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Rettung des Kirchturms naht

Rossow Rettung des Kirchturms naht

Der Glockenturm der Rossower Kirche ist vor 335 Jahren in seiner heutigen Form wiedererrichtet worden. Heute mehr denn je nagt der Zahn der Zeit an dem alten Gebälk. So sehr, dass seit vier Jahren nicht einmal mehr die große Glocke zum Einsatz kommen kann. Doch Rettung naht – ab kommendem Frühjahr steht eine Sanierung des Holzturms in Aussicht.

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Der Turm wurde in seiner heutigen Form 1682 wiedererrichtet. Nach über 300 benötigt er eine Generalüberholung.

Quelle: Christian Bark

Rossow. Der Glockenturm der Rossower Kirche hat in den zurückliegenden Jahrhunderten schon so einiges mitmachen müssen. Erst brannte er zweimal ab, dann stürzte er ein, wurde vor 335 Jahren wieder aufgebaut, im Zweiten Weltkrieg beschossen und nun nagt der Zahn der Zeit immer mehr an dem Holzbau. „Bisher wurde immer nur Flickschusterei betrieben“, blickt Rossows Ortsvorsteherin, Nicole Rösler zurück. Sie zeigt auf zahlreiche Stellen im Gebälk, die brüchig sind oder provisorisch von Metallteilen zusammengehalten werden.

Noch ist der Turm nicht einsturzgefährdet, aber eines ist Nicole Rösler schon seit Jahren klar: Lange warten sollten die Rossower mit der Sanierung nicht. Aufgrund des baulichen Zustandes wird nämlich seit vier Jahren auf das Läuten der großen Glocke verzichtet. „Sie erklang zuletzt bei einer Hochzeit 2013“, erinnert sich die Ortsvorsteherin.

Um 8, 12 und 18 Uhr läutet die kleine Glocke von montags bis freitags

Um 8, 12 und 18 Uhr läutet die kleine Glocke von montags bis freitags. Die große Glocke steht derweil seit vier Jahren außer Dienst

Quelle: Christian Bark

Dabei hat das Glockengeläut für die Rossower seit jeher eine besondere Bedeutung. Gerade im Todesfall hätten die Glocken für getaufte Dorfbewohner immer bis zu einer Stunde geläutet. Auch während der Beerdigung oder zu anderen besonderen Anlässen seien sie zum Einsatz gekommen. Eine historische Anekdote verdeutlicht den engen Bezug der Rossower zu ihren Kirchglocken. Im 19. Jahrhundert sollen sie, um einer Einschmelzung der Glocken für die Herstellung von Rüstungsgütern zu entgehen, ihre Glocken im Erdboden verbuddelt haben. „Die Erdanhäufung ist heute als Glockenberg bekannt und sogar auf Karten eingezeichnet“, so Nicole Rösler.

Wie die Rossower ihre Glocken schützten

Bis zu 500 Jahre alt soll die große Rossower Glocke sein. Sie hat einen Durchmesser von über einem Meter und stammt der Sage nach aus Priebs, einer nicht mehr existenten Ortschaft zwischen Rossow und Rägelin.

Zwei Mal ist der Rossower Glockenturm in seiner Geschichte bisher abgebrannt. 1648 stürzte der Holzturm um und beschädigte die kleine Glocke derart, dass sie 1717 umgegossen wurde. Der Turm wurde 1682 wiedererrichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm beschossen.

In einem der zahlreichen Kriege im 19. Jahrhundert schützten die Rossower ihre Glocken, indem sie sie vergruben. Die Erdanhäufung ist heute noch als der „Glockenberg“ bekannt und in Karten verzeichnet.

Bis zu Beginn der 90er wurde das Geläut noch von Hand betätigt. Seitdem übernimmt das ein Elektromotor. Wegen des baulichen Zustandes des Turms kann die große Glocke seit vier Jahren nicht mehr geläutet werden.

Rund 140 000 Euro sind für die Sanierung des Turms beantragt worden. Läuft alles nach Plan, kann diese im Frühjahr 2018 beginnen.

Noch bis in die 90er Jahre sei das Geläut durch kräftige Dorfbewohner von Hand betrieben worden. Danach wurde die Muskelkraft durch einen Elektromotor ersetzt. „Bis in die 70er Jahre hinein haben die Rossower nicht gemerkt, dass sie beim Läuten auf den Flügeln des Hochaltars gestanden haben“, erzählt die Ortsvorsteherin. Die seien dann restauriert und dem Altar, der aus dem Havelberger Dom stammt, wieder hinzugefügt worden.

Nicole Rösler kümmert sich um die Rossower Kirche

Nicole Rösler kümmert sich um die Rossower Kirche.

Quelle: Christian Bark

Weil Turm und Geläut unverwechselbare Originale Rossows seien, müsse das Bauwerk dringend instand gesetzt werden. Deshalb habe die Kirchgemeinde schon beim Denkmalschutz, der Landeskirche sowie bei der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba) Sanierungsanträge gestellt. Rund 140 000 Euro könnte die Instandsetzung des knapp 20 Meter hohen Turmes mit Dach, Außenbrettern, Schallluken und Glockenstuhl kosten. „Wenn alles klappt, kann es im Frühjahr 2018 losgehen“, blickt Nicole Rösler optimistisch in die Zukunft. Und wenn man dabei Erfolg habe, sei auch eine Sanierung des Kirchenschiffs im Folgejahr möglich. „Dann könnte die Kirche von Archäologen freigebuddelt werden“, erklärt die Ortsvorsteherin. Sie sei schon gespannt, was diese dann alles finden könnten, das weiteren Aufschluss über die Geschichte des Gotteshauses ermöglicht.

Ist bis heute unerforscht

Ist bis heute unerforscht: die Inschrift der alten Glocke.

Quelle: Christian Bark

Ein Geheimnis wird dabei aber wohl nicht gelüftet werden: Die Herkunft der großen Glocke. Selbst Gutachter hätten über deren Geschichte wenig herausfinden können. „Sie soll in Priebs, einem Ort ganz in der Nähe, gegossen worden sein“, berichtet Nicole Rösler. Priebs existiere heute nicht mehr und über das Alter der Glocke lasse sich heute nur mutmaßen. Wahrscheinlich habe sie bereits 500 Jahre auf dem Buckel. „Erstaunlich sind die Inschriften, die aber bisher keiner entziffern konnte“, sagt Nicole Rösler.

Weitere Informationen zur Rossower Kirche, den Turm und die Glocken hier.

Von Christian Bark

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