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Raus aus der Sucht und rein ins Leben

Pritzwalker Selbsthilfegruppe der anonymen Alkoholiker feiert 25 Jahre Bestehen Raus aus der Sucht und rein ins Leben

Burkhard Kreuzer ist trocken. Als er seinen Alkoholkonsum nicht mehr im Griff hatte, halfen nur noch Entgiftung und Familie. Vor 25 Jahren hat er die Begegnungsgruppe Pritzwalk des christlichen Suchthilfeverbandes Blaues Kreuz ins Leben gerufen. Nun feiern sie das Bestehen und den Schritt zurück ins Leben.

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Burkhard Kreuzer ist ehrenamtlicher Leiter der Begegnungsgruppe.

Quelle: Fischer

Pritzwalk. "Das ist das Schöne: Zu sehen, wie sich ein Gruppenmitglied körperlich erholt und seelisch wieder aufbaut, auch wenn es manchmal ein harter Job ist, einzelne bei der Stange zu halten", sagt Burkhard Kreuzer. Der 57-Jährige leitet die Begegnungsgruppe Pritzwalk des christlichen Suchthilfeverbandes Blaues Kreuz. Diese trifft sich jeden Montag um 19 Uhr im Gemeinderaum der Kirchengemeinde in der Grünstraße. Derzeit gehören ihr 25 Frauen und Männer an ‒ nicht nur Alkohol- und Tablettenabhängige, sondern auch Angehörige und andere Ratsuchende. Für Sonnabend laden sie für 14 Uhr in die Pritzwalker Sankt-Nikolai-Kirche ein, um bei einem Festgottesdienst sowie anschließend bei Kaffee und Kuchen das 25-jährige Bestehen der Selbsthilfegruppe zu feiern.

"Rettungsanker" Familie

Der personifizierte Grund, 1990 in Pritzwalk eine Suchthilfegruppe ins Leben zu rufen, war Burkhard Kreuzer selbst. Er hatte den Alkoholkonsum nicht mehr im Griff, landete in Pritzwalk in der Entgiftung. Danach suchte er Hilfe. Ein Freund, ebenfalls alkoholkrank, brachte ihn zur Superintendentur und machte sich selbst aber sogleich davon. Der damalige Superintendent beauftragte Schwester Brigitte Grundig, sich um Burkhard Kreuzer zu kümmern. Die Schwester war für den Pritzwalker ‒ verheiratet, zwei Töchter ‒ der "Rettungsanker", wie er sagt. "Sie sorgte sich um mich wie eine Mutter, noch heute haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis."

Begegnungsgruppe

  • Gegründet wurde die Selbsthilfegruppe des Evangelischen Kirchenkreises Havelberg-Pritzwalk 1990 von der Katechetin Brigitte Grundig.
  • Dem Blauen Kreuz als größtem deutschen Suchthilfeverband haben sich die Pritzwalker als Begegnungsgruppe 1998 angeschlossen ‒ in dem Jahr, in dem Burkhard Kreuzer ehrenamtlich die Leitung übernahm.
  • Die Begegnungsgruppe trifft sich montags um 19 Uhr in der Grünstraße25 in Pritzwalk. Teilnehmer sind Betroffene, deren Angehörige und andere Ratsuchende.
  • Ansprechpartner ist der Gruppenleiter Burkhard Kreuzer. Er ist erreichbar unter 03395/700602 oder 0151/53316658 und per E-Mail an burkhard.kreuzer@web.de.
  • Mit einem Festgottesdienst wird das Jubiläum am heutigen Sonnabend ab 14 Uhr in der Sankt-Nikolai-Kirche in Pritzwalk gefeiert. Anschließend gibt es ein geselliges Beisammensein mit Kaffee und Kuchen. Zu Gast sind auch Selbsthilfegruppen aus Neuruppin, Wittstock und Wittenberge.
  • Ein Landestreffen des Blauen Kreuzes soll es im nächsten Jahr in Pritzwalk geben.

Zuerst kamen zwei bis fünf Betroffene zu den Treffen der Selbsthilfegruppe des Evangelischen Kirchenkreises Havelberg-Pritzwalk. Burkhard Kreuzer: "Ich war das lebende Beispiel, dass es auch ohne Alkohol geht." Mit der Zeit wurden es immer mehr Mitglieder. Im Jahr 1998 schlossen sich die Pritzwalker dem christlichen Suchthilfeverband Blaues Kreuz als Begegnungsgruppe an. Dieser Dachverband hat 5500 Mitglieder in 1100 Gruppen und Ortsvereinen an 400 Standorten in Deutschland. Ebenfalls 1998 übernahm Burkhard Kreuzer die Leitung von Schwester Brigitte Grundig, die nicht mehr in der Prignitz lebt.

Jeder bringt eigene Erfahrungen in die Gruppe ein

Der neue Chef erkannte schnell, dass er noch viel lernen muss, wenn er anderen fachgerecht helfen will. Da waren ihm die Informationsbroschüren und Seminaranleitungen vom Blauen Kreuz eine große Hilfe. Dreimal jährlich konnte er an Wochenendschulungen teilnehmen und sich zum Gruppenleiter für die ehrenamtliche Suchtkrankenhilfe qualifizieren. Ein Thema, das ihn besonders interessierte, war die Aufklärung von Kindern der Betroffenen.

Rückhalt für seine ehrenamtliche Arbeit gäbe ihm die Familie und der Glaube, sagt Burkhard Kreuzer. "Christliches spielt bei uns eine Rolle, aber wir sind offen für alle ‒ unabhängig von der Weltanschauung", betont er. Jeder bringe seine Erfahrung in die Gruppe ein, der Menschen aller Bildungsschichten angehören. "Die Sucht kommt schleichend, kann jeden treffen. Für jeden kostet es Überwindung, die Probleme sind aber eigentlich immer gleich." Alles bei den Treffen Gesagte bleibe im Raum, fügt Burkhard Kreuzer hinzu.

Selbsthilfegruppe als Schritt zurück ins Leben

Nach der Offenbarung gegenüber Familie und Hausarzt, einer stationären Entgiftung und Kur sei das Suchen einer passenden Selbsthilfegruppe der nächste Schritt, um sich das Leben wieder zurückzunehmen, erläutert Burkhard Kreuzer. In Pritzwalk ist er für das Blaue Kreuz die "Anlaufstelle Nummer 1". Er trifft sich mit dem Betroffenen und führt ihn in die Gruppe ein. "Aufsuchende Hilfe" praktiziert Burkhard Kreuzer, falls mal jemand einen Rückschlag hat und nicht mehr zu den Treffen kommt. "Ich motiviere die Freunde, wieder zurückzukommen. Das klappt oftmals", sagt er.

Die Mitglieder der Pritzwalker Suchthilfegruppe kommen nicht nur zu Sitzungen zusammen, bei denen nach dem Austausch der neuen Eindrücke meist noch ein spezielles Thema behandelt wird. Organisiert werden Fahrradtouren sowie Grill- und Kegelabende, an denen auch Angehörige teilnehmen können.

Jährlich einmal gibt es eine mehrtägige Freizeit mit befreundeten Gruppen aus Neuruppin, Wittstock und Wittenberge in einem Ort in der Nähe von Berlin. Viele Frauen und Männer, die die Pritzwalker dort kennenlernten, werden morgen in die Dömnitzstadt kommen, um mit den Blaukreuzlern ihr Jubiläum und das Leben in neugewonnener Freiheit zu feiern.

Von Ulrich Fischer

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