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Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg: Hotel wird Flüchtlingsunterkunft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg: Hotel wird Flüchtlingsunterkunft
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02:18 16.10.2015
Von außen ist noch keine Veränderung zu sehen, aber im Hotel wird bereits kräftig umgeräumt. Quelle: Celina Aniol
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Rheinsberg

Die Stühle im Gastraum des Rheinsberger Schlosshotels sind auf den Tischen gestapelt. Die Tür ist weit geöffnet, damit die Arbeiter das Inventar bequemer hinaustragen können. Blaue Liegestühle, auf denen sich noch vor Kurzem Gäste des Hauses in Rheinsberg entspannten, liegen angelehnt im Durchgang und warten auf den Abtransport. Was in den vergangenen Wochen noch als Gerücht in der Stadt kursierte, scheint sich durch das Gewusel zu bestätigen: In dem Hotel, das ausgerechnet den Namenszusatz „Deutsches Haus“ trägt, sollen bald Flüchtlinge untergebracht werden.

Auf MAZ-Anfrage bekennt sich nun auch der Landkreis dazu, in dem Hotel eine Unterkunft für Asylsuchende einzurichten – zumindest indirekt. Die Verwaltung bestätigt die Tatsache zwar nicht, schickt aber eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung am 20. Oktober, bei der es um genau dieses Thema gehen soll. Fragen, wie viele Flüchtlinge wann in das Haus ziehen werden, wie lange sie dort bleiben oder wie sie betreut werden sollen, lässt der Landkreis unbeantwortet und kündigt an, dass es vorerst keine weiteren Informationen dazu geben wird.

Das Inventar des Hotels steht zum Abtransport bereit. Quelle: Celina Aniol

Auch der Eigentümer der Immobilie oder die Betreiber des Hauses waren am Dienstag nicht zu erreichen. Letztere feierten am 10. Oktober eine Abschiedsparty. „Ein weinendes und ein lachendes Auge. Nach sechs Jahren verlassen wir nun das Deutsche Haus“, schreiben die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite. Die Frage eines Besuchers ihrer Netzpräsenz – „Warum wird geschlossen?“ – lassen aber auch sie unbeantwortet stehen. Ergiebiger ist da der Blick auf andere Seiten im Netz. Laut einem Hotelportal verfügt das Gebäude über 17 Doppelzimmer, 6 Einzelzimmer, fünf Juniorsuiten und zwei Konferenzräume.

Dass ausgerechnet dieses Haus der gehobenen Kategorie, das nur wenige Schritte entfernt vom Schloss liegt, in eine Unterkunft für Flüchtlinge umgewandelt wird, finden viele Rheinsberger nicht gut. Das berichtet der Stadtverordnete Frank Schwochow. Neben diffusen Vorurteilen führen die Kritiker auch ihre Existenzängste an. In Rheinsberg und Umgebung leben viele Menschen vom Tourismus, erklärt Schwochow. Dass nun nach den Hotels in Luhme und Zechlinerhütte das nächste dauerhaft keine zahlungskräftigen Gäste haben soll, finden sie problematisch für die eigenen Geschäfte. Denn egal ob als Bootsvermieter, Radverleiher oder Cafébetreiber, sind sie auf Gäste angewiesen. „Sie haben das Gefühl, dass es ihnen ans Hemd und an die Hose geht“, sagt Schwochow.

Auch der Stadt- und Kreistagsvertreter findet es nicht gerade günstig, die Asylsuchenden in dem Haus unterzubringen, das direkt an der Landesstraße liegt und über keine privaten Flächen verfügt. Zum anderen sei es nicht richtig, ein so symbolträchtiges Gebäude dafür auszusuchen, sagt Schwochow – auch wenn er weiß, dass der Landkreis beim Schaffen von Unterkünften so sehr in Nöten ist, dass er fast jedes Angebot annehmen muss. „Es ist aber nun mal das erste Gebäude der Stadt – das macht sich nicht gut.“

Stimmung in der Stadt scheint zu kippen

Genau das könnte verheerend sein. Zumal sich die Stimmung in der Stadt gegenüber den Asylsuchenden wandle. „Sie ist gekippt“, so die Wahrnehmung des 28-Jährigen. „Die Leute, die noch vor Kurzem helfen wollten, sagen jetzt, dass es langsam zu viel ist.“ In der Kernstadt und ihren Ortsteilen könnten etwa 380 Flüchtlinge untergebracht werden – und zwar ohne die Plätze im Schlosshotel.

Schwochow sieht diesen Stimungsumschwung als Gefahr. Er finde immer häufiger Flyer der rechtsextremen NPD im Briefkasten und merke auch, dass immer mehr Menschen, die bisher völlig unpolitisch waren, sich plötzlich neu orientieren. „Die Alternative für Deutschland hat großen Zulauf aus Rheinsberg“, mutmaßt Schwochow. Auch von einer Bürgerwehr, die sich in der Stadt formieren soll, habe er bereits gehört.

Von Celina Aniol

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