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Ostprignitz-Ruppin Streit um Mühlenstraße: Rheinsberg bebt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Streit um Mühlenstraße: Rheinsberg bebt
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02:17 12.03.2018
Das Fernsehteam beim Dreh in der Mühlenstraße in Rheinsberg – hier im Interview mit Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Die Reporter vom Fernsehen des RBB bauen gerade ihre Kameras auf, da kommen zwei große Holzlaster durch die enge Mühlenstraße. Gut 120 Rheinsberger brechen spontan in Applaus aus. Kein Zeichen des Jubels – eher eines der Verzweiflung. Der Applaus gilt vor allem dem Timing: So können sich die Fernsehmacher gleich selbst ein Bild davon machen, wogegen Anwohner und Stadtverordnete seit Jahren kämpfen.

Mit dem bekannten blauen Robur-Bus sind die RBB-Leute am Freitagvormittag nach Rheinsberg gekommen, um sich die unhaltbaren Zustände in der Mühlenstraße anzusehen. Kameras filmen die Risse, die sich durch die Wände der Häuser ziehen, den hässlichen schwarzen Nässeschutz, den Anwohner aus Verzweiflung schulterhoch auf die Fassade ihres Hauses gestrichen haben, die Plakate und Transparente, die die Bürgerinitiative überall an der Mühlenstraße aufgehängt hat.

„Hier muss endlich etwas passieren“, sagt Elke Hintz für die Bürgerinitiative. Sie wohnt seit 2013 selbst in der Mühlenstraße. Ihr Haus ist von dem ständigen Lastwagenverkehr durch das Nadelöhr direkt betroffen. Im Schrank klappert das Geschirr, wenn wieder mal ein Laster über die Straße donnert.

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Seit Jahren fordern viele Rheinsberger, dass der LKW-Verkehr aus der Mühlenstraße verbannt wird. Der RBB war mit dem blauen Roburbus vor Ort.

Ihr Nachbar, sagt Elke Hintz, hat in seinem Haus für 20 000 Euro ein wertvolles denkmalgeschütztes Deckengemälde sanieren lassen: „Jetzt zieht sich ein Riss mitten hindurch.“ Sie selbst hat einen Bungalow, der wegen der ständigen Erschütterungen übers Grundstück wandert. Erste Grundstücksbesitzer haben schon aufgegeben und ziehen weg. Andere fürchten inzwischen, dass auch ihnen nichts weiter übrig bleibt.

Der Streit um die völlig marode Mühlenstraße zieht sich seit Jahrzehnten hin – ein Ende ist nicht absehbar. Die Situation ist extrem verfahren, das wird klar, als die Anwohner und Politiker den RBB-Leuten ihre Lage am Freitag schildern.

Zuständig für die Mühlenstraße ist eigentlich der Landesbetrieb Straßenwesen. Doch der sah sich in der Vergangenheit nicht in der Lage, etwas zu unternehmen. Zumal sich nicht einmal die Rheinsberger einig sind, was er tun soll.

Etwa 120 Einwohner waren am Freitag zum Proteste vor laufender Kamera gekommen. Quelle: Peter Geisler

„Die Mühlenstraße ist die älteste Straße in Rheinsberg“, sagt Ortvorsteher Sven Alisch. Sie ist vor Jahrhunderten entstanden – mitten durch sumpfiges Land. Die Straße wurde zwar immer wieder erneuert – einen stabilen Unterbau hat sie bis heute nicht. Der Torfboden unter der Fahrbahn überträgt alle Schwingungen direkt auf die angrenzenden Häuser. „Das wirkt wie eine Gummimatte“, sagt Elke Hintz.

Seit den 90er Jahren arbeitet die Stadt Rheinsberg an einem Plan für eine Umgehungsstraße, die den gesamten Verkehr aus der Mühlenstraße fernhalten soll. Das Land soll die Straßen bauen – doch dafür müsste die Stadt erst einmal ihre Planung beenden.

Umgehungsstraße sollte am besten ganz um die Stadt herum führen

Eine Umgehungsstraße – möglichst weiträumig – wäre langfristig die Lösung, die sich auch die Bürgerinitiative wünscht. Die Mühlenstraße könnte dann endlich zur Fußgängerzone umgebaut werden. Zusammen mit dem Triangelplatz würde Rheinsberg damit endlich eine Stadtmitte bekommen, sagt Elke Hintz.

Doch die Stadt ist mit den Plänen für die Umgehung mehr als zehn Jahre nicht vorangekommen. Zwei Bebauungspläne müssen noch beschlossen werden, damit zumindest eine innerörtliche Umgehung entstehen könnte. „Wir werden die Pläne in diesem Jahr fertigstellen“, versicherte Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow am Freitag vor laufender Kamera.

Doch bis die Umgehungsstraße tatsächlich gebaut ist, könnten noch zehn Jahre oder mehr vergehen, fürchtet er auch: „Wir brauchen eine kurzfristige Lösung für die Mühlenstraße.“

Rheinsbergs Politiker streiten um kurzfristige Lösung

Und genau an der scheiden sich in Rheinsberg die Geister. Die Mehrheit der Stadtvorordneten fordert, die Mühlenstraße so schnell wie möglich zu beruhigen. Ein Tempolimit samt Blitzer könnte eine erste Hilfe sein. Doch beides müsste der Landkreis einrichten und der winkt bisher ab.

Elke Hintz würde Lastwagen am liebsten ganz aus Rheinsberg verbannen und weit um die Stadt herumleiten. Ortsvorsteher Sven Alisch hält das für unrealistisch und ist für eine andere Notlösung: Er schlägt vor, Lastwagen vor der engsten Stelle der Mühlenstraße abzufangen und durch die Parkstraße vorbei an der Rhinpassage auf die B 122 umzuleiten. „Das ist eine Bundesstraße, die kann diesen Verkehr aufnehmen“, sagt Alisch.

Bürgermeister Schwochow fordert vom Land, so schnell wie möglich die Mühlenstraße zu sanieren. Er hofft, so etwas Erleichterung für die Anwohner zu schaffen.

Stadtverordnete lehnen Sanierung der Mühlenstraße bisher ab

Doch den Ausbau der Straße lehnen viele Anwohner und die meisten Stadtverordneten vehement ab. Sie fürchten, dass dann nie eine Umgehungsstraße entsteht und sie auf Dauer mit dem Lkw-Lärm leben müssen.

Was soll also in der Mühenstraße passieren? Sven Alisch verweist auf frühere Beschlüsse der Stadtverordneten und lange Verhandlungen mit dem Land. Frank-Rudi Schwochow hält die Pläne kurzfristig für nicht umsetzbar.

Die Anwohner fühlen sich von Politik und Verwaltung im Stich gelassen. „Hier bei uns sind die Stadtväter zerstritten. Einer blockiert den anderen“, fasst es Elke Hintz zusammen. „Das ist das Problem.“

Erleichterung hat es in den vergangenen Monaten nur einmal gegeben, sagt eine Anwohnerin: Als wegen Arbeiten an der Obermühle eine Ampel den Verkehr auf eine Spur einengte und wechselseitig durch die enge Straße führte. Damit mussten alle Fahrzeug zwangsweise langsam fahren. „Das war für uns eine echte Wohltat“, sagt die Rheinsbergerin. Die Ampel wurde vor einigen Tagen wieder abgebaut.

Von Reyk Grunow

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