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Rheinsberg: Armida Quartett ist Hofkapelle

Konzertsaison beginnt fulminant Rheinsberg: Armida Quartett ist Hofkapelle

Fünf Jahre lang wollen die vier Musiker des Armida Quartetts sich an Mozart abarbeiten – und sämtliche seiner Streichquartette einstudieren. In diesem Jahr sind die preisgekrönten Jung-Musiker zur Rheinsberger Hofkapelle bestellt worden – bei ihrem Eröffnungskonzert im Schlosstheater überraschten sie mit Mozart vom Feinsten: in Note und Wort.

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Beeindruckende Perfektion: das Armida Quartett

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Was lange währt, wird gut. Normalerweise stellt sich die alljährlich neu berufene Rheinsberger Hofkapelle beim traditionellen Neujahrskonzert im Schlosstheater vor – in diesem Jahr war das anders. Das Residenz-Ensemble für 2016 ist das Armida Quartett – ein würdiger Nachfolger all der jungen, hoffnungsvollen Ensembles, die sich allesamt der Barockmusik verschrieben haben und demgemäß auch auf historischen Instrumenten zu spielen. Ganz im Geiste des Jungen Fritz und Preußenkönigs, der auch schon seine Hofkapelle hatte.

„Wir sind froh, sie gewonnen zu haben“, sagt Juliane Wandel, die künstlerische Direktorin der Rheinsberger Musikakademie, unter deren Schirmherrschaft die Hofkapelle alljährlich neu berufen wird. Immerhin haben Martin Funda und Johanna Staemmler an den Violinen, Bratschistin Teresa Schwamm und Cellist Peter-Philipp Staemmler sowohl solistisch als auch im 2006 gegründeten Quartett jede Menge Preise gewonnen. Auch die 60 Zuhörer sind am Sonnabendnachmittag mehr als gespannt: ein Streichquartett gab es schon lange nicht mehr unter den Hofkapellen. Die Armida-Macher haben etwas ganz Besonderes im Fokus ihres Schaffens: innerhalb von fünf Jahren – darunter auch das Jahr in Rheinsberg – wollen sie sich durch das komplette Werk an Streichquartett-Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart arbeiten. Das Mozart-Projekt beinhaltet gleichermaßen auch die Verknüpfung von „außergewöhnlichen, verrückten und mitreißenden Werken der neuen Musik“. Das erste der drei Rheinsberger Konzerte gibt einen Vorgeschmack mit Lust auf noch mehr.

Mozart gehört zu den bestdokumentierten Komponisten

Mozart – das Wunderkind und Genie – sei nicht nur einer der meistgespielten Komponisten auf der Welt – er sei ebenso einer der bestdokumentierten Musiker seiner Zeit. 700 Briefe seien im Nachlass erhalten, erfährt das Publikum von Nina Horvath. Die Schauspielerin, die schon am Volkstheater Wien und der Schaubühne Berlin spielte, wurde von den Musikern als Moderatorin gewonnen. Sie liest zwischen den Programmpunkten aus Briefen von Mozart, dessen Vater, Freunden, dem „Nannerl“, Freunden der Familie. Das ist ergötzlich: Wer weiß schon, dass der Wunderknabe Wolferl bei Geburt auf den wohlklingenden Namen Joannes Chrysostomus Wolfgang Gottlieb getauft wurde? Das „Amadeus“ – die lateinische Form von Gottlieb – verpasste er sich später selbst.

Dass er mit vier Jahren bereits als Pianist, Violinist und Komponist Erfolge feierte, erfüllte seinen Vater mit Stolz: ein „Geschmiere von Noten“, über das die Familie anfangs lachte, „trieb mir Tränen der Bewunderung und der Freude in die Augen“, schrieb Leopold Mozart über die Perfektion des Vierjährigen. „Nur schade, dass es so kompliziert ist, dass man es nicht spielen kann.“ “Wolferl“ widerlegte das. Für ihn gab es keine Grenzen. „Um eine zweite Violin zu spielen, muss man es ja nicht gelernt haben“, habe der Junge einst gesagt, der sich bei der Kaiserin schnell beliebt machte. „Er ist ihr auf den Schoß gesprungen und hat sie geherzt und abgeküsst“, steht es in einem der Briefe. Der junge Musikus war weder menschenscheu noch zart besaitet. „Ich küsse Ihnen das Gesicht, nasen, mund, hals und arsch, wenn er sauber ist“, schrieb er einst. Das Publikum im Schlosstheater lacht. Und schweigt ergriffen, wenn das Armida-Quartett spielt: das Divertimento Nr. 1, das „Lodi-Quartett“ und das „Haydn-Quartett“; virtuos und pointiert, zart-schmelzend und fulminant-furios. Als Kontrastprogramm dazwischen: Das erste Streichquartett von Jörg Widmann, geschrieben, um die technischen und expressiven Fähigkeiten der Akteure herauszufordern. Die Musiker zelebrieren das bravourös.

Von Regine Buddeke

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