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Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg im Keramik-Kaufrausch
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg im Keramik-Kaufrausch
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20:16 11.10.2015
Zum schwach werden: Die Kauflaune war – auch angesichts des Kaiserwetters – äußerst gut. Die Händler freut’s, die Kunden auch. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Angela Merkel hat sich entschuldigen lassen. Und etwas verpasst. „Wir haben sie eingeladen“, sagt Robert Franck, Mitorganisator des nunmehr 21. Rheinsberger Töpfermarktes, der Jahr für Jahr immer mehr Menschen in die Prinzenstadt zieht. Aus dem Kanzleramt sei indes ein Entschuldigungsbrief gekommen. Die Kanzlerin könne aus politischen Gründen nicht vorbeischauen, wünsche aber viel Erfolg. Der stellte sich am Wochenende ein – bei den Besuchern und auch bei den 95 ausstellenden Keramikern.

Schon das Kaiserwetter sorgt für rundum strahlende Gesichter. Dazu das überbordende Angebot an Keramik. Wer hier nicht schwach wird, wenigstens ein Stück zu erstehen, muss entweder blind oder völlig pleite sein. Rund oder eckig, uni oder geblümt, szenisch bemalt oder grafisch strukturiert, glatt oder geritzt, kunterbunt oder schlicht in schwarz-weiß: Die Farb- und Formenvielfalt ist schier unerschöpflich, sowohl beim Gebrauchsgeschirr als auch bei den künstlerischen Objekten. Aber Zurückhaltung war ohnehin nicht das, weswegen Zehntausende Gäste nach Rheinsberg gekommen sind. Kaufrausch ist angesagt. Marion Torke ist mit Freundin aus Berlin angereist und schleppt gerade die neuen Errungenschaften zum Auto. Sie ist fasziniert von der Vielfalt des Marktes. „Wir suchen nach schöner Gebrauchskeramik“, sagt sie und ist glücklich über das neue Bowlegefäß. Ein Wermutstropfen sei, dass sie im Stundentakt zum Auto wandern müsse. Die Parkdauer von einer Stunde sei nicht besucherfreundlich.

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21. Töpfermarkt Rheinsberg

Ingeborg Pape dekoriert gerade ihre Tassen. Die leuchtend blauen Verzierungen ziehen das Auge magisch an. „Glasurmalerei mit dem Malhörnchen“, erklärt sie ihre Technik. „Ich arbeite seit 45 Jahren mit Ton – da findet man immer wieder neue Techniken.“ Dem Rheinsberger Töpfermarkt ist die Berlinerin treu verbunden. „Ich bin seit 21 Jahren dabei“, sagt sie. Damit ist sie praktisch schon fast ein Maskottchen des Marktes.

Am Stand von Hans-Peter Meyer werden Geschichten erzählt. Der Mann aus Bischofswerda ist der Illustrator unter den Keramikern. Seine Gefäße zieren die Bremer Stadtmusikanten, Bilder vom Sängerkrieg auf der Wartburg, Fabelwesen, Szenen aus dem Mittelalter oder der griechischen Mythologie. Aber auch Fontane lümmelt sich da auf einer Tasse. Daneben ein tönernes „Bilderbuch für Verliebte“, aus dem Claire und Wölfchen, die Protagonisten aus Tucholskys Novelle „Rheinsberg“, herauslugen wie aus einem Bett. „Ein Duplikat meines Wettbewerbsbeitrages“, sagt der Künstler. Der stand nämlich in diesem Jahr unter eben jenem Motto.

Viele Keramiker beteiligen sich mit den unterschiedlichsten Kunstwerken: Da steht eine Nachbildung des Schlos­ses neben Meyers Bilderbuch, Claire und Wolf räkeln sich auf Vasen oder auch auf einem Memory. Die Beiträge sind im Keramikhaus in der Rhinpassage zu sehen. Dort findet auch das Schaudrehen statt. Heike Rabe, Weltmeisterin im Scheibendrehen, demonstriert, wie aus einem Batzen Ton eine Vase entsteht, während Christel Titze-Manigk Wissenswertes über das Handwerk berichtet. „Töpfer haben immer samtweiche Hände“, sagt sie schmunzelnd. „Ich weiß es, mein Mann ist einer.“

Von Regine Buddeke

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