie sich auf die Suche nach der verlorenen inneren Ruhe. „Wahrscheinlich rührt die Erkrankung von meiner Zangengeburt her“, berichtet Schöller über die Vermutung des Fachpersonals. Wenn ihre Behandlung Anfang September in Wittstock endet, verlasse sie die Klinik zumindest mit einem besseren Gefühl. Danach folge eine Kur. „Ein Rückfall kann bei psychischen Erkrankungen aber nie ganz ausgeschlossen werden“, erklärt sie.

Den hatte kürzlich Heiner Grothe (Name ebenfalls geändert) erlitten. Trotzdem wusste er , dass er in der Klinik erneut Hilfe finden wird. Dem 60-Jährigen aus dem Raum Wittstock ist es nicht so wichtig, woher seine Angstzustände und depressiven Phasen rühren, wie er sagt. „Wichtig ist, dass es wieder weggeht.“

In der Klinik gibt es einen großen Raum zum Basteln

In der Klinik gibt es einen großen Raum zum Basteln.

Quelle: Christian Bark

Dafür wollen Klinikleiterin Heike Herrmann und ihr sechsköpfiges Team sorgen. Seitdem es die Tagesklinik in Wittstock gibt, haben sie schon 2222 Patienten behandelt. Schwerpunkte seien unter anderem schizophrene Psychosen, Persönlichkeitsfehlentwicklungen, seelische Störungen in Krisensituationen sowie geistige und körperliche Behinderungen nach Unfällen. Dazu biete die Einrichtung eine ganze Reihe an Behandlungs- und Beschäftigungsmethoden an. Zum Beispiel allerlei Kreatives mit Ergotherapeut Raymond Bohnau.

„Man gelangt häufig zur Heilung durch Handeln“, erklärt er das Konzept der Ergotherapie. Das könnten die Patienten unter anderem beim Töpfern, Korbflechten oder gemeinsamen Musizieren. In einem riesigen Raum unter dem Klinikdach haben die Patienten die Möglichkeit, sich an Instrumenten auszuprobieren, gemeinsam über Erfolgserlebnisse zurück ins Leben zu finden. „Tun, schaffen, schöpfen sind die Grundpfeiler einer erfolgreichen Behandlung“, sagt der Ergotherapeut.

Klinik war zuvor eine Schule

Dass die Tagesklinik dazu ideale Räume bietet, wissen Bohnau und seine Kollegen zu schätzen. Aber auch für die Patienten schaffen die großzügigen Areale Herrmann zufolge gute Voraussetzungen, sich frei entfalten zu können.

Relikt aus DDR-Zeiten

Relikt aus DDR-Zeiten. Die Tafel wurde bewusst im Haus angebracht.

Quelle: Christian Bark

Dass die Klinik vor 15 Jahren unmittelbar in der Wittstocker Innenstadt eröffnet wurde, war kein Zufall. „Die Ruppiner Kliniken hatten sich bewusst dazu entschieden, ins Zentrum zu rücken“, erinnert sich Herrmann. Zum einen gab es Fördermittel für die Sanierung des 1893 errichteten Altbaus. „Bis zur Wende war hier eine Schule drin, dann stand das Gebäude leer“, so die Klinikleiterin. Zum anderen sei es für die Patienten sehr viel besser, bei Spaziergängen und Ausflügen unter Leute zu kommen. „Ein Gewächshaus am Rande der Stadt hilft nicht“, betont auch Heiner Grothe. Betroffene brauchten die Beziehung zur Umwelt, um einfach mal ganz normal einen Kaffee trinken gehen zu können.

Die Tagesklinik

Im August 2001 wurde die Tagesklinik in Wittstock eröffnet. Weitere Tageskliniken gibt es in Neuruppin und Kyritz.

Im Schnitt werden 20 Patienten in der Klinik werktags zwischen 7.30 und 16 Uhr behandelt. Die Kapazitätsobergrenze liegt bei etwa 25 Patienten.



hier.

„Wir haben uns mittlerweile ganz gut in Wittstock und Umgebung etablieren können“, zieht Heike Herrmann eine positive Bilanz der Klinikgeschichte in der Dossestadt. Die Patienten kämen hauptsächlich aus dem Wittstocker und Pritzwalker Raum, aber auch aus Mecklenburg. Zu den ansässigen Haus- und Fachärzten sowie sozialen Einrichtungen habe die Klinik, so Herrmann, gleich gute Kontakte knüpfen können. Zum Beispiel zur Kontakt- und Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt. Der werde auch durch die in beiden Einrichtungen tätige Sozialarbeiterin Kristin Köppen aufrecht gehalten. „Wenn die Behandlung beendet ist und die Patienten trotzdem weiter über ihre Krankheit sprechen wollen, finden sie dort Hilfe und Zuhörer“, informiert Köppen.

Von Christian Bark

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