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Rheinsberg: Muschelsaal wird restauriert

Schlösser-Stiftung stellte Projekt vor Rheinsberg: Muschelsaal wird restauriert

Die Schlösser-Stiftung lässt den Muschelsaal im Rheinsberger Schloss bis 2017 restaurieren. Biologen helfen, den Saal wieder in seinen Originalzustand zurückzuversetzen: Die Naturwissenschaftler bestimmten die Muscheln, die den Saal einst schmückten.

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Arbeit über Kopf: Vanessa Krüger restauriert im Rheinsberger Schloss den Deckenschmuck des Muschelsaals.




























































































































Rheinsberg. Echte Korallen konnte Prinz Heinrich von Preußen sich nicht leisten. Die Mehrzahl der Muscheln im Muschelsaal des Rheinsberger Schlosses ist jedoch echt. Bis zum Frühjahr 2017 will die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg den 1769 in Heinrichs Auftrag entstandenen Saal restaurieren. Am Dienstag stellten Stiftung und Finanziers des Großvorhabens ihre Pläne vor.

Schon seit März arbeiten Restauratoren an dem verspielten Deckenschmuck des Festsaals und seinen Wänden. 40 Jahre lang war der Saal als Speisesaal des früheren Sanatoriums genutzt worden. Spezialisten versuchen, die Schäden zu reparieren, die Heizungsrohre und Servierwagen auf dem zweifarbigen Stuckmarmor hinterlassen haben. „An den Fehlstellen, die gleiche Farbigkeit herzustellen wie im 18. Jahrhundert, ist eine große Herausforderung“, sagt der Chef-Restaurator der Schlösser-Stiftung Hans-Christian Klenner.

Bildhauer Bernhard Lankers aus Berlin modelliert die Verzierungen am Rahmen eines Wandspiegels

Bildhauer Bernhard Lankers aus Berlin modelliert die Verzierungen am Rahmen eines Wandspiegels.

Quelle: Peter Geisler

Um der Decke das Originalaussehen wiedergeben zu können, musste die Stiftung auf die Hilfe von zwei Biologen zurückgreifen. 158 Muscheln, die die Decke einst schmückten, fehlen heute. Die beiden Naturwissenschaftler, die unweit von Wittstock hinter der mecklenburgischen Landesgrenzen leben und arbeiten, konnten anhand von Abdrücken rekonstruieren, welche Muscheln tatsächlich einmal über den Köpfen der Festgäste angebracht waren. „Fast alles essbare Muscheln“, sagt der leitende Restaurator Jochen Hochsieder. „Austern, Jakobsmuscheln, aber auch exotische Muscheln aus der Südsee.“

Hartmut Dorgerloh im Gespräch mit Stuckateur Jan Gutmann

Hartmut Dorgerloh im Gespräch mit Stuckateur Jan Gutmann.

Quelle: Peter Geisler

Dass Heinrich die Decke mit Muscheln und Blättern schmücken ließ – „das ist der Zeitgeist des 18. Jahrhunderts“, sagt Hochsieder. „Man wollte die Exotik, das Fremde.“ Weil Korallen zu teuer waren, ließ Heinrich aus Gips und Draht Nachbildungen anfertigen. Auch bei einigen besonders wertvollen Muscheln griff er auf Repliken zurück. Die Restauratoren werden diese Vorgaben wiederholen. „Da, wo echte Muscheln waren, werden wieder echte hinkommen und da, wo Repliken waren, werden wieder Repliken hinkommen“, sagt Hochsieder. Den Ersatz für die fehlenden echten Muscheln haben die beiden Biologen bereits beschafft.

Noch aufwändiger ist es, Decke und Türen wieder in ihren ursprünglichen Farben erstrahlen zu lassen. Der Deckenschmuck war einst in einer sehr hochwertigen Form vergoldet worden. „Die Beste seiner Zeit“, sagt Hochsieder. Später aber wurde der goldene Stuck überstrichen. In den kommenden Wochen und Monaten müssen die Restauratoren den heutigen Bronzeanstrich abnehmen und die darunter liegender Vergoldung wiederherstellen. „Das wird ein harter Ritt“, sagt Hochsieder.

Restauratorin Ute Gimajew bei der Arbeit

Restauratorin Ute Gimajew bei der Arbeit.

Quelle: Peter Geisler

Einen ersten Eindruck von den Restaurierungsarbeiten im Muschelsaal können Schlossbesucher bereits im kommenden Jahr bekommen. 25 Jahre nachdem die Stiftung Preußische Schlösser und Garten das Schloss übernahm, soll eine große Jubiläumsschau an die Entwicklung des Schlosses in dieser Zeit Revue erinnern. An 25 Stationen – zehn im Garten, 15 im Schloss – wollen die Ausstellungsmacher Entwicklungsgeschichten erzählen. Auch der von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tores, entworfene Muschelsaal soll dann geöffnet sein. „Unser großes Geburtstagsgeschenk“, sagt der Generaldirektor der Stiftung Hartmut Dorgerloh.

Ermöglicht wurde das Restaurierungsprojekt durch eine gemeinsame Spende der Freunde, der Preußischen Schlösser und Gärten, der Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Die konkreten Kosten des Projektes nannte Dorgerloh am Dienstag nicht. Er sprachen lediglich von einer Summe „im mittleren sechsstelligen Bereich“.

Die Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten hatte zuletzt den Fußboden im Spiegelsaal restaurieren lassen, die Freunde das anschließende Bacchus-Kabinett. Kaum ein Schloss habe in den vergangenen 25 Jahren so grundlegende Veränderungen erfahren wie das Rheinsberger Schloss, sagte der Vorsitzende der Kulturstiftung Albrecht Graf von und zu Egloffstein. Mit der jetzt geplanten Restaurierung des Muschelsaals werde „ein Schlussakzent“ der großen Projekte gesetzt.

Von Frauke Herweg

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