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Ostprignitz-Ruppin Ran an die gesunden Buletten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ran an die gesunden Buletten
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02:15 17.11.2017
Diesmal werden Paprika und Brokkoli geschnippelt. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
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Neustadt

Blumenkohl ist das, sagt die sechsjährige Merle und blickt auf das grüne Röschengemüse vor sich. „Nein, Brokkoli“, korrigiert sie der fünfjährige Jannis. Dorit Nowitzki schmunzelt. Die Erzieherin der Kita Spiegelberg in Neustadt hat sich an diesem Vormittag vier Kinder der Vorschulgruppe in die kleine Küche oben im Haus geholt. In Gemeinschaftsarbeit werden heute Gemüse-Nuss-Bratlinge zubereitet. „Auch Bulette genannt. Ein Herbstgericht. Letztens haben wir Kartoffelspalten gemacht, zuvor Kürbissuppe“, erzählt die Hobbyköchin.

Seit den Herbstferien hat sie mit einem speziellen Kita-Ernährungsprogramm begonnen, das weit mehr als „nur“ kochen beinhaltet. Die Erzieherin, die seit 1984 in der Einrichtung ist und auch die Speisepläne für die hauseigene Küche erstellt, hat sich von der Sarah-Wiener-Stiftung und Barmer-Krankenkasse ausbilden lassen – zur „Genussbotschafterin“.

Ab in den Topf mit den Paprika-Streifen. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Sarah Wiener, bekannt aus Funk und Fernsehen, liegt gesunde Essen sehr am Herzen. In einer Welt voller Fertigprodukte kommt sie leider zu kurz. Da wundert es wenig, dass jeder zweite Deutsche übergewichtig ist und die Rate der Diabetiker steigt. Das ist schon bei den Jüngsten der Fall. „Gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“ lautet daher das Motto von Wieners 2007 gegründeten Stiftung. Zusammen mit der Barmer-Krankenkasse und mit Unterstützung der Bundesregierung, hat diese die bundesweit größte Initiative Ich kann kochen! ins Leben gerufen. Deutschlandweit sollen bis 2021 mehr als eine Million Kinder erreicht werden. Dafür qualifiziert die Sarah Wiener Stiftung bis zu 50 000 Pädagogen. Die Kita Spiegelberg in Neustadt ist eine von 21 Kitas und Grundschulen in Ostprignitz-Ruppin und in der Prignitz, die sich am Programm beteiligen.

Simon schneidet die Zwiebeln. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Die „Genussbotschafterin“ Dorit Nowitzki ist mindestens einmal pro Woche ganz in ihrem Element. „Ich koche dann mit unserer Vorschulgruppe. Wir hantieren mit Messern und schneiden. Daher sollten die Kinder auch etwas größer sein“, erklärt Dorit Nowitzki. „Immer im Wechsel hole ich mit vier bis fünf von ihnen. Damit jeder mal drankommt.“Nachdem die erste Regel von ihren kleinen Köchen befolgt wurde, Händewaschen, nimmt sich auch schon jedes der Kinder ein Messer und legt auf seinem Brett los. Jannis zeigt den Krallengriff: Mit der linken Hand den Brokkoli festhalten, mit der rechten Hand die Röschen abschneiden. Und ab damit in den Topf auf dem Tisch. Binnen weniger Sekunden ist Ruhe und alle schnippeln wie die kleinen Weltmeister. „Fertig!“, meldet sich einer nach dem anderen. Erzieherin Dorit Nowitzki wäscht mit den Kindern das Gemüse ab, Jannis danach die Brettchen. „Er ist unser Abwäscher“, sagt die Erzieherin und lacht.

Schon köcheln die Brokkoliröschen

Alle reihen sich um den Herd, Salz in den Topf, Deckel drauf und schon köcheln die Brokkoliröschen vor sich hin. Währenddessen schnippeln die Kinder Paprika. „Meine Lieblingsfrucht“, gesteht der fünfjährige Simon. „Ist das eine Frucht?“, fragt Dorit Nowitzki in die Runde. Einstimmige Antwort: „Das ist ein Gemüse.“

Die Kinder der Kita Spiegelberg können bereits gut unterscheiden. Denn bei der Initiative „Ich kann kochen!“ geht es nicht nur ums Essen, sondern auch um die Zutaten selbst. Kartoffeln wachsen nun mal nicht im Netto, sondern in der Erde, wissen Merle, Mila, Jannis und Simon.

Zwei Hochbeete im Garten angelegt

Zugegeben, den Brokkoli für heute haben sie mit ihren Erziehern eingekauft, das war die gestrige Tagesaufgabe. Geerntet haben sie aber auch schon zur Genüge, zum Beispiel die Kartoffeln für die Kartoffelpuffer letzte Woche. Die waren vom Nachbarn, erzählt Kita-Leiterin Sigrid Nau: „Wir haben in unserem Garten aber auch zwei Hochbeete angelegt.

Viele Kinder haben, anders ihre Eltern früher, zu Hause keinen Garten mehr und sollen lernen, wie Gemüse und Früchte angebaut werden.“ Und was haben die Kinder dort geerntet? „Möhren, Tomaten Erdbeeren“, zählen Merle und ihre drei kleinen Kollegen auf. Mittlerweile ist der Brokkoli fast weich. „Wir müssen ja noch die Haferflocken wiegen“, meldet sich da Dorit Nowitzki und schaut fragend in die Runde: „Wer kann schon eine 1 und eine 5 und eine 0 lesen?“ Alle Hände schnellen hoch. Mila darf wiegen. Leichte Enttäuschung bei den anderen, die sich schnell wieder legt – immerhin sind noch andere Handgriffe gefragt.Und dann gibt es doch noch Tränen. Simon soll die Zwiebeln schneiden und ihm laufen alsbald die Augen. Jannis übernimmt, hält genügend Abstand zur Zwiebel.

Viel Mühe steckt darin

Die angebratenen Zwiebeln samt Haferflocken und gemahlene Haselnüssen geben die Kinder in den Brokkoli-Topf, vermischen die Masse gut, schmecken mit Salz und Pfeffer ab und lassen alles kurz quellen. Dann wird erst mal probiert. Dorit teilt vier Teelöffel aus. „Hm! Lecker“, macht Simon. „Schmeckt wie Salzstangen.“ Was man selber macht, schmeckt noch mal so gut. Vielleicht auch, weil die Kinder wissen, wie viel Mühe darin steckt.

Acht kleine, befeuchtete Hände formen aus der Masse Bratlinge. Versuchen es zumindest. „Aua, heiß“, schreckt Jannis zurück und Dorit Nowitzki entlässt ihn aus der Küche. „Man merkt, wenn die Aufmerksamkeit abnimmt“, sagt sie und zwinkert. Die drei anderen kleinen Köche machen wacker weiter und freuen sich schon aufs Mittagessen. Das Anbraten übernimmt Dorit Nowitzki. Zu schade, wenn man es aus Zeitgründen nicht schafft, das Resultat zu kosten. Da freut es umso mehr, wenn das eigene Kind einen Gruß aus der Kita mit nach Hause bringt. Zum Abendessen werden die Gemüse-Buletten probiert. Schmecken köstlich. Zum Nachahmen empfohlen.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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