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Rheinsberg: Erster Abendspaziergang

120 Menschen bei Kundgebung und Protestzug Rheinsberg: Erster Abendspaziergang

Erstmals fand auch in Rheinsberg ein so genannter „Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik“ statt. Etwa 120 Menschen zogen durch die Innenstadt. Bei der Gegendemo demonstrierten etwa 200 Menschen für ein tolerantes Rheinsberg.

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Der Zug der Asylgegner durch die Rheinsberger Innenstadt.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Etwa 120 Menschen haben am Sonnabend in Rheinsberg an einem so genannten „Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik“ teilgenommen. Nach einer Kundgebung auf dem Kirchplatz zogen sie durch die Innenstadt – vorbei auch an den Plattenbauten, in denen Asylbewerber leben. Zeitgleich zu der Kundgebung demonstrierten etwa 200 Menschen an der Straße Am Markt für ein tolerantes und weltoffenes Rheinsberg. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht falschen Heilsbringern mit ihren platten Parolen hinterherlaufen“, sagte der ehemalige Rheinsberger Bürgermeister und jetzige Kreistagspräsident Manfred Richter.

Der 64-Jährige hatte die Gegendemo angemeldet. „Es gibt auch ein anderes Rheinsberg“, sagt er. Allerdings macht Richter sich Sorgen. Vor allem die Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Schloss-Hotel habe Rheinsberger aufgebracht. Richter fürchtet, dass das Thema Asyl die städtische Gemeinschaft spaltet. „Es ist schade, dass keine öffentliche Debatte mehr stattfindet“, sagt er. „Wir waren uns früher immer so einig.“

Paul Kurzke und viele andere junge Leute, die sich im Jugendclub Pavillon oder als Veranstalter von „Rock am Rhin“ engagieren, hatten die Gegendemo mitvorbereitet. Die Stimmung in der Stadt droht zu kippen, beobachtet der 25-Jährige. Freunde, die sich gar nicht als links verstehen, würden inzwischen als „Zecken“ beschimpft. Dass erstmals auch ein so genannter Abendspaziergang in Rheinsberg stattfand, ist für Kurzke erschreckend. „Wir wünschen uns einfach nur ein gutes Miteinander – deswegen sind wir hier.“

Die Redner der Kundgebung auf dem Kirchplatz trugen unverhohlen rechtsextremes Gedankengut zur Schau.

Bläserklänge und Tucholsky-Gedichte

Bläserklänge und Tucholsky-Gedichte: Gegendemonstranten warben für das andere Rheinsberg und die Lange Nacht der Künste

Quelle: Peter Geisler

„Wir sind nicht willens, das Sozialamt der Welt zu sein“, so einer der Redner. Andere wettern, „der ewige Schuldkult“ der Deutschen müsse endlich aufhören – „wir dürfen keine Verräter am eigenen Volk sein“. Offen ausländerfeindlich wird es, als ein Redner Asylbewerber als Menschen beschimpft, die nichts als „Krätze, Masern, Tuberkulose“ brächten.

Eine Rheinsbergerin, die der Kundgebung zuhört, applaudiert. „Endlich werden wir mal gehört.“ Auch sie ist verärgert, dass im Schloss-Hotel jetzt Asylbewerber leben sollen. „Das Deutsche Haus ist so ein Blickfang“, sagt sie. „Wer weiss, wie es hinterher aussieht.“ Als die Mutter einer behinderten Tochter vor wenigen Tagen einen Werbeflyer für den Abendspaziergang im Briefkasten hatte, beschloss sie hin zu gehen. „Ich muss um alles Geld kämpfen“, sagt sie. „Ich weiss nicht, ob ich mein Geld weiter kriege.“

Anderen macht der so genannte Abendspaziergang Angst. „Es werden immer mehr“, sagt eine Frau, die mit ihrer Familie den Protestzug durch die Stadt beobachtet. Bei der ersten Einwohnerversammlung zur Flüchtlingsunterbringung sei die Stimmung noch gut gewesen. Bei der zweiten hätten ausländerfeindliche Zwischenrufer versucht, Stimmung zu machen. Auch die Rheinsberger SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke ist beunruhigt. Sie hätte sich gewünscht, dass auch Asylbewerber die zeitgleich stattfindende Langen Nacht der Künste besuchen. „Doch diese Menschen sind nicht da“, sagt sie. „Sie haben Angst.“

An der Kundgebung nahm auch der Neuruppiner NPD-Stadtverordnete Dave Trick teil. Bei dem anschließenden Rundgang durch die Stadt lief er am Ende des Zuges mit – in einer von den anderen abgesetzten Gruppe. Zu Zwischenfällen kam es während des Spaziergangs nach Polizeiangaben nicht.

Von Frauke Herweg

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