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Ostprignitz-Ruppin Renft acoustic verzückte 300 Fans
Lokales Ostprignitz-Ruppin Renft acoustic verzückte 300 Fans
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00:17 19.10.2016
Er hat es trotz seiner 71 Jahre immer noch drauf: Thomas „Monster“ Schoppe kam 1970 zu „Renft“. Am Bass: Marcus Schloussen (r.). Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Sie sind nicht totzukriegen – obwohl sowohl Bandgründer Klaus Renft als auch viele ehemalige Bandmitglieder schon lange nicht mehr leben. Aber Renft gibt es immer noch – und sie sind gut wie eh und je. Kaum eine Band war zu DDR-Zeiten so Kult wie sie – und kaum eine war so wie sie Symbol des Widerstandes gegen die Staatsmacht und die Stasi. 1958 in Leipzig gegründet, 1962 verboten, Auftrittsverbot für Renfts Musiker, was zu den sogenannten Leipziger Beatkrawallen führte. Anfang der 70er durfte die Band wieder spielen und Alben einspielen, aber schon 1975 landete sie erneut auf dem Index – Haftstrafen und Ausweisungen einzelner Musiker folgten. Erst 1990 fand man wieder zusammen und spielt seitdem in wechselnder Besetzung weiter zusammen. Am Sonnabend fanden sich 300 – textsichere – Fans in der Neuruppiner Kulturkirche ein, um ihren Idolen aus Jugendtagen einmal mehr die Treue zu erweisen. Sie wurden nicht enttäuscht.

Gisbert Piatkowski ist ein Zauberer an der Gitarre. Quelle: Regine Buddeke

Urgestein Thomas Schoppe alias Monster ist ein Berserker am Mikro. Man habe ihm erzählt, dass da einer ist, der wie Joe Cocker singen kann, hat Bandgründer Renft einst über ihn gesagt. Und nach dem ersten Eindruck: ’Aber brüllen konnte der! Da war eine Power! Ein Wahnsinniger!’ Das war 1970, als Monster zu Renft kam. Auch heute hat der – mittlerweile 71-Jährige – kein bisschen Power eingebüßt. Er screamt, er dröhnt, er stöhnt – im Bass und im Falsett. Einige der Lieder stammen aus seiner Feder, etwa das „Gänselieschen“ und „Als ich wie ein Vogel war“.

Verdammt lang her: und nichts vom einstigen Zauber verloren.. Quelle: Regine Buddeke

Schoppe zur Seite stehen drei Vollblutmusiker, die allesamt in verschiedenen Bands DDR-Rockgeschichte schrieben. Wie Gisbert „Pitti“ Piatkowski, einst Gitarrist bei City, NO 55 und Modern Soul, der auch regelmäßig mit Urgestein Mitch Ryder tourt, ist ein Guru an der Gitarre. Und auch Drummer Delle Kriese und Bassist Marcus Schloussen haben den Rock seit eh und je im Blut und legen eine Performance vor, die keine Wünsche offen lässt. Es ist ein prachtvoller Sound – mit beseelten Riffs, satten Bässen, krachigen Drums und der Wahnsinns-Stimme von „Monster“. Mal wird der Blues-Train entfesselt, mal gleitet das Quartett in den sanfteren Fahrwassern der Liebe – immer kraftvoll, immer voll Emotion.

Stehende Ovationen – die Fans sind begeistert. Quelle: Regine Buddeke

„Zwischen Liebe und Zorn“ – damit fängt es an. Und zwischen Liebe und Zorn geht es im schönen Wechselspiel weiter. Zur Ruhe kommt man nie. „Bleich und uferlos“, ein Klassiker aus der Feder Kurt Demmlers, der viele Texte für Renft geschrieben hat – pure Magie der Worte. „Alles ist im Fließen, alles ist im Gehen“, so heißt es im „Wandersmann“, das wohl wie kein anderes Lied für die wechselvolle Bandgeschichte steht. Oder „Mama“, das bohrt sich in die Ohren und unter die Haut. „Aber ich kanns nicht verstehen“ – „einer der schönsten Songs, die Demmler für uns schrieb“, ruft Schoppe.

Beseelt: Leadsänger Schoppe. Quelle: Regine Buddeke

Natürlich kommen auch die Songs, wo die Staatsmacht hellhörig wurde: „Als ich wie ein Vogel war“, „Freiheit“, „Ermutigung“. Auch Wolf Biermann schrieb einst einen Song mit diesem Namen. „Du darfst dich nicht verhärten in dieser harten Zeit“, zitiert Schoppe daraus und raunt: „Wir haben das ja damals auch gespürt: Die ganze DDR war eine Härte. Pst, nicht weitersagen.“ Und singt weiter.

Der Saal steht und applaudiert. Es wird viel mitgesungen und gesummt – die meisten kennen die Songs im Schlaf. Das ist auch nötig, denn die Akustik verschluckt leider viel vom Text. „Trotzdem toll, man kennt die Titel ja“, sagt ein Fan aus Rheinsberg, der seine Idole damals schon gesehen hat. „Da spielten sie noch im Stehen. Im Original klang es damals natürlich anders. Immer einen im Tee, die Jungs. Aber gespielt haben sie wie die Götter.“ Das tun sie auch heute noch – vier Zugaben gibt es, darunter auch die Hymnen: „Apfeltraum“ und „Wer die Rose ehrt“.

Von Regine Buddeke

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