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Ostprignitz-Ruppin Radeln statt fliegen: Prignitzer auf dem BER
Lokales Ostprignitz-Ruppin Radeln statt fliegen: Prignitzer auf dem BER
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00:17 23.06.2016
Wo später einmal Auto-Hochbetrieb herrschen soll, lässt es sich heute noch hervorragend radeln. Quelle: Claudia Bihler
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Berlin/Wulfersdorf

Auf den riesigen Parkplätzen stehen nur ganz vereinzelt ein paar Autos herum. Die Parkhäuser und den Willy-Brandt-Platz vor dem Terminal haben sich die Berliner inzwischen als Rollerskate-Bahn erobert. Zwischen dem Betonpflaster sprießt Unkraut hervor: Ein wenig wirkt der Großflughafen wie eine Geisterstadt.

Günter Lutz, Radreiseveranstalter aus Wittstock-Wulfersdorf fährt mit seinem Kleinbus vor, acht Prignitzer steigen aus und warten darauf, dass Lutz die Fahrräder vom Hänger lädt, Traubenzucker von der Tour de Prignitz gehen herum. Die Gruppe nutzt ein Angebot, das Lutz organisiert: Er fährt mit den Gästen nach Berlin zum Radfahren auf dem Großflughafen – Vorfeldbesichtigung inklusive. „In diesem Jahr ist das die erste Tour, denn im Mai, als wir eigentlich herfahren wollten, wurde dort gebaut.“ Inzwischen kann der BER regelmäßig besichtigt werden: Zwei Mal die Woche mit dem Bus und von Zeit zu Zeit mit dem Fahrrad.

Mit dem Fahrrad übers Vorfeld: Das ist nur zur Zeit noch möglich. Quelle: Claudia Bihler

Ein Hehl aus den Problemen mit dem Bau des BERs machen die Mitarbeiter des Flughafens nicht. Stattdessen werden Zusammenhänge geschildert, etwa der Verzicht der Bundesländer Berlin und Brandenburg auf einen Generalbau-Unternehmer, der erst dazu geführt hatte, dass sich die Probleme nach und nach potenzierten. Grundsteinlegung war 2006, die erste Eröffnung 2012 geplant. Der ehemalige Verkehrsleiter des Flughafen Tegels, heute verantwortlich für die Besuchergruppen: „Die Geschäfte waren schon alle eingeräumt, als es hieß, dass der Flughafen nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt eröffnet werden könne.“ Die 40 Mitarbeiter im Planungsbüro hätten ihre Laptops zugeklappt und wären gegangen: Unter anderem dieser Wissenverlust habe dazu geführt, dass für ein Jahr lang ein Baustopp galt.

Die Infrastruktur des Flughafens wird der Radlergruppe von den BER-Mitarbeitern erläutert.] Quelle: Claudia Bihler

1000 Menschen arbeiten bereits heute auf dem Flughafen. Die Feuerwachen müssen rund um die Uhr bereitstehen, die Kantine verpflegt die Mitarbeiter, die Bundespolizei unterhält eine vollständige Wache. Das Vier-Sterne-Steigenberger-Hotel ist vollständig bezugsfähig und dennoch leer. Und auch der Sicherheitsbereich, in den die Wittstocker Gruppe dann einfahren kann, wird schon von einem Sicherheitsunternehmen geschützt. Als die Flughafen-Guides dann die Summe beziffern, die der Nichtbetrieb des BER kostet, schnappen viele nach Luft: 1,4 Millionen Euro. Wer das bezahlt, will die Gruppe wissen: „Der Steuerzahler?“ Die Guides verweisen darauf, dass die Flughafengesellschaft Einnahmen von Tegel bekommt, aber dennoch: „Vermutlich wird da noch einiges auf den Steuerzahler zukommen.“

[.Leere Abfluganzeige auf dem Berliner Großflughafen. Quelle: Claudia Bihler

Dabei: eigentlich wurde der Flughafen nach modernen Gesichtspunkten gebaut – wie etwa die Unterflugbetankung, die sich die Prignitzer anschauen können: 85 Jets pro Stunde könnten so abgefertigt werden.

Die Gruppe fährt weiter übers Vorfeld: „Das ist nach der Eröffnung nie wieder möglich“, ist allen klar. Es geht zum Terminal der Billigflieger, die Halle grenzt an den Privatflughafen, wo Geschäftsleute ihre Jets parken und in Limousinen umsteigen. An dem Tag wartet ein großer Airbus, ein Radler vermutet: „Abramowitsch“, kann das Rätsel aber nicht lösen, die Tour geht weiter, bevor der Promi auftaucht.

Beim Blick übers Rollfeld ist Schönefeld zu sehen. Ein Prignitzer zeigt hinüber: „Früher sind dort immer die Staatsgäste angekommen, wir mussten dort schon öfters zur Begrüßung winken.“

Günter Lutz (l.) mit einigen aus der Radlergruppe vor dem Terminal des BER. Quelle: Claudia Bihler

Die Guides können an diesem Tag die Gäste auch ins Terminal führen – dessen unerfüllte Brandschutz-Auflagen die Eröffnung des BER bisher verhindern, jüngst geht es um die Sogwirkung im Unterflurbahnhof, die im Brandfall Rauch vom Airport in den Bahnhof zeiht. Vieles ist fertig, dezentes Holz, Glas, Metall, Sandstein. Die Decken wurden wieder geöffnet, um zusätzliche Kabelkanäle zu legen. Eine Frage bewegt die Gruppe natürlich am meisten: Die zum Eröffnungstermin. Selbst die Flughafenleute sind skeptisch, dass 2017 noch zu halten ist: „Im Winter werden Flughäfen sowieso nie eröffnet“, heißt es. Für Radler besteht also die Chance, noch weiter übers Vorfeld zu radeln. Lutz: „Im September plane ich die nächste Tour.“

Von Claudia Bihler

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