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Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg setzt auf Gespräche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg setzt auf Gespräche
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02:17 06.11.2015
Der Triangelplatz ist ein Magnet für die Jugend von Rheinsberg. Quelle: Celina Aniol
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Rheinsberg

Bei schönem Wetter sind sie immer noch da, trotz der deutlich kälteren Temperaturen. Die Jugendlichen haben sich wie schon im Sommer eine Bank auf die Rasenfläche gezogen und sitzen mitten auf dem Triangelplatz in Rheinsberg. Sie lachen, quatschen, genießen die Spätherbstsonne, schubsen sich auch mal, allerdings eher freundschaftlich als aggressiv. Randale? Damit haben sie nichts am Hut, beteuern sie. Tatsächlich scheint ihr Verhalten mehr mit Pubertätsrabatz zu tun zu haben, als mit richtigem Krawall mit Lärm, Müll und Vandalismus, über die sich die Anwohner bei Stadt und Polizei beschweren (die MAZ berichtete).

Auch der amtierende Ordnungsamtsleiter Thomas Lilienthal ist der Meinung, dass die Jugendlichen, die den Triangelplatz zu einem ihrer Lieblingstreffpunkte auserkoren haben, nichts Böses im Schilde führen, sondern schlicht einen Ort für ihre Zusammenkünfte gefunden haben. „Jugendliche brauchen Räume in der Stadt“, sagt Lilienthal, der auch Stadtentwicklungsreferent ist. Und dass es ausgerechnet diese Ecke ist, sei verständlich, weil dort zumindest ein bisschen was passiert. Eine Erfindung des Jahres 2015 sei das aber nicht. „Sie lungerten dort auch schon vor zehn Jahren.“

Sogar der Bürgermeister hat schon auf dem Platz gesessen

Das bestätigt der Jugendkoordinator Mario Stärck. Der 47-Jährige erinnert sich, dass auch er schon auf dem Platz saß. Und mit ihm der heutige Rathauschef Jan-Pieter Rau. Ein Grund dafür ist, dass der Bus an dieser Stelle in die Ortsteile fährt. Wenn sich die Jugendlichen auf dem Triangelplatz treffen, können sie Wartezeit bis zur Abfahrt maximal ausreizen. Zudem sei es nun mal so, dass nicht alle jungen Rheinsberger in den Pavillon oder zu den Sportvereinen gehen wollen. Andere Angebote gibt es nicht. „Wir hatten ja früher noch eine Disko dreimal die Woche im Brandenburger Hof. Die heutige Jugend hatte in ihrer Kindheit schon keine Spielplätze – und hat jetzt auch nichts, wenn sie den Pavillon nicht als ihre Heimat ansieht.“ Die Situation sei „desolat“ und die Stadt in der Pflicht, Räume für die Jugend zu schaffen. Stärck schwebt dabei ein Mehrgenerationenpfad wie in der Stadt Ahrensburg vor. Dank der Idee mit der Schaukel für Kinder, den Bänken für Heranwachsende und dem Bocciaplatz für Senioren gebe es dort nicht solche Probleme wie in Rheinsberg. Denn auf diesem Pfad können die Generationen eher ein Feingefühl füreinander entwickeln, als wenn es keine räumlichen Berührungspunkte gibt.

Zauberformel: aufeinander zugehen

Aufeinander zugehen – das sei die Zauberformel überhaupt, sind sich Lilienthal und Stärck einig. Der Kreislauf aus Krawall, dem Ärger der Anwohner, dem Einschalten der Behörden wie Ordnungsamt und Polizei könne unterbrochen werden, wenn man „vernünftig miteinander redet“, sagen beide. Wenn er das Problem mit dem Triangelplatz in den Jugendklubs anspreche, seien die Jugendlichen einsichtig und die Lage verbessere sich schlagartig, zumindest für einige Zeit, sagt Stärck. „Aber ich habe auch nur eine Dreiviertel-Stelle und kann nicht 24  Stunden am Tag überprüfen, was dort passiert.“

Thomas Lilienthal sagt, dass er öfter am Triangelplatz vorbeischaut und das Gespräch sucht – nicht erst dann, wenn die Situation eskaliert. „Ich bin auf offene Ohren gestoßen. Wenn man ihnen erklärt, dass man Rücksicht nehmen muss, und ich sie bitte, die Bänke später zurückzustellen, dann machen sie das auch.“ Wenn man aber nur rumbrüllt, dann schalten die Jugendlichen oft auf stur. „Wie man hineinruft, so schallt es eben heraus“, sagt Lilienthal. Im Übrigen stören die verschobenen Bänke nicht wirklich. „Als Stadtplaner würde ich außerdem sagen, dass wir sie anscheinend an den Bedürfnissen der Benutzer vorbei an der falschen Stelle hingestellt haben, sonst würden sie nicht wandern.“ Sowohl Stärck als auch Lilienthal wollen, dass sich die Lage entspannt – wenn auch nicht ganz so, wie es sich die Anwohner vorstellen. „Eine Innenstadt lebt schließlich davon, dass sie lebt“, sagt Lilienthal.

Von Celina Aniol

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