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Reparieren statt wegwerfen

Kyritz Reparieren statt wegwerfen

Seit kurzem gibt es im Kyritzer Mehrgenerationenhaus ein Reparaturcafé. Elektrogeräte und Fahrräder werden dort, wenn möglich, von erfahrenen Bastlern und Tüftlern wieder zum Laufen gebracht. Bei der Aktion geht es zum einen um Müllvermeidung und zum anderen um ein geselliges Miteinander aller Beteiligten.

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Reparieren ist Erwin Bendlins große Leidenschaft. Sein Fachwissen stellt der Elektromeister gern der Allgemeinheit zur Verfügung.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Als Erwin Bendlin in der MAZ las, dass in Kyritz ein Reparaturcafé ins Leben gerufen wurde und dafür noch fachkundige Unterstützer gesucht werden, war er sofort Feuer und Flamme. Der 64-Jährige tüftelt, bastelt und repariert von jeher alles Mögliche, was ihm in die Finger kommt – und das mit großer Leidenschaft. Die Idee fürs Reparaturcafé hatten die beiden Sozialarbeiterinnen Sarah Reinecke vom Verein Stattwerke und Roswitha Leest, die bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) beschäftigt ist.

Reparieren statt wegwerfen, unter diesem Motto sollen künftig regelmäßige Reparaturtreffen für Kleingeräte und Fahrräder im Familienzentrum der Awo im Mehrgenerationenhaus in der Pritz­walker Straße in Kyritz stattfinden. Ums Reparieren allein geht es dabei allerdings nicht. Vielmehr geht es den Organisatoren darum, dass sich Leute aus Kyritz und Umgebung an einen Tisch setzen, miteinander reden, Gedanken und Erfahrungen austauschen. „Mit der Aktion wollen wir auch ein kleines Zeichen setzen in einer Zeit der sorglosen Wegwerfgesellschaft, in der viel zu schnell wertvolle Ressourcen auf dem Müll landen“, sagt Sarah Reinecke.

Spenden werden im Mehrgenerationenhaus entgegen genommen

Beim ersten Treffen am 14. Juni wurden Fahrräder repariert. „Die Sache lief besser an als gedacht, denn auf Anhieb kamen mehrere Helfer und auch Leute, die ihre ­Räder reparieren lassen wollten“, sagte Sarah Reinecke. Die dafür notwendigen speziellen Werkzeuge brachten die fachkundigen Helfer selbst mit. Jedoch fiel beim Tüfteln und Werkeln bald auf, dass es an vielen nötigen Materialien fehlt. „Wir würden uns daher sehr über eine kleine Spende, wie Sättel, Pedalen, Schläuche oder Reifendecken, freuen“, sagt Roswitha Leest. Die Spenden nimmt das Awo-Familienzentrum im Kyritzer Mehrgenerationenhaus an der ­Pritzwalker Straße gern entgegen.

Beim zweiten Reparaturtreffen zwei Wochen später schlug Erwin Bendlins große Stunde, denn an jenem Tag standen defekte Kleingeräte auf dem Plan, und die repariert der Kyritzer nicht nur im eigenen Haushalt, sondern bei Nachfrage auch bei Freunden und Bekannten. Dass nun endlich auch in Kyritz ein Reparaturcafé geschaffen wurde, findet er gut. In größeren Städten gibt es so etwas schon länger. Als Vorbild diente ein ganz ähnlich ausgerichtetes Reparaturcafé in Berlin. Im Vorfeld schauten sich die Sozialarbeiterinnen aus Kyritz dort um und bekamen von den dortigen Organisatoren wertvolle Hinweise. „Die Idee schwebte ja schon ­länger in unseren Köpfen, und als wir sahen, wie toll so etwas funktionieren kann und wirklich jeder davon etwas hat, machten wir schließlich Nägel mit Köpfen“, berichtet Roswitha Leest.

Kaputte Haushaltsgeräte mitgebracht

Als unlängst Kleingeräte auf dem Plan standen, war Erwin Bendlin zur Stelle. Seinen Werkzeugkoffer mit allem drin, was er für die Reparatur von Elek­trohaushaltsgeräten benötigt, brachte der 64-jährige Kyritzer selbstverständlich mit. Außer Erwin Bendlin kamen noch drei weitere freiwillige Helfer ins Mehrgenerationenhaus, und eine Hand voll Leute mit defekten Geräten fand sich auch rasch ein. Jeder hatte ein Elektrohaushaltsgerät mitgebracht, das nicht mehr funktioniert, aber für zu schade befunden wurde, um weggeworfen zu werden.

Eine Frau aus Kyritz hatte eine elektrische Kaffeemühle aus DDR-Produktion mitgebracht, die einige Tage zuvor den Geist aufgab. 40 Jahre lang hat sie jeden Tag damit die Bohnen für ihren Kaffee gemahlen. Um die Kaffeemühle kümmerte sich Siegfried Bielefeldt, der am Reparaturtisch gleich neben Erwin Bendlin saß. Auch der pensionierte Werklehrer Siegfried Bielefeldt hat durch die MAZ vom Reparaturcafé erfahren und will sich mit seinen Erfahrungen einbringen. „Alles kann ich ja auch nicht, aber manche Geräte kriegen wir hier heute gewiss wieder zum Laufen“, sagte der 75-jährige Kötzliner. Das Problem an der Kaffeemühle konnte Siegfried Bielefeldt jedenfalls lösen. Das Kabel war gebrochen.

Seit 1968 ist der Kyritzer Amateurfunker

Erwin Bendlin kümmerte sich derweil um einen Stabmixer. Auch bei diesem Gerät war das Kabel gebrochen und rasch repariert. Gebastelt hat Erwin Bendlin schon sein ganzes Leben lang. Seit 1968 ist der Kyritzer Amateurfunker und musste sich damals alle Geräte selbst zusammenbauen. Von 1972 an arbeitete er im Dienstleistungskombinat und reparierte Haushaltsgeräte. Über Gerüchte, moderne Elektrogeräte hätten eingebaute Schwachstellen, kann Bendlin nur schmunzeln: „Das beste Beispiel halte ich in der Hand. Das Kabel wird ständig um den Mixer gewickelt, bis es schließlich bricht.“

Termine: Am 21. Juli werden im Reparaturcafé wieder Fahrräder repariert und am 11. August sind Kleingeräte dran.

Von André Reichel

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