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Rettungssanitäter: Immer auf dem Sprung

Kyritz Rettungssanitäter: Immer auf dem Sprung

Die einsatzreichste Zeit steht der Kyritzer Rettungswache mit Weihnachten und Silvester bevor – doch wie sieht dort ein ganz normaler Arbeitstag mitten in der Woche aus? Die Mitarbeiter müssen ständig einsatzfähig sein, denn wird ein Notfall gemeldet, muss es so schnell wie möglich losgehen.

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Wachenleiter Thomas Bruns, Notfallsanitäterin Kathleen Hensel und Rettungsassistent Hans-Jürgen Sonntag (v.l.).

Quelle: Gina Wiesner

Kyritz. Auf die Helfer aus den Rettungswachen, auch von Kyritz, Herzsprung und Neustadt, kommt die erfahrungsgemäß einsatzreichste Zeit im Jahr zu. Weihnachten und Silvester stehen vor der Tür. Doch wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag inmitten einer gewöhnlichen Woche bei ihnen aus?

Insgesamt 37 Frauen und Männer sind in diesem Gebiet beim Rettungsdienst der Ruppiner Kliniken beschäftigt, fahren täglich zu Einsätzen und retten dabei nicht selten Menschenleben. Jeden Morgen beginnt die Tagesschicht um 5.35 Uhr. Zusammengerechnet neun Leute treten dann in Kyritz, Neustadt und Herzsprung ihren Dienst an.

Die Auszubildenden Lisa-Maria Kasiske (l) und Jennifer Machatzki

Die Auszubildenden Lisa-Maria Kasiske (l.) und Jennifer Machatzki.

Quelle: Gina Wiesner

So wird auch in Kyritz die erste halbe Stunde genutzt, um sich umzuziehen. Als nächstes muss das dem Team zugeordnete Fahrzeug überprüft werden. Jedes Teil, das sich im oder am Fahrzeug befindet, wird auf Funktionstüchtigkeit getestet. Wenn etwas mal nicht funktioniert, könne das für den Patienten schließlich lebensgefährlich sein, wie Matthias Boldt sagt. Er kümmert sich auch um die zwei Auszubildenden, darunter Jennifer Machatzki. „Wenn wir bei einem Einsatz erst einmal irgendein Gerät austauschen müssen, weil es nicht richtig funktioniert, geht Zeit verloren. Und bei einem Patienten, bei dem jede Minute zählt, kann das verheerend sein“, erklärt die 25-jährige angehende Notfallsanitäterin.

Das Equipment für die Einsätze ist überaus umfangreich

Das Equipment für die Einsätze ist überaus umfangreich.

Quelle: Gina Wiesner

Um 6 Uhr beginnt der reguläre Tagesdienst. Die Mitarbeiter müssen ständig einsatzfähig sein, denn wird ein Notfall gemeldet, muss es so schnell wie möglich losgehen.

An jenem Tag kommt es zum ersten Notruf schon am frühen Morgen. Ein Patient muss nach Neuruppin in die Klinik gefahren werden. Gegen 11 Uhr muss das Team wieder los. Diesmal gilt es, einen Patienten aus Kyritz nach Wittstock zu verlegen.

Während die einen nun beim Einsatz sind, kümmern sich die in der Wache Gebliebenen ums Mittagessen. „Wenn Zeit ist und wir Leute da haben, die nicht zum Einsatz müssen, kochen wir gerne was zusammen. Das geht natürlich nicht immer“, sagt Thomas Bruns, der Wachenleiter in Kyritz: „Bei einem Einsatz muss man sich vollständig aufeinander verlassen können. Vertrauen und Teamfähigkeit sind da besonders wichtig, und das lässt sich unter anderem auch mit dem gemeinsamen Essen gut stärken.“

Die ersten Azubis in der Kyritzer Rettungswache

Derweil kommen die anderen schon wieder von ihrem Einsatz zurück. Unter ihnen ist neben Jennifer Machatzki nun auch die 19-jährige Lisa-Maria Kasiske. Die beiden sind die ersten Auszubildenden überhaupt, die in dieser Rettungswache als angehende Notfallsanitäterinnen unterrichtet werden.

Solche Zeit zwischen den Einsätzen wie dieses Mittag bietet Gelegenheit, zu verschnaufen. „Es gibt Tage, an denen fahren wir fast durchgängig zu Einsätzen, aber auch ruhigere Tage, wie heute, kommen vor. Trotzdem müssen die Kollegen ja immer auf Abruf bereit sein“, erzählt Thomas Bruns. Es ist einer seiner letzten Arbeitstage in der Stadt. Zehn Jahre war Bruns dort. Insgesamt kann er auf 22 Jahre im Rettungsdienst zurückblicken. „Ich wechsle jetzt nach Neuruppin und übernehme kommissarisch die Leitung dieser Wache.“

Notruf aus der Hamburger Straße

Am späten Nachmittag folgt ein weiterer Notruf aus der Hamburger Straße in Kyritz. Eine junge Frau wurde von einem Autoanhänger erfasst. Sie musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Auch den Feuer-Fehlalarm um 17.45 Uhr aus der Goethe-Grundschule bekommen die Retter mit.

Um 18 Uhr endet ihr Dienst an diesem Tag. Derweil haben sich neben Kyritz auch in Herzsprung und Neustadt bereits die nächsten sieben Mitarbeiter auf den Nachtdienst vorbereitet. Es geht von vorne los: Umziehen und Ausrüstung der Fahrzeuge überprüfen. Bis 6.05 Uhr haben auch sie alle Hände voll zu tun.

Weitere Rettungswagen bis zum Mai, doch neue Wachen lassen warten

Der Rettungsdienst im Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat immer mehr zu tun. So viel, dass die Retter die geforderten Hilfsfristen oft nicht einhalten können. Sie schaffen es zu häufig nicht, in den vom Gesetz vorgesehenen 15 Minuten nach einem Notruf an einem Einsatzort zu sein.

Weitere Wachen sollen helfen – doch bis die gebaut werden, könnten noch mehrere Jahre vergehen. Das sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) kürzlich auf Nachfrage im Kreistag.

Ein Konzept sieht vor, dass zu den neun Wachen im Kreis vier weitere hinzukommen sollen: relativ schnell in Wildberg und in Zernitz Bahnhof, wo die Not am größten ist, und perspektivisch in Alt Ruppin und Dechtow. Noch fehlen aber Grundstücke, die Finanzierung von geschätzt je einer halben Million Euro ist unklar, ebenso die Frage, ob es genügend Rettungssanitäter in der Region gibt.

Dass die Frist oft nicht eingehalten wird, liegt nicht nur an weiten Wegen, sondern auch an der Zahl der Rettungswagen. Zwei weitere sollen bis Mai für Neuruppin und Kyritz besorgt werden, um die Lage zu verbessern.

Von Gina Wiesner

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