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Rheinsberg: Musik gegen das Vergessen

Kein Osterspaziergang Rheinsberg: Musik gegen das Vergessen

Es soll an alle Toten und Gequälten der Geschichte erinnern: der Komponist und Instrumentenerfinder Hans-Karsten Raecke hat in seiner Rheinsberger Musikbrennerei ein ganz besonderes Karfreitagskonzert gegeben: mit Musik zu bitteren Texten von Bertolt Brecht und Stephan Hermlin, Heiner Müller und Ernst Jandl.

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Hans-Karsten Raecke

Quelle: Buddeke

Rheinsberg. Der Karfreitag steht für Klage und Trauer, so erklärt es Hans-Karsten Raecke. An diesem Tag, so steht es im Neuen Testament, wurde Christus ans Kreuz geschlagen. Raecke möchte in seinem Karfreitagskonzert indes an all jene erinnern, die im Lauf der Jahrhunderte und noch bis heute ihr Leben lassen mussten: ans Kreuz geschlagen, geköpft erschlagen, gehängt, verbrannt, gesteinigt. In die Rheinsberger Musikbrennerei sind 25 Menschen gekommen, um Hans-Karsten Raecke und dem Sänger Wilfried Staufenbiel zu lauschen. Das erste Lied ist ein sehr persönliches, erklärt Raecke. Im Nachlass seines Vaters, der 1944 bei Stalingrad gefallen sei, habe er ein Gedicht gefunden, das Gerhard Raecke geschrieben und selbst illustriert habe. „Einmal kam der Tod, und er sprach mit uns“, heißt es darin – der Text erklingt erst ganz am Ende, wenn die Musik fast verklungen ist. „Die Straße krümmt sich vor Schmerz“ – die Worte klingen schön und klar – und verkünden Schreckliches, gehen unter die Haut. Hans-Karsten Raecke spielt seine Komposition auf dem klangerweiterten Flügel – der Instrumentenerfinder baut sich seine Klangkörper oftmals passend zu seinen Kompositionen.

Es folgen vier Gedichte von Bertolt Brecht, vertont von Hanns Eisler. Auch das ist alles andere als ein beschwingter Osterspaziergang. „Und es sind die finstern Zeiten“ und „Über den Selbstmord“ singt Staufenbiel – das ist schwer zu singen und nicht leichter anzuhören, weil Eisler die Brecht’schen Texte, die mehr Prosa als Lyrik sind, eins zu eins vertont hat. Das läuft nicht glatt im geschmeidigen Tonduktus – sondern sperrt sich krumm und eigenwillig gegen jede Harmonie. Schwere Kost für Ohr und Seele – das Thema lässt es auch kaum anders zu.

Dann folgt eine Erstaufführung: Die folgende Erinnerung an JohannSebastian Bach hat Raecke eigentlich für den klangerweiterten Flügel geschrieben. „Aber nun bin ich am Master-Keyboard grade eingespielt“, sagt er und bringt mit dem Bach-Motiv ein wenig Leichtigkeit in den Raum. Die indes schnell wieder verfliegt bei „Die Asche von Birkenau“ – eine Kantate Raeckes über den Holocaust, nach einem Gedicht von Stefan Hermlin.

„Ich freue mich, dass alle noch da sind“, konstatiert Raecke nach der Pause, der sich jetzt an seine selbstkonstruierte Blas-Metall-Dosenharfe gesetzt hat. Ein Donnerschlag aus dem futuristischen Instrument, die Zuhörer zucken zusammen. Es folgen von Raecke komponierte Stücke nach Texten von Heiner Müller, Brecht, dem dadaistischen Dichter Ernst Jandl und Eisler. Zum Meisterstück gerät die Brechtsche “Legende vom toten Soldaten“. Unerbittlich marschiert die Musik und mit ihr gleichsam die Geschichte. Mit beißender Ironie knallt der Text, gesungen von Raecke, in den Raum.

Von Regine Buddeke

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