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Rätsel um Kyritzer Skelett gelöst

Archäologie Rätsel um Kyritzer Skelett gelöst

Er erblickte im November 2014 zum zweiten Mal das Licht dieser Welt. Doch wer er war, ob es überhaupt ein Er ist und warum er dort so tief unter einer der meistbefahrensten Straßen von Kyritz in der Erde lag, war nicht ganz klar. Nun, genau ein Jahr danach, kommen interessante Details nach jetzt abgeschlossenen wissenschaftlichen Untersuchungen ans Tageslicht.

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Befindet sich unterhalb von Kyritz ein ganzes Gräberfeld?

Quelle: Privat

Kyritz. Keine Ruhe gab „der Tote“ dem Archäologen Hartmut Lettow. Es war noch nicht mal klar, dass dessen Skelett, das Lettow bei Kanalarbeiten in der Kyritzer Schulenburgstraße vor einem Jahr in zwei Metern Tiefe vor sich sah, wirklich männlich ist.

Erst eine langwierige, wissenschaftliche Analyse ergab jetzt, dass dieser Mann 50 bis 60 Jahre alt und etwa 1,75 Meter groß war – und seine Knochen gut 1000 Jahre alt sind. Es handelt sich damit um den ältesten Kyritzer, der da im November 2014 zum zweiten Mal das Licht der Welt erblickte.

„Im Stadtgebiet gibt es keinen vergleichbaren Fund“, sagt Lettow, der mit seiner Firma Topo-Archäologie seit langem schon Bauarbeiten in Kyritz begleitet. Er spricht von einer Sensation: „Wir können davon ausgehen, dass sich dort ein slawisches Gräberfeld befindet.“ Schließlich war der Mann in Rückenlage beerdigt, und zwar in Nord-Süd-Ausrichtung. Christliche Beerdigungen erfolgen in Ost-West-Ausrichtung.

Dass dieser Slawe irgendwann zwischen 981 und 1057 gelebt hat, ergab die C-14-Analyse, auch Radiokarbonmethode genannt. Sie beruht auf einer Berechnung des Zerfalls von Kohlenstoffatomen. Dazu wurde ein Stück Rippe an ein Institut der Uni Erlangen geschickt. Weil es solche Untersuchungen zwischenzeitlich aber einstellte, gelangte der Knochen zu einer Partner-Uni nach Wien.

Parallel dazu bestimmte eine Berliner Anthropologin neben Größe und Geschlecht auch die vermutliche Todesursache: Altersschwäche.

Es deute zumindest nichts auf einen unnatürlichen Tod hin. Der Mann war unverletzt und kräftig gebaut. Er arbeitete offensichtlich schwer. Das ist an sogenannten Muskelmarken abzulesen sowie Gelenkabnutzungen. Erkennbar ist auch, dass er an langjähriger Zahnfleisch- und Nasennebenhöhlenentzündung litt.

Die Stadt als Straßenbauherr musste die Untersuchungen nicht bezahlen. „Wir waren so sehr vom Fund angetan, dass wir das aus eigenem Interesse veranlassten. Es gab ja keine weiteren Hinweise in dieser Tiefe. Da wären wir auf Vermutungen sitzen geblieben“, erklärt Lettow. Die Gebeine ruhen nun im Depot der Landesarchäologie in Wünsdorf.

Von Matthias Anke

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