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Raupenharvester in Aktion

Neuruppin Raupenharvester in Aktion

Der Landesbetrieb Forst Brandenburg beginnt in diesen Tagen mit einer Baumfällaktion an der Landesstraße bei Frankendorf. Damit kommt die Oberförsterei Alt Ruppin ihrer Verkehrssicherungspflicht nach.

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Der Raupenharvester greift mit seinen Zangen den Stamm und transportiert ihn aufrecht stehend zum Ablageplatz.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Ein lautes Knacken am Straßenrand und krachende Äste – an der Straße, die von Frankendorf zur L16 führt, ist die Ruhe im Wald dahin. Die Oberförsterei Alt Ruppin hat dort am 19. April im Bereich eines Sicherheitsstreifens damit begonnen, Bäume zu fällen. Allerdings mit einer speziellen Technik, um den Straßenverkehr und auch nachwachsende Gehölze nicht zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen.

Ein Raupenharvester der Spezialfirma „Fachini“ mit einem Gewicht von 48 Tonnen kämpft sich durch das Gelände. Sven Fachini steuert das Spezialfahrzeug, dass durch Spezialzangen in der Lage ist, Bäume aus dem Bestand zu entnehmen und senkrecht fest zu halten. Ältere Bäume können so aus der Verjüngung gehoben werden, auf einer Arbeits- oder Rückegasse abgelegt und entsprechend ihrer späteren Bestimmung aufgearbeitet werden. Ein Aufschlagen der gefällten Bäume auf die jüngeren Kulturen und damit einher gehende Schäden werden damit vermieden. Im September 2005 gründeten Frank Fachini und sein Sohn Sven das Unternehmen im Landkreis Teltow-Fläming. Beide sind gelernte Forstwirte.

Autofahrer preschen durch Gefahrenzone

Während der Aktion stehen zwei Mitarbeiter der Firma am Straßenrand bereit, um die mobilen Ampeln zu bedienen, die immer wieder versetzt werden, wenn sich der Harvester weiter vorgearbeitet hat. Transportable Schilder weisen die Autofahrer zusätzlich darauf hin, dass die Geschwindigkeit vermindert werden soll. Nicht alle Verkehrsteilnehmer lassen allerdings die notwendige Aufmerksamkeit walten. Viele fahren mit höherer Geschwindigkeit und auch bei roter Ampel durch den Gefahrenbereich. „Von einigen Autofahrern werden wir sogar beschimpft“, beschweren sich die Mitarbeiter der Forstfirma. Für sie ist solch ein Verhalten unbegreiflich. Denn ab und zu fallen trotz der speziellen Technik Äste auf die Straße.

Greifarm kann bis zu 15 Meter ausgefahren werden

Bis zu einem Durchmesser von 80 Zentimetern kann die Maschine Bäume entnehmen. Der Greifarm kann dabei bis zu 15 Meter ausgefahren werden. „Der Verkehr soll natürlich nicht allzu lange behindert werden“, sagt Carsten Sander, der in der Landeswaldoberförsterei Alt Ruppin für die nachhaltige Holznutzung zuständig ist. „Mit unserer herkömmlichen Technik, bei der wir mit Seilschleppern arbeiten, würden die Arbeiten wesentlich länger dauern und der Aufwand wäre viel größer.“ Ein billiges Vergnügen ist es für den Landesbetrieb Forst Brandenburg dennoch nicht. „Eine Stunde Maschine und die Arbeit der Sicherheitskollegen kostet uns 500 Euro“, sagt Sander, der auch für die VTA-Schulungen in der Landeswaldoberförsterei zuständig ist.

Systematische Baumkontrolle

VTA – Visual-Tree-Assessment – bezeichnet eine Methode zur systematischen Baumkontrolle, bei der verschiedene Abweichungen vom optimalen Zustand, wie Risse, Schrägstand, Höhlen, Faulstellen oder angehobene Wurzelteller begutachtet werden. Auch der Frankendorfer Revierförster Andrej Ruhnke hat eine derartige Schulung absolviert, bevor er die jetzt gefällten Bäume genauer begutachtet und gekennzeichnet hat. Viele der Bäume weisen Risse und Rindenablösungen auf, die zu Fäulnis führen. Verursacht wurden diese Verletzungen oft durch Autofahrer. Aber auch Bodenbrände oder Rotwild können Schäden an den Stämmen verursachen. „Die Gemeine Fichte, die in unserer Region naturgemäß nicht zu Hause ist, wird oft von Rotfäule befallen. Durch Pilzerreger wird das Holz zersetzt. Erste Anzeichen sind oft flaschenartige Ausbeulungen“, sagt Andrej Ruhnke.

Rote Markierung – Baum wird fallen

Die Bäume mit roten Markierungen werden nun fallen, weil sie entweder als mögliche Gefahrenbäume den Straßenverkehr gefährden beziehungsweise im Zuge von Pflegemaßnahmen weichen müssen, weil sie zu eng oder ungünstig stehen. „Bei der Maßnahme geht es uns in erster Linie darum, die Sicherheit des Straßenverkehrs zu gewährleisten“, sagt Carsten Sander. Dazu sind Waldeigentümer nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtet. Sie müssen dafür sorgen, dass der Waldbestand an öffentlichen Verkehrswegen mit standortgerechten, gesunden Bäume angelegt wird und eine regelmäßige Besichtigung, mindestens einmal jährlich, erfolgt. Dabei sollen die Bäume auf einer Tiefe von 30 Metern in den Wald hinein überprüft werden – etwa eine Baumlänge. Auch für die Naturverjüngung und die bessere Sichtbarkeit des Wildes durch den Autofahrer ist ein nicht so dicht bewachsener Waldrand von Vorteil.

Auf einer Länge von etwa fünf Kilometern erfolgen bis zum 5. Mai die Baumfällarbeiten an der Straße nach Frankendorf sowie entlang der L16 bis Gühlen-Glienicke. Eine Maßnahme, die laut Carsten Sander längst überfällig ist und nun auch in den anderen elf Revieren durchgeführt werden soll.

Von Cornelia Felsch

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