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Retten Touristen Rheinsbergs Eigenständigkeit?

Rheinsberg Retten Touristen Rheinsbergs Eigenständigkeit?

Im Kampf um die Eigenständigkeit bei der vom Land avisierten Gebietsreform sollen Rheinsberg die Touristen helfen, so die Idee des Bürgermeisters. Die Stadtvertreter begrüßen das Argument – votieren aber dafür, zweigleisig zu fahren und sich für den Fall der Zwangsverheiratung nach geeigneten Partnern umzuschauen.

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Auch um viele Touristen muss sich Rheinsberg tagtäglich kümmern. Das könnte ein schlagendes Argument im Kampf um die Eigenständigkeit der Stadt sein.

Quelle: Celina Aniol

Rheinsberg. Ersparnisse oder Verbesserungen? Diese hat die letzte Gebietsreform 2003 Rheinsberg und den umliegenden Dörfern auf keinen Fall gebracht. Davon ist Bürgermeister Jan-Pieter Rau fest überzeugt. „Nicht eine Straße, die ich unterhalten muss, ist dadurch kürzer geworden.“ Die Nachteile der Zusammenlegung hingegen liegen auf der Hand: Zwar sei das dörfliche Leben durch die Reform nicht völlig zum erliegen gekommen, die Rheinsberger Ortsteile haben aber die Möglichkeit ihrer Selbstverwaltung verloren, die Identifikation mit ihrem Ort eingebüßt. Das wiege schwer.

So schwer, dass Rau es nun auf jeden Fall verhindern will, dass die Kommune wie vom Land avisiert mit einer anderen fusioniert. „Wie soll ich bei einem Riesengebilde noch jemanden in den Dörfern überzeugen, politische Ämter zu übernehmen?“, fragte Rau in seiner flammenden Rede unter dem etwas hochtrabenden Titel „Quo vadis Rheinsberg?“ in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Nachdem er die Alternativen: eine Zwangsehe mit Wittstock, Neuruppin, Lindow, Gransee oder gar Fehrbellin und Temnitz, mit dem Ergebnis „unbefriedigend“ kurz angerissen hatte, präsentierte er den Stadtvertretern eine Idee, wie Rheinsberg der Bürde einer Fusion dennoch entgehen könnte.

Stadt kümmert sich nicht nur um Einwohner, sondern auch um Gäste

Statt allein auf statistische Prognosen zu Einwohnerentwicklung bange zu blicken, setzt CDU-Mann Rau eher auf die Stärke der Stadt: die Touristen. Denn die Bevölkerungsprognosen prophezeien der Gemeinde ein Abrutschen von etwa 8150 Anwohnern heute auf 6435 im Jahr 2030. Damit wäre die Zwangsheirat mit einer Nachbarkommune quasi programmiert, da das Land zu diesem Zeitpunkt nur noch Verwaltungseinheiten mit 10 000 oder wenigsten 8000 Menschen haben will. Wenn Rheinsberg aber die Besucher dazurechnet, dann kommt die Stadt locker über diese von Potsdam verordnete Grenze hinweg. Über eine halbe Million Übernachtungen pro Jahr gibt es in Rheinsberg – mindestens. Denn nicht mitgezählt werden dabei Gäste, die in Unterkünften sind, die weniger als zehn Betten haben. Hinzu kommen auch noch Tagesbesucher. Rau schätzt die Zahl dieser beiden Gruppen auf insgesamt eine Million pro Jahr. Wenn man diese dazu zählt, dann werden im Jahr 2030 Rheinsberg jeden Tag voraussichtlich 10 700 Menschen bevölkern. „Das sind zwar nicht alles direkte Einwohner, aber alles Menschen, die ich zu versorgen habe“, so Rau. Die Stadt solle auf jeder Ebene dafür werben, das Problem aus diesem Blickwinkel zu sehen. Das habe die Verwaltung in Potsdam auch bereits getan. Die Reaktion im Ministerium: „So haben wir das noch niegesehen“, berichtete Rau, der mit der Argumentation gute Chancen gegen Eingemeindungszwang sieht.

Stadt will ihre Argumente schnell Potsdam mitteilen

Die Stadtvertreter nahmen die Idee fast dankbar auf, war das doch der ersehnte Hoffnungsschimmer im Kampf um die Eigenständigkeit, für die sie sich immer wieder ausgesprochen haben. Die Argumente sollte die Stadt so schnell wie möglich auch schriftlich Potsdam mitteilen, forderte Rheinsbergs Ortsvorsteher Sven Alisch. „Die Ministerien warten regelrecht auf Argumente“, so der SPD-Fraktionschef. Die anderen Fraktionen stimmten dem zu und beauftragten die Verwaltung ein entsprechendes Schreiben vorzubereiten.

Das alleine reiche aber nicht aus. Die Stadtvertreter sollten sich überlegen, welche Fusion im Fall der Fälle die am wenigsten schmerzhafte wäre, betonte Sven Alisch. „Wenn Plan A nicht greift, sollten wir einen Plan B haben, sonst überlassen wir alles dem Selbstlauf.“ Und das könne für die Kommune nur negative Folgen haben. Er kritisierte das Rathaus dabei, dass der Variantenvergleich für Zwangsehen mit Nachbargemeinden, die die Verwaltung nun vorgelegt hatte, eher dürftig sei. Ihm fehlen zum Beispiel Kosten für dei Kreisumlage, die die einzelnen Nachbarn berappen müssen und andere Wirtschaftsdaten.

Auch die Fraktionen CDU sowie BVB/Freie Wähler/FDP unterstützten die Idee, der Alternativensuche. „Es ist gut einen Plan B in der Hand zu haben“, sagte der CDU-Stadtvrordnete Björn Plazikowski. „Wir sollten ihn allerdings noch in der Schublade behalten und ihn nicht in der Öffentlichkeit propagieren.“

Von Celina Aniol

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