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Reise durch 60 Jahre Schauspielerei

Rheinsberg Reise durch 60 Jahre Schauspielerei

Carmen-Maja Antoni hat aus 60 Jahren als Schauspielerin einiges zu erzählen – wie ihr Buch „Im Leben gibt es keine Proben“ zeigt, aus dem sie am Freitagabend im Akademiehof des Schlosstheaters Rheinsberg las. Etwa 100 Besucher waren hingerissen vom Vortrag der 72-Jährigen.

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Carmen-Maja Antoni signierte nach der Lesung ihr Buch.

Quelle: Lenz

Rheinsberg. Mehr als 100 Besucher hatten sich Freitagabend im Akademiehof des Schlosstheaters Rheinberg versammelt, um auf eine Zeitreise mit der aus Film, Theater und Fernsehen bekannten Schauspielerin und Entertainerin Carmen-Maja Antoni zu gehen. Eine Reise durch mehr als 60 Jahre Geschichte der verschiedensten Bühnen der ehemaligen DDR und heutiger Ensembles. Vorgetragen mit Humor, blitzenden Augen und einer großen Portion Schalk.

Kleine Frau vor großer Kulisse in Rheinsberg

Kleine Frau vor großer Kulisse in Rheinsberg.

Quelle: Peter Lenz

Carmen-Maja Antoni sitzt gelassen an einem kleinen Tisch vor einer großen Leinwand. Die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. Unterbrochen wird sie nur vom herzhaften Lachen und dem Beifall aus dem Publikum. „Im Leben gibt es keine Proben“ – so lautet der Titel des Buches, aus dem Carmen-Maja Antoni liest. Man glaubt ihr jedes Wort, sie ist authentisch , man sieht ihr an, das sie alles erlebt hat, Höhen und Tiefen. Geboren am 23. August 1945, verkörpert sie die Nachkriegsgeneration in schon fast perfekter Weise und stellt in ihren Werken immer wider gerade die Frauen jener Zeit in den Focus.

Mit zehn Jahren übernahm sie ihre erste Rolle

Bereits im Alter von gerade einmal zehn Jahren kam Carmen-Maja Antoni zur Schauspielerei – als einer der drei „Blauen Blitze“ in einem Pionier-Kabarett des DDR Fernsehens. Als Pionier, der sie zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht war. Die Mutter wollte es nicht, erzählt sie, man war ein bisschen katholisch.

Aber auch dies änderte sich, als es darum ging, Geld zu verdienen. Mit 13 Jahren kaufte sie von ihrem verdienten Lohn einen Fernseher, der damals das Zehnfache eines Monatsgehaltes kostete. Endlich konnten ihre Familie und die Nachbarn sehen, was sie eigentlich machte. Solche und ähnliche Anekdoten sorgten in Rheinsberg immer wieder für herzhafte Lacher.

Von Eiskunst- zum Eisschnelllauf

Nach Versuchen als Eiskunstläuferin wechselte Antoni zum Eisschnelllauf, wo sie es bis in den Olympischen Kader der DDR bei der Winterolympiade in Innsbruck schaffte. Doch ihre sportliche Laufbahn kollidierte mit der Schauspielerei, und so musste sie sich entscheiden. Noch vor ihrem Abitur bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam und wurde so zur jüngsten Studentin.

Es folgten Engagements am Hans-Otto-Theater Potsdam und der Volksbühne Berlin. Bereits während dieser Zeit arbeitete Antoni mit Größen wie Helene Weigel und Berthold Brecht. Später sollte sie als vierte Courage – nach Helene Weigel, Therese Giehse und Gisela May – in die Annalen der Theatergeschichte eingehen.

Pläne macht die Schaupielerin nicht

Dieses Frauenbild verkörpert Maja Antoni aber auch heute noch. Wenn sie von Begebenheiten mit ihren Kindern und ihrer Familie erzählt , strahlen ihre Augen. Gerade heute, so sagt sie, sei die Mutter Courage wieder so aktuell wie damals. In Zeiten von Kriegen seien Mütter die Stütze der Familien.

Seit 1976 ist Carmen-Maja Antoni Mitglied im Berliner Ensemble und Dozentin an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg. Auf die Frage nach Plänen sagt die 72-Jährige in ihrer fröhlichen Art: „In meinem Alter macht man keine Pläne mehr, man nimmt das Leben, wie es kommt.“

Von Peter Lenz

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