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Rendezvous mit Adebar

Blandikow Rendezvous mit Adebar

Ornithologe Jürgen Kaatz beringte am Donnerstagnachmittag zwei Jungstörche in Blandikow und am Freitag vier weitere in Klein Haßlow. Dabei herrscht überall Abschiedsstimmung, denn der Ornithologe will sich weitgehend aus der Storchenberingung zurückziehen.

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Die Kinder aus der Waldring-Kita konnten zuschauen, wie Jürgen Kaatz die vier Störche in Klein Haßlow beringte.

Quelle: Björn Wagener

Blandikow/Klein Haßlow. Streicheln erlaubt – diese Grundregel gilt immer, wenn Ornithologe Jürgen Kaatz Störche beringt. In Blandikow nutzte am Donnerstagnachmittag unter anderem Seniorin Edith Gesche die Gelegenheit, den flaumigen Rücken der Jungvögel zu berühren; am Freitagfrüh taten es ihr in Klein Haßlow 20 Kinder aus der Wittstocker Kita Waldring gleich. Denn auf dem dortigen Grundstück von Ortsvorsteher Wolfgang Ramin erhielten ebenfalls Jungstörche Ringe. Jürgen Kaatz legt Wert darauf, Menschen aller Altersgruppen solche kleinen Erlebnisse zu ermöglichen. „Es ist ein Initialschlüssel, der mitten ins Herz trifft. Eine bessere emotionale Bindung gibt es doch nicht“, sagt er und ist sich sicher, dass damit das Verständnis für die Natur und die Vogelwelt bei den Menschen besonders nachhaltig gefördert wird.

Erfreuliche Überraschung

Das Nest in Klein Haßlow barg denn auch eine erfreuliche Überraschung. Statt der vermuteten drei sind dort sogar vier kleine Störche „zu Hause“ – etwa fünf Wochen alt und verhältnismäßig gleich in ihrer Entwicklung. Das sah in Blandikow ganz anders aus. Dort befanden sich nur zwei Jungvögel im Nest, eines viel größer als das andere. Ein wenig Wehmut schwang sowohl in Blandikow als auch in Klein Haßlow mit, als sich die Metallringe um die Beine der Störche schlossen. Denn Jürgen Kaatz will künftig „nur noch für sehr gute Freunde“ Storchenjunge beringen. Die „großen Runden“ wie er es nennt, wolle er nicht mehr machen. Nach 23 Jahren Storchenberingung sei es Zeit, kürzerzutreten. Außerdem verlagere er seinen Lebensmittelpunkt weitgehend nach Dänemark.

Tolles Team

Tolles Team: Ortsvorsteher Wolfgang Ramin, Helfer André Ziegler und Jürgen Kaatz.

Quelle: Björn Wagener

In Groß Haßlow blickte er auf die Beringungszeit zurück. Insgesamt hatte er 19 Orte mit Storchennestern stets im Blick, wenn auch nicht alle jedes Jahr mit der Hebebühne angesteuert wurden: Dranse, Schweinrich, Babitz, Siebmannshorst, Klein Haßlow, Randow, Dudel, Berlinchen, Sewekow, Christdorf, Maulbeerwalde, Tetschendorf, Wulfersdorf, Heiligengrabe, Biesen, Neu Biesen, Wernikow, Blandikow, Eichenfelde.

Insgesamt rund 500 Störche beringt

Rund 500 Störche habe er in all den Jahren markiert. Auffällig sei, dass die Entwicklungsstadien der Jungtiere in jüngster Zeit stark variierten. „Manche Elterntiere sitzen noch auf dem Gelege, andere haben schon einige Wochen alte Junge“, sagt Kaatz. Das mache es zusätzlich schwierig, die Beringungsaktionen zu organisieren, denn es seien häufigere Anfahrten mit

Die Kita-Kinder durften die kleinen Störche streicheln

Die Kita-Kinder durften die kleinen Störche streicheln.

Quelle: Björn Wagener

Hebebühnen nötig. Gerade vor diesem Hintergrund dankte Kaatz am Freitag der Familie Ziegler, die von Anfang an dafür gesorgt habe, dass bei Beringungsaktionen immer eine Hebebühne vor Ort ist. „Darauf konnte ich mich immer verlassen“, sagte er und überreichte einen Präsentkorb mit Bio-Produkten an André Ziegler. Gleichzeitig konnte sich auch Jürgen Kaatz über eine Flasche Wein freuen, überreicht von Wolfgang Ramin, dem Ortsvorsteher in Groß Haßlow. Das Netzwerk der Hilfe in Sachen Storchenberingung schloss darüber hinaus aber auch die Firma Nikolowius und in Einzelfällen die Bauhöfe der Stadt Wittstock und der Gemeinde Heiligengrabe mit ein, die für die Aktionen mit Technik und Hebebühnen zur Stelle gewesen seien.

In 150 Jahren bei uns vielleicht ausgestorben

Wiederfunde beringter Störche aus der Wittstocker Region – Totfunde oder Ringablesungen – habe es in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen, aber auch in Spanien, Polen, der Slowakei oder Israel gegeben. Die zehn bis 15 Prozent der Störche, die hier aufwuchsen und die langen Flugreisen mit all ihren Gefahren überleben, brüten später oft in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. „Gleichzeitig wird unsere Region aber auch von Brutpaaren aus diesen Regionen gespeist. Es ist ein Geben und Nehmen“, so Kaatz. Trotz des gut gefüllten Nestes in Klein Haßlow ist des Fachmanns Storchenprognose eher düster. „In 150 Jahren könnten sie bei uns ausgestorben sein“, bedingt durch Klimawandel und Nahrungsengpässe.

Von Björn Wagener

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