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Raum für künstlerische Experimente

Lentzke Raum für künstlerische Experimente

Die beiden Künstler Li Alin und Marcus Sendlinger haben in Lentzke einen alten Hof gekauft. Der Hof soll Basis für ihr Projekt „Real Art Estate“ sein – auch andere Künstler sollen dort ausstellen und arbeiten können. Im April beginnt ein erstes Kunstfestival.

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Experimente jenseits des großen Kunstbetriebs: Johannes Bünemann, Fabian Hub, Lisa Braun, Li Alin und Marcus Sendlinger (v. l.).

Quelle: Peter Geisler

Lentzke. Im Hof Skulpturen. In den früheren Ställen und im Getreide­lager Ateliers und Ausstellungsräume. Hinter der großen Scheune ein Park alter Wohnwagen aus den 50er- und 60er Jahren. So könnte „Real Art Estate“ (RAE), das Projekt der beiden Künstler Li Alin und Marcus Sendlinger in Lentzke, einmal aussehen. „In Berlin hast du keinen Platz dafür“, sagt Sendlinger. „Hier ist Platz.“

Lange hatten Alin und Sendlinger nach einem Ort gesucht, an dem sie künftig leben und arbeiten könnten. 2015 hatte die kanadische Künstlerin Alin ihr Loft im Zentrum Montreals verloren. Auch Sendlinger hatte mit seinem Berliner Atelier immer wieder umziehen müssen, weil es kaum noch bezahlbare Arbeitsräume in der Hauptstadt gab. „Wir haben nach Land gesucht, von dem wir nicht weggeschubst und nicht weggentrifiziert werden können“, sagt Sendlinger. In Lentzke fanden sie schließlich einen alten Hof mit einem großen Grundstück bis zum Rhin runter.

Nicht bloß das Domizil zweier Künstler

Noch bevor Alin und Sendlinger den Kaufvertrag unterschrieben, war klar: Der gemeinsam mit dem Karweseer Tony Deutschmann erworbene Hof würde mehr als bloß das Domizil zweier Künstler sein. Auch andere Künstler sollen dort tage- oder wochenweise arbeiten, ausstellen oder leben dürfen, Kunstliebhaber sich dort einmieten können. RAE versteht sich als „Modell von Künstlern für Künstler“. Sendlinger, der einige Zeit in Künstlerverbänden für bessere Arbeitsbedingungen gestritten hat, will neue Wege gehen. „Ohne alle administrativen Strukturen.“

Das Prinzip ist einfach. Wer Clubmitglied ist, kann die Angebote des Hofes nach Absprache nutzen. Einige offizielle Mitglieder gibt es bereits. Alin und Sendlinger, die international ausgestellt haben, hoffen auf mehrere hundert weltweit, die gegen einen kleinen Beitrag Mitglied werden wollen. Ein Berliner Galerist, der seine Ausstellungsräume aufgeben musste und seine Künstler mit ins Rhinluch nehmen möchte, ist bereits an Bord.

Marcus Sendlinger ist ein Liebhaber alter Autos

Marcus Sendlinger ist ein Liebhaber alter Autos. Für künftige Gäste soll es einen Shuttle-Service vom Wustrau-Radenslebener Bahnhof geben. Gerne auch in einem alten Wagen.

Quelle: Peter Geisler

Noch liegt in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden zentimeterhoch der Staub. In den kommenden Wochen will Sendlinger gemeinsam mit Helfern ein altes Getreidelager zur Ausstellungsfläche herrichten. Die unverputzten Wände, die alte Getreideförderanlage, die steile, schmale Holztreppe ins obere Geschoss – alles soll möglichst so bleiben. Die neuen Hofeigentümer wünschen sich einen authentischen Ort, keine Galerie, wie sie in Berlin-Mitte üblich ist. Viel Arbeit müssen Sendlinger und Alin dennoch investieren. Sendlinger – akkurat getrimmter Schnäuzer, Seemannsmütze – schreckt das nicht. In den vergangenen Monaten hat der 49-Jährige Räume und Ställe entmüllt und sich ein kleines Atelier eingerichtet. Die Virtual-Reality-Künstlerin Alin begann über einem ehemaligen Stall ein Studio aufzubauen. Mithilfe von zahlreichen Möbelspenden richteten sie sieben Zimmer her, in denen RAE-Gäste künftig übernachten können.

Wie sich RAE entwickelt, hängt auch davon ab, wie sich Künstler und Gäste dort einbringen. Wer teilhaben möchte an RAE, kann in verschiedenen Projekten mitmachen – im geplanten Garten etwa oder beim Transfer von Wissen. RAE versteht sich als „utopisches Modell“, als „Kunstobjekt, an dem Menschen partizipieren und reflektieren über die Gesellschaft“.

„Cosmic Debris“-Ausstellung startet am 1. April

Längst ist das erste große Festival geplant: Ehemalige Studenten der Universität der Künste (UDK) in Berlin kuratieren die Ausstellung „Cosmic Debris“, bei der ab 1. April mehr als 30 Künstler mit ihren Bildern, Skulpturen und Performances zu sehen sein werden. Der Titel – einem Frank-Zappa-Song entlehnt – spielt auf den Festivalcharakter der Ausstellung an. Mehrere Bands und Musikprojekte werden an dem Eröffnungsabend zu hören sein – einige der Künstler treten auch als Musiker auf.

Ausstellungsmacher Fabian Hub und Lisa Braun haben sich ganz bewusst nicht auf ein thematisches Konzept festgelegt. „Es soll eben keine gelabelte Ausstellung sein“, sagt Hub. Jeder Künstler soll mit den Gegebenheiten des Ortes spielen können. „Was zu sehen sein wird, wissen auch wir erst, wenn es hängt.“ Der 28-Jährige ist von dem Hof in Lentzke begeistert. „Das ist ein Ort, der ganz viel zulässt“, sagt Hub. „Kein Platz bloß zum Bilder hinhängen.“


Ein Teil der alten Wirtschaftsgebäude wird bereits als Lagerraum genutzt

Ein Teil der alten Wirtschaftsgebäude wird bereits als Lagerraum genutzt.

Quelle: Peter Geisler

Li Alin ist inzwischen nach Lentzke übergesiedelt. Sendlinger lebt teilweise dort, hat aber noch eine kleine Wohnung in Berlin behalten. Dass Lentzke zu weit weg vom Kunstbetrieb der Hauptstadt sein könnte, glaubt er nicht. Für künftige Gäste der RAE-Farm soll es einen Shuttle-Service vom Wustrau-Radenslebener Bahnhof geben. Zum Auftakt von „Cosmic Debris“ lässt sich inzwischen eine Fahrt in einem Doppeldeckerbus buchen, der Besucher von der UDK bis in die Lentzker Dorfstraße bringt.

Sendlinger, Liebhaber alter Autos und Motorräder, plant für Ende April bereits ein weiteres Ausstellungsprojekt, das Kunst und Oldtimer miteinander verbinden soll. Weitere Ideen hat er längst. In einem alten Stall will er eine Sauna einrichten, im Garten sollen Baumhäuser entstehen. „Das hier ist ein großes Experimentierfeld.“

„Cosmic Debris“ wird am Sonnabend, 1. April, ab 15 Uhr, auf der RAE-Farm in Lentzke, Dorfstraße 35, eröffnet. Die Ausstellung ist bis Sonnabend, 15. April, zu sehen – nach dem Eröffnungswochenende nach telefonischer Vereinbarung unter 033932/60 52 52.

Von Frauke Herweg

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