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Reise in Neuruppins wilde Zeiten

Film "Vorn Kopf gestoßen" Reise in Neuruppins wilde Zeiten

Ein Film von drei Neuruppiner Schülern beschäftigt sich mit der linken und der rechten Szene zur Wendezeit - vor allem mit der Entstehung des Wohnprojekts Mittendrin. Jetzt ist er zum ersten Mal im Café Tasca vorgeführt worden.

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Anders, aber keinesfalls unpolitisch: die Filmemacher Cassandra Lenz, Lina Stübner und Dustin Gottschalk.

Quelle: Jan Philipp Stoffers

Neuruppin. „Gegen die Leute aus dem Film erscheinen wir wohl ziemlich langweilig“, sagte Lina Stübner nach der Vorführung. Sie und ihre Mitschüler Cassandra Lenz und Dustin Gottschalk haben einen Film über Neuruppins linke Szene der Nachwendezeit gedreht. Gezeigt wurde die Dokumentation „Vorn Kopf gestoßen“ der drei 17-jährigen Schüler am Dienstag im Café Tasca vor rund 50 Schülern, Eltern, Lehrern und Mitwirkenden des Films.

Die Idee für das Projekt entstand im Geslchichtsunterricht von Annett Voge. "Aufgabe der Schüler war es, eine wissenschaftliche Arbeit mit der Thematik ,anders sein’ zu entwerfen“, so die Lehrerin. Der Film schildert Geschehnisse aus dem Leben junger Linker und die Entstehung des Neuruppiner Wohnprojekts Mittendrin. Protagonisten der Doku sind Bewohner, ehemalige und aktive Linke. Sie alle begaben sich damals auf eine ungewisse Reise und ohne Sicherheiten an den Rand der Gesellschaft.

Für Ronny Grosser, Ex-Sänger der Punkband „Radicale Poesie“, war es eine ereignisreiche Zeit. „Punk bedeutete für mich Ehrlichkeit und Authentizität.“ Damals habe er die Leute mit seinen Texten und seinem Aussehen schocken und vor den Kopf stoßen wollen, sagt der Musiker. Ruhiger wurde es um ihn, als seine damalige Freundin schwanger wurde und Tochter Cassandra, die nun am Film mitgewirkt hat, zur Welt kam. Mutter Manuela Lenz kommt ebenfalls zu Wort. „Ich schloss mich den Linken an und bald gründeten wir das Wohnprojekt Mittendrin.“ Ihr sei es nicht darum gegangen, zwingend aufzufallen oder „rumzugammeln“. „Wir haben damals viele politische Diskussionen geführt.“ Nach der Wende hätten sich offen zwei politische Lager gebildet. „Man war links oder rechts“, so Manuela Lenz. Anfangs sei das Wohnprojekt von der Stadt geduldet gewesen, so Lenz. Das Haus diente als Zufluchtsort für die Punks, die sich gegen Angriffe von Rechten darin verbarrikadierten. „Es kam vor, dass du als Linker eine aufs Maul bekommen hast, wenn du über die Straße gelaufen bist“, erinnert sich der Ex-Bewohner Loki. Bunte Haare zu haben, konnte damals gefährlich sein.

Doch anstatt die Rechten zu verbannen, wollten einige in der Szene vermitteln. „Wir wollten die Nazis nicht ausgrenzen, sondern knacken“, sagt Eckhard Häßler, damals wie heute aktiv im Café Hinterhof. „Die rechte Szene ist aktiv. Durch die Naziaufmärsche in Neuruppin ist uns bewusst geworden, wie aktuell unser Film ist“, sagt Cassandra Lenz. Viele ihrer Mitschüler waren bei den Montagsdemos. Das entkräfte die Behauptung, die Jugend von heute sei unpolitscher, so Annett Voge.

Von Jan Philipp Stoffers

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