Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Puten für ganz Europa

Gühlen-Glienicke Puten für ganz Europa

In den 60er Jahren hat die DDR beginnen, im Wald bei Gühlen-Glienicke Puten züchten. Innerhalb von 20 Jahren ist aus dem Test ein riesiger betrieb mit 550 Mitarbeiter geworden. Heute arbeiten 210 Frauen und Männer für das Unternehmen Kartzfehn.

Gühlen-Glienicke 53.053046679592 12.760073061963
Google Map of 53.053046679592,12.760073061963
Gühlen-Glienicke Mehr Infos
Nächster Artikel
Streit über neue Kita in Wusterhausen

210 Mitarbeiter kümmern sich für Kartzfehn um knapp 30 Ställe in Gühlen-Glienicke und den Orten rundherum.

Quelle: Peter Geisler

Gühlen-Glienicke. Bürgermeister Jens-Peter Golde erinnert sich noch gut, wie kompliziert es damals war, die Putenzucht in Gühlen-Glienicke zu besuchen. Damals, zu DDR-Zeiten, war Golde für den Arbeitsschutz zuständig, auch für den in den Ställen des VEB Puten- und Gänseproduktion Neuglienicke. Golde: „Wenn man hierher musste,war das immer ein ganzer Tag Arbeit.“ Da waren zum einen die strengen Hygienevorschriften; wer einen Stall betreten wollte, musste sich komplett umziehen und duschen – für jeden Stall extra. Aufwendig waren die Kontrollen aber auch wegen der Größe des Betriebes. In den Ställen der Gühlen-Glienicker Putenzucht arbeiten bis zu 550 Frauen und Männer, jedes Jahr wurden 3,4 Millionen Bruteier „produziert“ und 1,3 Millionen Putenküken ausgebrütet.

Der Putenbetrieb ist eines der wenigen DDR-Unternehmen, die die Wendezeit überstanden haben. 500 Mitarbeiter arbeiten dort heute nicht mehr. Trotzdem gehört er noch immer zu den größten Arbeitgebern in der Region. Der einstige volkseigenen Betrieb gehört heute zur Kartzfehn-Gruppe, einem Familienunternehmen aus Niedersachsen.

„Größter unabhängiger Putenvermehrer in Europa“

Kartzfehn versteht sich „als größter unabhängiger Putenvermehrer in Europa“, wie Geschäftsführer Ewald Drebing am Freitag bei einem Festempfang erklärt, zu dem auch Neuruppins Rathauschef Golde eingeladen war. 25 Jahre ist es inzwischen her, dass Kartzfehn die Putenzucht bei Neuruppin übernommen hat. Dass das für die Firma ein solcher Erfolg sein würde, ahnte damals wohl kaum einer.

Kartzfehn züchtet Puten für ganz Europa: mehr als 34,2 Millionen Eier im Jahr, 24 Millionen Küken. Etwas mehr als die Hälfte der Tiere landet später in deutschen Ställen. Wichtige Kunden kommen aber auch aus Polen, Russland, der Ukraine, Ägypten, dem Iran und den Niederlanden.

485 Mitarbeiter hat das Unternehmen in ganz Deutschland, 240 sind es in Brandenburg – 210 allein in Gühlen-Glienicke und den umliegenden Orten. 30 Millionen hat Kartzfehn nach eigen Angaben bisher in Brandenburg investiert.

Lob für die Mitarbeiter aus Brandenburg

Geschäftsführer Drebing war schon dabei, als das Unternehmen 1990 mit der Treuhandanstalt über die Übernahmen des Betriebs bei Neuruppin verhandelte. Matthias Rott hatte den Kontakt hergestellt. Der spätere Kreistierarzt war damals Leiter des Veterinärwesens in Gühlen-Glienicke.

Für die Mitarbeiter im einstigen Ostbetrieb hat Drebing viel Lob übrig – auch wenn viele nach der Übernahme gehen mussten. „Hut ab vor dem außerordentlichen Knowhow, welches hier nicht nur in der Führungsmannschaft, sondern auch bei den Mitarbeiterinne und Mitarbeitern auf den Farmen damals schon vorhanden war.“

Der wirtschaftliche Erfolg kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer wieder Kritik gibt, vor allem von Tierschützern. Putenzucht ist Massentierhaltung. Wenn es nach den Grünen ginge, müsste die verboten werden.

Geflügelzüchter werben um mehr Vertrauen bei Verbrauchern

Thomas Storck hat für solche Forderungen kein Verständnis. Der Vizepräsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft hat lange für Kartzfehn gearbeitet, und ist heute selbst Putenzüchter. In Gühlen-Glienicke warb er am Freitag für mehr Offenheit und sparte auch nicht mit Kritik an den Medien. Die vielen Berichte über Vegetarier und Veganer würden darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrzahl der Menschen auf Fleisch nicht verzichten will – schon gar nicht auf Geflügelfleisch.

Mit einer großen Werbekampagne versuchen die Geflügelzüchter inzwischen, ihr Bild in der Öffentlichkeit zurechtzurücken. Selbst haben sie sich strenge Auflagen gegeben; Betrieb, die sich an die „Geflügel-Charta“ nicht halten, können vom Verband ausgeschlossen werden. Storck: „Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein.“ Mit Transparenz und Offenheit wollen die Geflügelzüchter wieder mehr Vertrauen gewinnen.

Am Sonnabend ab 14 Uhr lädt der Putenzuchtbetrieb Kartzfehn in Gühlen-Glienicke zu einem Familientag auf das Firmengelände in Gühlen-Glienicke.

Von Reyk Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg