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„Querfeldzwei“-Literaturfestival in vollem Gange

Neuruppin „Querfeldzwei“-Literaturfestival in vollem Gange

Spielkonsolen, Computerspiele, Serien und Filme sind aufregend und machen Spaß. Aber das Lesen eines Buches kann nichts ersetzen. Auf dem zweiten Kinder-und Jugendliteraturfestival in Neuruppin wecken und fördern Autoren, Illustratoren und Alltagspoeten das literarische Interesse junger Menschen.

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Autor Michael Sieben liest vor 60 Schülern des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums Kyritz im Café Hinterhof aus seinem Debütroman „Ponderosa“.

Neuruppin. Wie lauten die letzten Worte auf Erden? Was steht in einem Brief an jemanden, dem man schon immer schreiben wollte? Und wie schafft man es, sich von einem leeren Blatt Papier nicht stressen zu lassen? Bei Fragen wie diesen hilft Rainer Holl, Wahlberliner und Poetry Slammer, ein „höflicher Mensch im Streifenshirt“, wie er sich selbst vorstellt.

Als einer von vielen Literaturliebhabern beteiligt sich Holl am Neuruppiner Kinder- und Jugendliteraturfestival „Querfeldzwei“ und bringt die Teilnehmer seines Poetry-Slam-Workshops dazu, ihre kreativen Gedanken auf Papier zu entladen. „Ihr seid die Götter eurer eigenen Geschichte“, motiviert sie der Alltagspoet und Moderator.„Es ist unsere Aufgabe, Dinge weiter zu denken und nicht da Halt zu machen, wo die Realität einen bremst.“

Mehr als 60 Veranstaltungen rund um das Lesen und die Sprache

Das Kinder-und Jugendliteraturfestival läuft seit vergangenem Sonnabend zum zweiten Mal sehr erfolgreich. Vom 1. bis 9. Juli finden Lesungen, Ausstellungen und Workshops mit Autoren und Illus­tratoren statt, die sich kreativ mit Kinderliteratur auseinandersetzen. Auch in diesem Jahr gibt es etwa 60 Veranstaltungen; die Besucherzahl von 2000 Schülern im Jahr 2015 aus der gesamten Region könnte in diesem Jahr noch überstiegen werden. „Wir haben teilweise bis zu zehn Veranstaltungen, die parallel stattfinden“, sagte Festivalorganisatorin Uta Bartsch. „Es läuft bisher alles sehr gut, wir sind sehr dankbar.“

Einziger Wermutstropfen: Die Kinderbuchautorin Kirsten Boie kann zu ihren für Freitag geplanten Lesungen nicht in Neuruppin sein. „Dafür übernimmt Tina Kemnitz die Veranstaltung am Vormittag mit der Büchershow „Tolles Buch“ für achte bis zehnte Klassen, und auch für die Lesung am Abend werden wir eine sehr gute Ersatzveranstaltung anbieten“, sagt Bartsch.

Beim Poetry Slam ist alles erlaubt

Rainer Holl liebt den Poetry Slam und das Spiel mit der Sprache. Der moderne Dichterwettbewerb schwappte in den Neunzigern aus den USA nach Deutschland und hat auch hier mittlerweile zahlreiche Anhänger, die als Dichter mit selbst geschriebenen Texten gegeneinander antreten und sich vom Publikum für ihre Wortergüsse bewerten lassen.

„Die Regeln sind einfach: Der Text muss aus der eigenen Feder stammen, es dürfen keine Requisiten verwendet werden und man muss den Zeitraum von fünf Minuten einhalten“, erklärt Holl. Ansonsten ist alles erlaubt: Ein witziger Text, eine Ode, etwas Gereimtes oder ein politisches Statement – die gesamte literarische Bandbreite findet beim Slam ihren Platz.

Und dort sei die Performance alles, sagt Holl. In Impulsübungen gibt der Slammer den Schülern einer elften Klasse des Neuruppiner Oberstufenzentrums das richtige Werkzeug an die Hand, um kreativ und spontan zu texten. „Gebt mir einen Einblick in euer Gehirn“, fordert der Lyriker seine Gäste heraus.

So kommt der Schülerin Lina plötzlich „die Gallenblase hoch“, obwohl sie „keine Gallenblase mehr“ hat, und Luca wundert sich in seiner Fantasie über einen mit großem Zylinder behüteten Supermarktverkäufer. „Was die hier in zehn Minuten schreiben, ist mehr als in einem zweistündigen Aufsatz“, sagt Deutschlehrerin Dietlind Grünberg. „Schön, dass sie so offen für Poetry Slam sind.“

„Jeder sollte das lesen, was ihm Spaß macht“

Bei Michael Siebens Lesung im Café Hinterhof sind alle Plätze besetzt. Mit seinem Debütroman „Ponderosa“ holt der Autor die Schüler der neunten Klassen vom Gymnasium Kyritz in die Welt der drei Freunde Chris, Josie und Juri . Plötzlich verschwindet ein Nachbar, plötzlich hat Chris eine Pistole in der Hand und Josie schaut ihn nicht einmal mehr an. Das Thema Freundschaft steht in diesem Jugendroman im Vordergrund.

„Mich hat die Geschichte gepackt“, sagt Zuhörerin Noa. Michael Sieben freut sich über die vielen Fragen der Schüler, die zu Entstehung und Inhalt des Buches aufkommen. „Ich habe immer geschrieben, Kurzgeschichten, Autobiografisches, und habe immer gedacht, einen Roman zu schreiben, ist das Größte – wie wahrscheinlich jeder, der gerne schreibt.“ Der Autor hält es für den besten Weg ungezwungen mit Literatur umzugehen. „Jeder sollte das lesen, was ihm Spaß macht“, meint er. Bei ihm sei das alles,„von Game of Thrones bis Fontane.“

Von Christina Koormann

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