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Ostprignitz-Ruppin Psychoanalyse und Gesellschaft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Psychoanalyse und Gesellschaft
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00:17 03.11.2016
Christoph Seidler mit seiner Frau im Bodoni-Museum. Quelle: Cornelia Felsch
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Buskow

Seit der politischen Wende in Deutschland hat sich die Kulturszene im Osten gewandelt – Konzerte und Kunstausstellungen finden nur noch selten in Kulturhäusern statt, alte Bauernhöfe in abgelegenen Regionen beherbergen jetzt Kunstschätze. Und dort, wo früher die Kühe gemolken wurden, stehen Künstler aller Couleur jetzt im Rampenlicht.

In einem kleinen Dorf bei Neuruppin hat sich ein Vierseitenhof in ein Museum mit Druckwerkstatt und Buchverlag verwandelt. 1996 retteten Setzer, Drucker, Grafiker, Designer und Historiker die älteste original erhaltene Buchdruckerei Berlins und brachten sie vor drei Jahren nach Buskow, wo nun die 1992 gegründete Edition Bodoni ihren Sitz hat.

Ein wenig Worpswede in Ostprignitz-Ruppin

„Dass wir hierher in die Pampa gegangen sind, liegt in der Idee, Worpswede ein wenig neu zu erfinden“, sagte Verleger und Museumschef Marc Johne am Sonnabend zum Auftakt einer Lesung, zu der rund 60 Besucher nach Buskow kamen. Der Psychoanalytiker und Nervenarzt Christoph Seidler stellte gemeinsam mit seiner Frau Gundel sein Buch „Psychoanalyse & Gesellschaft“ vor, das im vergangenen Jahr in der Edition Bodoni erschien. Kein einfaches Thema für einen Samstagabend, an dem sich wohl viele Menschen eher der leichten Unterhaltung hingeben möchten, anstatt sich mit Anpassungsprozessen und Psychoanalyse zu beschäftigen.

Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie befasst sich in seinem Buch mit dem Überlebenskampf der Psychoanalyse – einer Behandlungsform, die um 1890 von dem Wiener Neurologen Sigmund Freud begründet wurde. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Menschen anpassen, wenn es darum geht, historische Ereignisse und Geschehnisse zu meistern. Krieg, Folter, Haft, Vergewaltigungen und Katastrophen können Traumata auslösen. „Tabus und Sprachlosigkeit können neue Verletzungen hervorrufen“, sagte Christoph Seidler, der sich in seinem Buch auf Geschehnisse im Nazideutschland, in der Sowjetunion und der DDR bezieht. Den gesellschaftlichen Bedingungen misst der Arzt eine entscheidende Bedeutung zu. „Sie entscheiden letztendlich, ob wir zum Heiligen oder zum Henker werden“, sagte er.

Die Geschichte der DDR und der Mauerfall

Für den Psychoanalytiker ist besonders die Geschichte der DDR und der Mauerfall ein spannendes Thema, das auch im Anschluss der Lesung zu Diskussionen führte. „Es wird immer wieder behauptet, dass es in der DDR keine Psychoanalyse gab, das ist aber nicht wahr“, sagte er. Doch der medizinische Zweig hatte es nicht einfach. Viele Ärzte hatten zum Zeitpunkt des ­Umbruchs bereits die DDR verlassen und das Jahr 1989 stellte auch die Psychoanalyse vor neue Aufgaben. Nicht selten kommen Menschen in die Praxis, die jene Zeit im Kindesalter erlebten. Sie sind oft orientierungslos, weil die Eltern zu jener Zeit mit sich beschäftigt waren.

Menschen wurden vertrieben, rappelten sich auf

Oftmals reichen die familiären Vorgeschichten bis in den Krieg zurück. Menschen wurden vertrieben, rappelten sich auf, wurden nach der Wende selbstständig und scheiterten, andere verloren ihre Arbeit und hielten dem ökonomischen Druck nicht stand. Viele der Gäste, die an diesem Abend zur Lesung gekommen waren, kannten diese Problematik aus eigener Erfahrung. „Ich bin kurz vor der Wende geflüchtet“, sagte ein Zuhörer. „Dann ging die Grenze auf und meine Geschichte war plötzlich weg. Bis heute habe ich vieles nicht verarbeitet, weil ich die Wende eigentlich nicht erlebt habe.“

Kann Psychoanalyse zu mehr Menschlichkeit beitragen? Kann sie Kriege oder Fremdenfeindlichkeit verhindern? Diese Fragen standen im Anschluss im Raum. „Wir brauchen auf alle Fälle mehr Zwischentöne, um Biografien objektiv zu beurteilen“, sagte Marc Johne, für den dieses Buch eine entscheidende Lektüre auf dem Weg zu mehr Menschlichkeit darstellt.

Das Buch „Psychoanalyse & Gesellschaft“ ist in der Edition Bodoni erschienen und kostet 18 Euro.

Von Cornelia Felsch

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