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Rheinsberg will seinen Schatz behalten

Nein zu Windradplänen Rheinsberg will seinen Schatz behalten

Bei einer Sondersitzung haben die Rheinsberger Stadtverordneten die Pläne einer Stuttgarter Firma einhellig abgelehnt, in der Nähe von Dorf Zechlin sechs, 213 Meter hohe Windräder zu errichten. Vor allem Einwohner aus dem Ortsteil Flecken Zechlin haben Angst, dass mit den Windrädern ihr Status als staatlich anerkannter Erholungsort gefährdet wird.

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Mehr als 50 Einwohner waren zur Sondersitzung der Rheinsberger Stadtverordneten gekommen.

Quelle: Andreas Vogel

Rheinsberg. Das war das von vielen erhoffte Signal: Einstimmig haben Rheinsbergs Stadtverordnete am Donnerstagabend bei einer Sondersitzung die Pläne für den Bau von sechs, jeweils 213 Metern hohen Windrädern bei Dorf Zechlin abgelehnt. Auf Antrag von Wilfried Schmidt aus Flecken Zechlin will die Stadt nun sogar ein eigenes Umweltgutachten anfertigen lassen. Hatte doch zuvor der Planer André Oehlert vom Büro WPD erklärt, dass man an dem Windradprojekt bei Dorf Zechlin festhalten – und es sogar noch erweitern wolle. Demnach sind bis zu 19 Windriesen in der Region geplant.

Anwohner wollen ihren Schatz behalten

Die meisten der mehr als 50 Einwohner, die zur Sondersitzung gekommen waren, hatten kein Verständnis für die Windradpläne. „Wir fürchten, dann den Status als staatlich anerkannter Kurort zu verlieren“, sagte Horst-Rainer Maranke, der Ortsvorsteher von Flecken Zechlin. Das Gebiet um den Großen Zechliner und den Schwarzen See sei ein Schatz. Diese „einmalige Kulisse“ wäre dahin, wenn in der Nähe Windräder errichtet würden. „Wo sechs Anlagen stehen, stehen auch bald 20. Und die nächste Generation Windräder ist sicher noch höher“, sagte Maranke. Klaus Günther, ebenfalls aus Flecken Zechlin, verwies zudem auf „bemerkenswerte Widersprüche“: So hätten die Windradplaner in ihrem Umweltgutachten keine schützenswerten Vogelarten bei Dorf Zechlin ausmachen können. Dabei sei bekannt, dass dort regelmäßig jede Menge Singschwäne und Kraniche rasten. Das Umweltgutachten der Bima zur benachbarten Kyritz-Ruppiner Heide weise zudem viele weitere geschützte Tier- und Pflanzenarten in dem Gebiet nach, so Klaus Günther. Der Flecken Zechliner monierte schließlich, dass der Abstand von zwei der geplanten Windräder lediglich gut 750, statt der empfohlenen 1000 Meter betrage.

Planer beteuert: Mindestabstand wird eingehalten

Das bestritten sowohl Thomas Klöpping von der Firma EnBW Windkraftprojekte aus Stuttgart, die die Windräder bei Dorf Zechlin bauen will, als auch André Oehlert von der Planungsfirma WPD. Demnach werde ein Mindestabstand von 1000  Metern zu Wohngebäuden eingehalten. Es gebe auch kein „signifikant höheres Tötungsrisiko“ durch die Windräder für Fledermäuse und Vögel, sagte Klöpping. Zudem seien die Anlagen vom Rheinsbeger Schloss aus nicht zu sehen, da sie etwa zehn Kilometer entfernt davon stehen werden. Diese Erklärungen konnten aber die Stadtverordneten nicht umstimmen – zumal auch einige Fragen offen blieben, etwa zu einem bei Paulshorst geplanten Umspannwerk und zu der Trassenplanung für die benötigten Kabel, um die Windräder an das Stromnetz anzuschließen. Diese Planung sei teuer und werde erst beauftragt, wenn es eine Aussicht auf eine Genehmigung der sechs Windräder gebe, sagte Thomas Klöpping.

Ortsbeirat Dorf Zechlin erhofft sich Vorteile von dem Projekt

Zuständig für die Genehmigung, die frühestens für Sommer nächsten Jahres erwartet wird, ist das Land. Die Gemeinde Rheinsberg kann lediglich eine Stellungnahme abgeben. Das haben die Abgeordneten am Donnerstagabend getan. Ob und wie das Votum berücksichtigt werden wird, das ist allerdings offen. Zwar gibt es bei Dorf Zechlin kein sogenanntes Eignungsgebiet für Windräder – doch es fehlt auch ein Plan, der das Bauen von derartigen Energieriesen in diesem Gebiet ausdrücklich untersagt.

Hinzu kommt, dass nicht nur der Ortsbeirat von Dorf Zechlin dem Projekt zugestimmt hat, weil er mit den erhofften Pachteinnahmen Projekte im Dorf umsetzen will, für die es seit Jahren kein Geld gibt. Vielmehr existiert ebenfalls eine Gemeinschaft von etwa 40 Grundstückseignern, darunter ist die evangelische Kirche, die gleichfalls hinter dem Projekt stehen. Von diesen Befürwortern meldete sich am Donnerstag aber niemand zu Wort.

Thomas Klöpping von der Stuttgarter Firma EnBW Windkraftprojekte konnte die vielen Bedenken von Einwohnern und Abgeordneten nicht zerstreuen

Thomas Klöpping von der Stuttgarter Firma EnBW Windkraftprojekte konnte die vielen Bedenken von Einwohnern und Abgeordneten nicht zerstreuen.

Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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