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Ostprignitz-Ruppin Quader für Quader dem Sanierungsziel entgegen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Quader für Quader dem Sanierungsziel entgegen
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00:17 18.08.2016
Ein Plakat informiert über den Stand der Quader-Spendenaktion. Quelle: Ingo Freihorst
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Vehlgast

Gänsehaut pur gab es am Sonnabend bei dem nächsten Teil der diesjährigen Konzertreihe der „Wassermusiken“ in der Vehlgaster Dorfkirche: Mit der berühmten und immer wieder beeindruckenden Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach eröffnete Domkantor Matthias Bensch aus Havelberg sein Orgelkonzert. Weiterhin waren unter anderem die Fuge g-Moll des Altmeisters zu hören sowie Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und John Stanley.

Dass beim Konzert dieses Mal die „Königin der Instrumente“ zum Klingen gebracht wurde, hatte seinen Grund: Die Orgel ist in diesem Jahr runde 110 Jahre alt. Pfarrer Henning Utpatel aus Breddin nutzte die Gelegenheit denn auch, die Orgel den über 50 Gästen näher vorzustellen. Dazu hatte er tief im Archiv gegraben und wurde fündig.

Barnim Grüneberg schuf die größte manuell bespielbare Orgel der Welt

1863 war die Kirche mitsamt der Orgel ein Raub der Flammen geworden. Das Gotteshaus erstand vier Jahre später wieder neu, für die Orgel kam 1870 Ersatz aus Wittenberge in Form eines gebrauchten Instruments. 200 Reichstaler waren dafür zu berappen gewesen. Doch gab es damit immer wieder Ärger, weshalb sogar der Berliner Orgelbaumeister Carl-August Buchholz um Hilfe gebeten worden war. Nach der Jahrhundertwende wurden Angebote für ein neues Instrument eingeholt. Den Zuschlag der Kirchgemeinde erhielt am 10. Februar 1906 der Hoforgelbaumeister Barnim Grüneberg in Stettin.

Jedes einzelne Register der Orgel wurde vom Domkantor mit einem kurzen Musikstück vorgestellt, die Register wurden unter anderem als „Lieblich Gedackt“, „Traditional“ oder „Piccolo“ beschrieben. Das Pedalregister besitzt 27 Fußpedale – hier waren recht tiefe Bässe zu hören.

Havelbergs Domkantor an dem Instrument in Vehlgast. Quelle: Ingo Freihorst

Zum Angebot hinzu kamen ferner die Nebenkosten in Form von Verpackung, Verladung und Lieferung bis zum nächsten Bahnhof – dies waren nochmals 28 Reichsmark. Wie produktiv die Orgelwerkstatt war, sah man an den Lieferzeiten: Im Februar wurde bestellt, im September geliefert. Der königliche Seminarlehrer Gundlach informierte, dass alle Anforderungen des Vertrages eingehalten wurden, die Abnahme also erfolgen könne.

Die Grünebergs sind eine alte Orgelbauerfamilie: Der erste seiner Zunft, Philipp Wilhelm Grüneberg, wurde 1710 in Magdeburg geboren. Barnim Grüneberg, der Erbauer der Vehlgaster Orgel, wurde 1828 in Stettin geboren und starb ein Jahr nach Auslieferung des Vehlgaster Instruments. Seine Initialien sind noch über dem Spieltisch zu finden. Er war einer der produktivsten und bekanntesten Orgelbauer. So schuf er die größte manuell bespielbare Orgel der Welt, sie steht in der Dreifaltigkeitskirche im lettischen Libau.

„Insgesamt baute die Familie Grüneberg fast 1000 Orgeln“, informierte Pfarrer Henning Utpatel. Er begrüßte mit Barnim Eggers aus Hamburg einen Urenkel des Orgelerbauers, welcher ein Foto seines Urahnen mitgebracht hatte.

Pfarrer Utpatel mit dem Bild vom Orgelbauer. Quelle: Ingo Freihorst

Die Konzerte der seit 2013 stattfindenden „Wassermusiken“ dienen der weiteren Sanierung des Gotteshauses. In einem ersten Abschnitt wurde bereits die Gebäudehülle gesichert. Jetzt sollen Fenster, Türen und der Innenraum folgen.

Zur Ausmalung des Kirchenschiffes wurde eine Spendenaktion initiiert: Wie früher sollen hier wieder insgesamt 700 Quader die Wände zieren. Hinter der Orgel sind die Originale noch zu erkennen. Mit zehn Euro kann man einen Quader spenden, 456 wurden schon bezahlt. Auch der Erlös vom leckeren Kuchenbasar, welcher immer im Anschluss an die „Wassermusik“ stattfindet, ist für die Kirche.

Von Ingo Freihorst

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