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Rheinsberg Gefeierte Premiere von „Ada“ – dem 17. Schülermusical
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Gefeierte Premiere von „Ada“ – dem 17. Schülermusical
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18:57 12.01.2019
Beim Schülermusical Ada stehen Kinder und Jugendliche des Bildungscampus Rheinsberg, des Evangelischen Gymnasiums Neuruppin und des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums auf der Bühne. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Gefaltete Kraniche, wohin man sieht. Sie sind an den Hemden der Musiker, auf den beiden mit alten Zeitungen verkleideten Bildschirmen, am Abendkleid von Choreografin Angelina Fiedler. Und natürlich überall auf der Bühne. Der Origami-Kranich ist das Symbol des Abends: Er signalisiert fliegen, seine Träume leben, über sich selbst hinauswachsen. Und steht damit – ein schöner Nebeneffekt – nicht nur für die Protagonisten des Musicals sondern auch für die Leistungen der beteiligten Kinder und Jugendlichen.

Ada ist mathematisch begabt, hat aber auch eine poetische Veranlagung . Mit 17 Jahren lernt sie einen Erfinder kennen und sieht in dessen Plänen eine wundervolle Verbindung von Poesie und Mathematik.

Es ist ein ambitionierter Stoff, den sich die Musical-Macher diesmal auf die Fahnen geschrieben haben. Für das Vorgängerwerk „Zwiebelchen“ gab es immerhin ein Kinderbuch als Vorlage. Diesmal war die Inspiration lediglich ein gestaltetes Google-Motiv, das 2015, am 200. Geburtstag von Ada Lovelace, über die Monitore der Welt flimmerte. Angelina Fiedler, die langjährige Choreografin des Schülermusicals, sprang es spontan an – sie wollte eine Geschichte über die Frau machen, die als Informatik-Pionierin und erste Programmiererin überhaupt in die Geschichte einging – nach der Tochter Lord Byrons sind immerhin zwei Programmiersprachen benannt.

Obschon es im viktorianischen England für ein Mädchen als befremdlich und unschicklich galt, sich derart akribisch mit Mathematik zu befassen. Jedoch – das Mädchen hatte keine Wahl: Ihre Mutter zwang sie dazu, um sie von dichterischen Flausen abzuhalten, die ihr vom Vater womöglich in die Wiege gelegt wurden. Adas Mutter hatte genug von den Allüren und Affären ihres Mannes. Die Tochter sollte nicht ebenso werden. Und Ada begann, sich für die Welt der Zahlen zu begeistern.

Die Ada-Idee gärte in Angelina Fiedler und nahm langsam Form an. Es ist ihr erstes Libretto – sie schrieb es neben ihrem zeitraubenden Fulltimejob als Choreografin. Gemeinsam mit ihren bewährten Mitstreitern Stefan Labenz, der für die Regie zeichnete und Micha „Wudi“ Wudick, der Musik und Songtexte schrieb, ist dem Trio mit ihrer nunmehr 5. Eigenproduktion einmal mehr ein großartiges Stück gelungen. Wobei – die Ehre gebührt auch allen anderen, die zum Gelingen des Stücks beitrugen: Kostüm- und Bühnenbildnern, den Proben-Organisatoren und Chor-Verantwortlichen, den Ton- und Licht-Technikern, der Band und vielen anderen Helfern. Überall sind Schüler mit dabei – nicht nur auf der Bühne: Das Schülermusical gilt als Projekt der Berufsorientierung, erklärt vor der Premiere stolz Schulleiter Ulf-Rainer Polzin.

Strahlende Mitwirkende: Die Premiere ist ein voller Erfolg. Vorn: Komponist Micha Wudick, Librettistin und Choreografin Angelina Fiedler, Kostümbildnerin Sigrid Herfurth und Regisseur Stefan Labenz (v.l.). Quelle: Regine Buddeke

„Extra, extra ... die Industrie floriert“ – die Bühne ist voll singender, tanzender Kinder mit raschelnden Zeitungen, der Einstieg rasant. Schon entfaltet sich das London des 19. Jahrhunderts auf der Bühne des Rheinsberger Schlosstheaters – der Saal ist am Freitagabend zur Premiere rappelvoll und fiebert mit der Story mit: Nachbarinnen der Byrons tratschen über den Lord, kleine Fabrikarbeiter wuseln umher, Zeitungsjunge Willy erzählt seinem Kumpel Tommy von Ada, seiner Flamme. Die wiederum vom Fliegen träumt und davon, Mathematik und Poesie zu vereinen. Der Erfinder Babbage und seine Differenzmaschine beflügelt ihre Fantasie. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf bis zum gloriosen Pferderennen.

Einmal mehr muss man sagen: Was die Kinder und Jugendlichen da auf die Bretter knallen, geht weit über eine schlichte Schülerproduktion hinaus. Kleine – pardon – Rampensäue schmettern sich keck die Seele aus dem Leib, die Tanznummern sind ambitioniert und fröhlich-engagiert durchgetanzt. Immer wieder lacht das Publikum über witzige Einfälle, schmilzt angesichts empathischer Dialoge, kriegt Gänsehaut Dank anrührender Songs.

Es ist das insgesamt 17. Schülermusical – im Vorjahr lief „Zwiebelchen“

Für Verblüffung sorgt der Auftritt der Queen Victoria: Hochgewachsen und majestätisch schreitet sie die Bühne ab, fistelt ein paar dürre Worte an die Untertanen – bis sie schlussendlich eine Bass-Arie hinlegt, die sich gewaschen hat. Die Queen ist ein Mann – man hat es schon immer geahnt.

Die Chorszenen und die durchweg anspruchsvollen mehrstimmigen Duette und Trios glänzen mit musikalischer Fantasie und einem kreativen Genre-Mix zwischen Chanson, Pop, Jazz und Rap. Dazu begeistern die wunderbaren Kostüme von Sigrid Herfurth. Und alle Darsteller, ob in großer oder kleiner Rolle, ob Rheinsberger, Neuruppiner oder Berliner – Labenz hat wie immer einige seiner Berliner Schüler mit dabei – geben ihr Bestes. Rührend, wie Babbage Ada über eine Textlücke hinweghilft.

„Es ist toll was die Kids leisten – das muss man sich erst mal trauen. Wunderbar, dass das Musical zur Tradition geworden ist“, sagt Zuschauer Matthias Strauch, der beim allerersten Musical mit auf der Bühne stand. Seine Eltern besuchen seitdem jedes Musical und sein Sohn Yannick wäre liebend gern dabei. „Leider wohnen wir in Wahren“, bedauert er.

Felix Görg, Leiter der Musikakademie verteilt viele Blumen bei der Premiere von Ada - das Schülermusical 2018 im Rheinsberger Schlosstheater Quelle: Regine Buddeke

Alle Darsteller erhielten nach der Vorstellung viel Lob von Familie und Freunden. „Toll gemacht“, sagt eine Frau zu Jaimy-Lee Hille, die die ältere Ada sang. Sie ist das achte mal dabei und nächstes Jahr gerne wieder, so die 16-Jährige. Warum? „Ich singe und tanze gern und liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen“, verrät die Schülerin.

Stefan Labenz ist am Ende glücklich: „Ich bin hin und weg – wie immer“, sagt er. „Es war diesmal ein schwere Geburt, mit viel Blut und Schweiß. Ein schwerer Stoff für Kinder. Und so viele, so junge Darsteller. Das muss man sich mal überlegen – 100 Kinder auf der Bühne! Dazu so viele Choreografien. Ich wollte immer streichen. Angelina hat gesagt: Lass es drin. Sie hatte recht.“

Die Gelobte strahlt beim Schlussapplaus in einem Goldflitterregen. „Ich bin sprachlos“, schwärmt sie. „Es ist jedes Mal ein kleines Wunder, wenn zur Premiere alles klappt.“

Wer „Ada noch sehen will: Heute finden noch zwei Vorstellungen im Schlosstheater statt – um 10 und 13 Uhr.

Von Regine Buddeke

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