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Ostprignitz-Ruppin Rainald Grebe widersetzt sich der Moderne
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rainald Grebe widersetzt sich der Moderne
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00:19 01.11.2017
Rainald Grebe trat am Freitagabend im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten auf. Sein „Elfenbeinkonzert“ ist sehr humorvoll, regt aber auch zum Nachdenken an. Quelle: Jonas Nayda
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Neuruppin

Rainald Grebe ist alt geworden. Das stört ihn aber nicht. Und er geht damit auch ganz offensiv und selbstironisch um. Singen kann er immer noch, und auf der Bühne fühlt er sich wohl.

Der Schauspieler, Komiker und Musiker lieferte am Freitagabend im Kulturhaus Stadtgarten eine dreistündige Show ab, die sich gewaschen hatte. Mit seiner neuen CD „Das Elfenbeinkonzert“ wagt Grebe einen mutigen Spagat zwischen teilweise derben Witzen und ernster Gesellschaftskritik.

Musikalisch bewegt er sich irgendwo zwischen Hip Hop und Volksmusik, was er selbst auch offen anspricht. Er habe ein Problem mit modernem Sprechgesang. In den meisten erfolgreichen Liedern deutscher Hip-Hopper gäbe es keine ordentlichen Reime mehr. Grebe weiß es besser: Der Endreim klingt doch sehr fein.

Gut die Hälfte seiner Show lästert Rainald Grebe über die moderne Jugendkultur, das Internet, Smartphones und überhaupt alles, was nach 1995 erfunden wurde. Dem Publikum gefällt’s, auch wenn es die Arme bei Grebes selbstausgedachtem Rap „Palmöl aus Malmö“ nur recht zaghaft rhythmisch in die Höhe hebt. Der Saal ist ausverkauft, und Rainald Grebe gibt am Ende fünf Zugaben.

Der Abend hatte ganz klassisch begonnen. Auftritt Rainald Grebe im Indianerschmuck. Neu war allerdings die Jogginghose und ein großer Reisekoffer. Auf der Leinwand zeigt Grebe Fotos von sich: halbnackt im Freibad, ganz nackt mit Gartenschlauch. Unverblümt genießt er das Leben. Es folgt ein Lied am Klavier über das Altern. Wenn gerade keine Textpassage kommt, macht Grebe am Klavier Morgengymnastik.

Natürlich hat Rainald Grebe sein Programm am Freitagabend an den Aufführungsort angepasst. Und der Künstler hat seine Hausaufgaben gemacht: Fontanedöner, Flanieren auf der Karl-Marx-Straße und natürlich der große Theodor Fontane persönlich, alles ist dabei. Als Stadt kommt Neuruppin allerdings nicht besonders gut weg, aber genau das will das Publikum hören. Neuruppin ist langweilig, der Fontane-Kult ist übertrieben, und jeder, der kann, zieht schnell nach Berlin.

Die Emotionen, die Rainald Grebe im Scheinwerferlicht erzeugt kauft man ihm ab. Er ist ehrlich entrüstet über den Zustand der deutschen Sprache. Mit Hilfe seines Tonmanns Franz übersetzt er einige lustige Sätze ins Hamburgische, um darauf hinzuweisen, dass Dialekte aussterben. Tonmann Franz ist übrigens auch an einigen anderen Stellen im Programm präsent. Die beiden harmonieren gut miteinander.

Doch Grebe kann auch ganz anders. In einem Moment wird er todernst. Dem Publikum bleibt das Lachen im Halse stecken, als es realisiert, warum die Tour „Elfenbeinkonzert“ heißt. Für einen kurzen Moment ist der Künstler nur Mensch. Jemand, der etwas erlebt hat und darauf keine lustige Antwort weiß. Auch das gehört wohl zum Älterwerden dazu.

Manchmal übertreibt es der 46-Jährige auch ein bisschen. Etwa bei einem Song über die Sucht nach immer mehr Nachrichten und Schlagzeilen aus dem Internet. Dabei gerät er so richtig in Rage. Dann sind seine Worte undeutlich und zu laut, die Lichteffekte zu exzessiv und der kurze Augenblick der Komik ist überreizt. Alles was dem Zuschauer im Kopf dröhnen bleibt: „Ich brauch News in meiner Blutbahn!“

Der beliebte Klassiker, das Lied „Brandenburg“ erhält eine Sonderrolle. Nur so viel sei verraten: Grebe selbst singt es nicht und auch niemand im Publikum.

Am Ende des Abends überwiegt eine nostalgische Stimmung. Es ist der berühmte Satz „Früher war alles besser“, den Rainald Grebe zwar niemals ausspricht, der aber dennoch als Quintessenz im gesamten Programm mitschwingt. Eigentlich hat Grebe so etwas nicht nötig. Zumal er durch die Themenauswahl von Internet-Memes bis Hip Hop durchaus die Chance gehabt hätte, der Moderne auch etwas Positives abzugewinnen. So aber konnte sich das Publikum wohlig zurücklehnen. Rainald Grebe erfindet nicht die Comedy neu, er versteht einfach sein Publikum.

Von Jonas Nayda

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