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Rheinsberg Die bunte Schwarz-Weiß-Welt Barbara Klemms
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00:27 09.05.2018
Barbara Klemm im Gespräch mit einem Vernissage-Besucher im Tucholsky-Literatur-Museum. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Sänger Wolf Biermann geht mit breitem Lachen, die Gitarre in der Hand, von der Bühne. Andy Warhol steht mit hölzerner Miene vor einem Gemälde des Dichterfürsten Goethe, der sich lässig in lauschiger Landschaft räkelt. Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller schneidet konzentriert eine Zeitung in hunderte Puzzle-Schnipsel– obschon in Schwarz-Weiß fotografiert, erkennt man den dunkelroten Lippenstift – ihr Markenzeichen. Einen Raum weiter finden sich Fotos von Helmut Kohl, Heinrich Böll, Madonna, dem Mauerfall. Auch das berühmte Bruderkussfoto von Erich Honecker und Leonid Breschnew zum 30. Jahrestag der DDR ist zu sehen.

Alles nur schwarz-weiß? Kein bisschen. Die Fotos von Barbara Klemm zeigen das pralle, bunte Leben und schrieben gleichsam Geschichte. Am Samstag kamen 100 Gäste zur Vernissage ihrer Schau nach Rheinsberg.

Aber auch Aufnahmen des Rheinsberger Schlosses und Sanssouci, Straßenhunde in Rumänien, Slums in Lima, Kardinäle unterm Regenschirm sind zu sehen. Die Fotografin Barbara Klemm hat schon überall fotografiert – ihre Aufnahmen dokumentieren nicht nur Geschichte – sie schrieben auch solche. Und nicht zu vergessen: jedes ihrer Bilder erzählt auch eine Geschichte. 84 Aufnahmen der Fotografin, die über 40 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung an den Brennpunkten des Zeitgeschehens war, sind seit Samstag und noch bis zum 5. August im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum zu sehen.

„Die Grand Dame der deutschen Fotografie“, lobt Museumsleiter Peter Böthig vor 100 Gästen bei der Vernissage am Samstag im Spiegelsaal des Schlosses. „Wie hat sie das nur geschafft, immer im richtigen Moment an genau der richtigen Stelle zu sein?“, fragt er und dankt danach dem ehemaligen Kustos der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Detlef Fuchs, der die Schau initiierte. „Er hat sich diese Ausstellung so gewünscht – es ist ein verspätetes Abschiedsgeschenk“, so Böthig an Fuchs gewandt. Auch Stiftungs-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh lobt Fuchs als Spiritus Rector und findet warme Worte für die 78-jährige Fotografin: „Sie machen uns ein Geschenk, dass sie Rheinsberg mit ihren Fotos bereichern.“

Laudator ist der Autor Ingo Schulze, den Barbara Klemm einst ablichtete – beide verbindet seither eine Freundschaft. Seine vorgetragenen Erinnerungen an jenes erste Foto sind so witzig und wunderbar, dass der Saal immer wieder schmunzelt und die Gelobte selbst am Ende sichtlich gerührt ist. Die typische Was-stehlen-Sie-mir?-Frage, die jedes Porträt-Modell stellen möchte, sei bei Barbara Klemm gegenstandslos, so Schulze. Aber es habe Jahre gedauert, bis er bereit gewesen sei, sich so zu akzeptieren, wie sie ihn abgelichtet habe.

Später verharren die Gäste oft lange vor den einzelnen Fotos der Schau – jedes verblüfft, verzaubert, verrät etwas. „Das ist ja unsere Wahrheit, mit der wir großgeworden sind“, sagt Ingela Henning. „Ich bin sehr gerührt.“

Von Regine Buddeke

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