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Ostprignitz-Ruppin Vor der Fernwärme-Revolution
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vor der Fernwärme-Revolution
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00:32 19.03.2018
Hans-Jörg Löther (l.) mit Rainer Radloff beim Rundgang durch das Wohngebiet Röbeler Vorstadt. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

Von Wittstock könnte eine Fernwärme-Revolution ausgehen: Nirgends im Land Brandenburg ist der Preis für eine warme Wohnung so niedrig wie im Wohngebiet Röbler Vorstadt. 59,70 Euro wurden hier 2017 pro Megawattstunde fällig. Brandaktuelle Zahlen wiesen sogar nur 51 Euro aus, sagt Hans-Jörg Löther, Geschäftsführer des Wittstocker Gebäude- und Wohnungsverwaltung (GWV). Anderswo im Land liegt dieser Preis bei mehr als 100 Euro.

Ich konnte mir nicht vorstellen, wie so ein Preis möglich sein soll

Als Rainer Radloff, der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes im Land Brandenburg, davon in der Fachpresse erfuhr, war er überwältigt: „Ich konnte mir nicht vorstellen, wie so ein Preis möglich sein soll“, sagte er am Freitag in Wittstock.

Dort ließ er sich vom GWV-Chef das Wittstock-Modell erklären: Es basiert auf Eigenständigkeit. Statt sich dem Preisdiktat eines Fernwärmeversorgers zu unterwerfen, baute die GWV, ein Tochterunternehmen der Stadt Wittstock, ein eigenes Blockheizkraftwerk (BHKW).

Volle Kostenkontrolle

Beim Gaseinkauf hat das Wohnungsunternehmen so die volle Kostenkontrolle. Verstärkt werde der Spareffekt durch hohe Investitionen in die energetische Sanierung der Häuser im Wohngebiet – rund 2,1 Millionen Euro. Mit dem Geld wurden unter anderem Kellerdecken, Böden und Außenwände gedämmt. „Wir tun nichts, was jedes andere Wohnungsunternehmen nicht auch tun könnte“, sagt Löther. Würde das Wittstock-Modell landesweit Schule machen, könnten rund 90 Millionen Euro eingespart werden.

Dass das bisher noch nicht passiert ist, liege laut Radloff daran, dass „einige kein Interesse daran haben und es verhindern wollen“. Das wiederum hänge mit dem etablierten System zusammen:

Stadtwerke verdienen gutes Geld

„Stadtwerke verdienen mit der Wärmeversorgung gutes Geld. Sie bestimmen in ihren jeweiligen Gebieten den Preis.“ Diese Einnahmen flössen jedoch nicht nur in direkte Wohnungsbau- oder Sanierungsprojekte, sondern auch in den Stadthaushalt oder den öffentlichen Nahverkehr. Auch würden hauseigene Feste damit finanziert, so Radloff. Ob es richtig ist, dass Mieter über den hohen Fernwärmepreis derartige Dinge mitfinanzieren, müsse in Frage gestellt werden. „Hier sollte der Gesetzgeber eingreifen und dafür sorgen, dass das so nicht möglich ist.“

Das Kreuz mit der Steuer

Das ist nicht die einzige Baustelle im Hinblick auf politische Rahmenbedingungen. Das Wittstocker Modell könne noch weitaus wirtschaftlicher funktionieren, sagt Löther. Verhindert werde das lediglich durch die aktuelle Steuergesetzgebung. Wohnungsunternehmen zahlten auf ihr Kerngeschäftsfeld – also den Wohnraum – keine Gewerbesteuer. Sonst wären die Mieten höher. Dieser Vorteil gehe aber verloren, sobald „artfremde Leistungen“ erbracht würden – wie etwa die Erzeugung von Strom. Der ist in einem BHKW zur Wärmeversorgung zwar nur ein Nebenprodukt, aber es entsteht. Nur das zählt.

Löther kämpft bereits seit Jahren gegen diese Steuergesetzgebung, die einen Großteil des Sparpotenzials, aber auch der Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen auffrisst. „Der Bau von BHKW’s wird gelobt, aber politisch nicht gefördert“, sagt Löther.

Radloff will beispielhaftes Modell publik machen

In Radloff hat er nun einen weiteren Verbündeten, der am Freitag zusagte, sich auch auf Bundesebene dafür verwenden zu wollen, dass sich diese Situation ändert.

Darüber hinaus sei es ihm wichtig, das „beispielhafte Wittstocker Modell publik zu machen. Es muss doch möglich sein, das zu verallgemeinern.“

Für mehr Transparenz

Beide fordern überdies, dass Versorger gesetzlich dazu verpflichtet werden sollten, ihre Preise und ihre CO2-Bilanz offen zu legen. „Es muss mehr Transparenz geschaffen werden.“ Das würde nicht nur der Vergleichbarkeit dienen, sondern auch den Mietern nützen. Denn die wären so in der Lage, ihre Entscheidung für oder gegen eine Wohnung auch davon abhängig zu machen.

Von Björn Wagener

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