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Rheinsberg: Musik statt Hetzparolen

Protest gegen NPD-Aufzug Rheinsberg: Musik statt Hetzparolen

Gut 150 Menschen sangen am Sonnabend auf dem Rheinsberger Kirchplatz fröhliche Lieder. Sie protestierten damit gegen einen Aufzug von etwa 40 Rechtsextremen und deren Parolen voller Fremdenhass. Die Rheinsberger wollten ihnen am 25. Jahrestag der Deutschen Einheit auf keinen Fall ihre Stadt überlassen.

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Musik und Seifenblasen gegen Neonazis: Auf dem Kirchplatz herrschte fröhliche Stimmung.

Quelle: Reyk Grunow

Rheinsberg. Bürgermeister Jan-Pieter Rau lässt sich nicht lange bitten. Hundertprozentig textsicher ist zwar er nicht, darauf kommt es an diesem Sonnabend aber nicht an. Der Gesang muss nicht perfekt sein. Hautsache, er ist unüberhörbar. Für den Text hat die Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke einige Liedzettel mitgebracht.

Gut 150 Rheinsberger hatten sich am Samstagvormittag auf dem Kirchplatz getroffen, um Farbe zu bekennen gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass. Die rechtsextreme NPD hatte zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in Rheinsberg eine Kundgebung angemeldet. Etwa 40 Rechtsextreme versammelten sich am Sonnabend vor der Postsäule am Triangelplatz und skandierten lautstark hasserfüllte Parolen von „Asylschmarotzern“ und Flüchtlingen mit dem „falschen Blut“, die im Gegensatz zu den Vertriebenen nach 1945 „nicht einmal ansatzweise“ eine Ahnung hätten, welches Leid Menschen im Krieg ertragen müssen.

Geigenbauer Jan Dayß und der Musiker Erik Kurzke stimmten auf dem Kirchplatz  Lied um Lied an

Geigenbauer Jan Dayß und der Musiker Erik Kurzke stimmten auf dem Kirchplatz Lied um Lied an.

Quelle: Reyk Grunow

Der Neuruppiner NPD-Stadtverordnete Dave Trick hatte den Aufzug der Rechtsextremen zum Tag der Deutschen Einheit angemeldet. Für Berlin hatte die NPD zu einer großem Kundgebung aufgerufen, verteilt übers Land Brandenburg waren am 3. Oktober 16 kleinere Aufzüge geplant. In Rheinsberg blieben die Rechten dabei am Sonnabend unter sich, niemand hörte ihnen wirklich zu.

Ulrike Liedtke hatte den musikalischen Protest gegen den Aufmarsch der NPD organisiert

Ulrike Liedtke hatte den musikalischen Protest gegen den Aufmarsch der NPD organisiert.

Quelle: Reyk Grunow

Auf dem Kirchplatz hatten sich gut viermal so viele Gegner versammelt, vor allem viele junge Leute. Ulrike Liedtke hatte die Gegendemonstration gemeinsam mit anderen Rheinsbergern spontan organisiert. Auf keinen Fall wollte die SPD-Frau den Neonazis das Feld überlassen. „Rheinsberg ist eine Kulturstadt“, sagt die Musikwissenschaftlerin und frühere Leiterin der Musikakademie. Kultur wollte sie den rassistischen Sprüchen entgegensetzen. Zusammen mit Musiker Erik Kurzke, Geigenbauer Jan Dayß und einigen anderen sorgte sie für fröhliche Stimmung, bis die NPD am Mittag abzog. Auf politische Ansprachen hatten die Nazi-Gegner diesmal bewusst verzichtet. „Ich finde, das ist hier nicht der Platz für Reden“, sagte Ulrike Liedtke. Wichtiger war ihr, etwas zu tun.

In der Nacht hatten Unbekannte rechte Sprüche an eine Bushaltestelle geschmiert. Jugendliche zogen am Samstagvormittag los, um die Parolen zu entfernen. Ein Unternehmer hatte spontan Farbverdünnung dafür gespendet. Bürgermeister Rau war beeindruckt von so viel Engagement: „Ich kann nur sagen: Rheinsberg ist schön. Danke, Rheinsberg!“

Die Rechtsextremen haben indes für den 24. Oktober vor dem Amtsgericht in Neuruppin die nächste Kundgebung angemeldet. An diesem Tag verhandelt das Gericht gegen NPD-Mann Dave Trick wegen gefährlicher Körperverletzung. Er soll vor der Kommunalwahl 2014 einen Wahlhelfer der Linken niedergeschlagen haben.

Von Reyk Grunow

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