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Rheinsberg: Alte Handwerksfotos gesucht

Ausstellung geplant Rheinsberg: Alte Handwerksfotos gesucht

Zu Beginn der 50er-Jahre waren die Blechkuchen von Bäckermeister Adolf Körner in Dorf Zechlin sehr beliebt. Ein Foto des knorrigen Bäckers könnte ab September in der Ausstellung „Handwerk in Brandenburg“ in Rheinsberg zu sehen sein. Für diese Schau sucht das Potsdamer Literaturbüro noch weitere historische Aufnahmen und Erinnerungsberichte.

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Als Schülerin musste Renate Martin (l.) in Neuruppin mauern.

Quelle: Privat

Rheinsberg. Der Schnäuzer ist akkurat getrimmt, die Hände sind weiß bemehlt. Mit ernstem Blick schaut Adolf Körner, um 1954 Bäckermeister von Dorf Zechlin, in die Kamera. Die Blechkuchen und Brötchen des hageren Mannes sind damals sehr beliebt. Wenn jemand im Dorf am Sonntag eine Feier hatte, legte der Bäckermeister morgens um sechs Uhr eine Extraschicht ein. Körner war ein Fleißarbeiter. „Nur ein Arbeiter“, protokolliert er einmal. „Innerhalb von 24 Stunden 350 Kilo Brot gebacken.“

Ein Porträt des Bäckers wird möglicherweise ab September in der Ausstellung „Handwerk in Brandenburg“ im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum zu sehen sein. Das Brandenburgische Literaturbüro in Potsdam sammelt derzeit historische Fotos für die Bilderschau. „Wir wollen zeigen, wie sich Alltag und Lebensverhältnisse geändert haben“, sagt Peter Walther vom Literaturbüro.

Bis 1954 Bäcker in Dorf Zechlin

Bis 1954 Bäcker in Dorf Zechlin: Adolf Körner.

Quelle: Johann Faruhn

Gut 200 Motive aus Privatbesitz hat er schon gesammelt – fast ohne Werbung. Nach der erfolgreichen, 2013 gezeigten Ausstellung „Kindheit in Brandenburg“ hatte Walther Menschen angeschrieben, die damals ihre privaten Fotoalben für die Ausstellung geöffnet hatten. In den kommenden Monaten will er weiter recherchieren. „Unsere Ausstellung soll ein Bild geben – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Im besten Falle erzählen die Handwerksfotos auch eine Geschichte. Die Neuruppinerin Monika Adomeit, die das Fotos des Bäckermeisters Körner dem Literaturbüro zukommen ließ, hätte eine Menge zu dem Bild zu erzählen. Als junge Frau lebte sie in Dorf Zechlin. Sie weiß noch genau, wie die Bäckerei damals aussah. „Alles war aus Holz“, sagt sie. Wie viele andere im Dorf brachte sie damals die zu Hause angerührten Kuchen zum Abbacken in die Bäckerei. Um die Backformen den richtigen Besitzerinnen zurückgeben zu können, ritzte Körner Zeichen hinein. „Ich habe noch heute eine solche Backform “, sagt die 74-Jährige.

Die Fotos von Bäckermeister Körner und seinem Nachfolger Adolf Krause hatte damals der Pfarrer des Dorfes Johann Faruhn gemacht. Faruhn, so erzählt die ehemalige Mitarbeiterin des Neuruppiner Museums, sei ein leidenschaftlicher Fotograf und zugleich sehr geschichtsinteressiert gewesen. Als Adomeit 2004 ein Buch mit zahlreichen Fotos aus Dorf Zechlin herausgab, griff sie dafür auch auf Fotos des Pfarrers zurück. „Als Zwölfjährige habe ich die Orgel getreten“, sagt sie. „Er hat mir viel über Geschichte erzählt.“

Kollektives Gedächtnis

Die Ausstellung „Handwerk in Brandenburg“ ist ab September im Kurt-Tucholsky-Museum in Rheinsberg zu sehen.

Das Brandenburgische Literaturbüro sucht noch bis zum Mai nach Fotos von Werkstätten, Baustellen und Handwerksstuben. Nach ihrer Digitalisierung soll eine Auswahl der Fotos in der Ausstellung und in dem Portal www.zeitstimmen. de zu sehen sein.

Die Zeitstimmen sind eine kollektive Jahrhundertchronik, in der Tagebuchaufzeichnungen und Alltagsfotos zu finden sind. Die frühesten Fotografien stammen aus der Zeit um 1840.

Fotos und Erinnerungsberichte bitte an das Brandenburgische Literaturbüro, Peter Walther, Große Weinmeisterstraße 46/47, 14469 Potsdam oder info@zeitstimmen.de. Wer möchte, erreicht das Literaturbüro auch unter Telefon 0331/23 70 02 58. Originale werden auch zurückgesendet.

Auch ein Foto aus Neuruppin könnte ab September in Rheinsberg zu sehen sein. Die Berlinerin Renate Martin sandte es dem Literaturbüro zu. Als 16-Jährige hatte die Köpenickerin mit ihren Mitschülern regelmäßig die so genannten Unterrichtstage in der Produktion absolvieren müssen. 1961 war Martin auf einer Baustelle an der Fehrbelliner Straße im Einsatz – sie musste mauern.

Ein Foto zeigt sie und andere junge Frauen in Maurerkluft gemeinsam mit ihrem Zigarre rauchenden Vorarbeiter. „Das Haus, an dem ich in Neuruppin mitgemauert habe, steht heute noch“, sagt die 71-Jährige. Wirklich gemocht hat sie die Tage auf der Baustelle jedoch nie. „Ich bin lieber in die Schule gegangen.“

Auf der Baustelle mussten die Schüler damals schwere Holzschuhe tragen – als Schutz vor herumliegenden Nägeln. Mit diesen Pantinen eine Leiter hochzuklettern sei nicht einfach gewesen, erinnert sich Martin. Schwere Mörtelschubkarren über schräge Holzbrücken zu schieben, fiel ihr ebenfalls schwer. „Das haben zum Glück meistens die Jungs gemacht.“

Die Erfahrungen auf dem Bau haben der ehemaligen Neuruppinerin später nicht viel genützt. „Ich hätte kein Haus bauen können“, sagt die ehemalige Industriekauffrau und Berufsschullehrerin lachend. Immerhin hatte die junge Frau Anfang der 60er-Jahre keinen weiten Weg bis zu ihrem Arbeitseinsatz an der Fehrbelliner Straße. Sie wohnte ganz in der Nähe der Baustelle. „Ich kam immer gleich in meinen dicken Holzpantinen.“

Von Frauke Herweg

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