Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rheinsberg Barbara Klemms Bildikonen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Barbara Klemms Bildikonen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:20 30.04.2018
Barbara Klemms „Obelisk“: eine Aufnahme aus dem Jahr 2000 in Rheinsberg.
Rheinsberg

Es gibt Aufnahmen, die den Augenblick überdauern. Der Bruderkuss Breschnews und Honeckers mit ihrer Entourage ist ein solches Bild. 1979 ist die Schwarz-Weiß-Fotografie entstanden. In einer Ära, die durch die Turbulenzen der Wendezeit und der Globalisierung noch weiter weg scheint, als sie es tatsächlich ist. Das Bild dieser Umarmung ist geblieben: als Zeugnis der Vergangenheit, aber auch als Standbild einer Ritualgesellschaft, wie es sie mit anderen Kulissen auch heute noch geben könnte. Festgehalten hat dieses Lippenbekenntnis Barbara Klemm – wie viele andere Ansichten, die längst zu Ikonen unserer Gesellschaft geworden sind.

90 bedeutende Momentaufnahmen

Etwa 90 dieser Momentaufnahmen Klemms zeigt jetzt das Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in einer retrospektiven Werkschau. Darunter sind neben ihren berühmten politischen Bildern, Straßenszenen oder Künstlerportraits aus den vergangenen 50 Jahren auch einige Fotografien, die 1987 und 2000 in der Prinzenstadt entstanden sind. Sie zeigen das Schloss, den Obelisken, die Theaterruine. „Es sind großartige Aufnahmen und mittlerweile Klassiker“, sagt Museumsleiter Peter Böthig. „Sie dokumentieren historische Zustände mit dem einmaligen Blick von Barbara Klemm.“ Und zwar so gut, dass ihre Werke um die Welt gegangen sind und mittlerweile selbst „Geschichte geschrieben haben“, so Böthig.

Ingo Schulze spricht über die Fotografin

Die Ausstellung wird gemeinsam vom Museum und von der Potsdamer Galerie Kunst-Kontor sowie der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten präsentiert. Eröffnet wird sie am 5. Mai von Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung. Der von der Fotografin mehrfach porträtierte Schriftsteller Ingo Schulze, der sich mit ihrer Arbeit inhaltlich immer wieder auseinandersetzt, führt in das Werk der Künstlerin ein. „Es ließe sich sehr viel zu ihrer Herzensbildung sagen, zu ihrer Ausstrahlung, wie es ihr gelingt, das Kraftfeld im Raum zu erfassen, eine Konstellation zu ,lesen’, das Bild aufzuspüren, die Komposition zu erkennen, den Blickwinkel zu finden und im richtigen Augenblick die Kamera hoch zu nehmen“, sagt Schulze. „Also jenen Moment zu treffen, in dem ein Bild aus dem Alltag heraustritt und Kunst und Wirklichkeit ununterscheidbar werden.“

Grande Dame des deutschen Fotojournalismus

Den Kontakt zu Barbara Klemm hat Schlosskustos Detlef Fuchs hergestellt. Er habe zuvor mit Barbara Klemm lange Zeit per Brief korrespondiert, berichtet Böthig. „Bis irgendwann dann die Idee gereift ist, im Rheinsberger Schloss diese Ausstellung zu machen.“ Um die Schau vorzubereiten sei er mit Fuchs zusammen nach Frankfurt am Main gereist, wo die Grande Dame des deutschen Fotojournalismus lebt. „Sie freut sich schon sehr, bei uns auszustellen“, sagt der Museumsleiter. Die 1939 geborene Barbara Klemm, die in einer Künstlerfamilie in Karlsruhe aufgewachsen ist, hat über viele Jahrzehnte das politische Geschehen in Deutschland als Redaktionsfotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung begleitet.

Zu sehen: Breschnew und Brandt, Honecker und Kohl

Daneben hat die Pressefotografin, die auch als Foto-Chronistin der deutschen Einheit gilt, allerdings immer auch „im eigenen Auftrag“, wie Böthig es beschreibt, Aufnahmen gemacht. So seien auch ihre Bilder in Rheinsberg 1987 entstanden, die sie in der anstehenden Ausstellung erstmalig zeigt. Nicht zu sehen wird dort allerdings der Bruderkuss sein. „Sie war der Meinung, das Bild sei schon viel zu oft zu sehen gewesen“, sagt Peter Böthig. Die Ausstellungsbesucher bekommen dafür aber andere Bildikonen ihres Œuvre zu sehen, auf denen auch die ganz Großen der Zeitgeschichte wie Breschnew und Brandt, Honecker, Kohl oder Böll verewigt sind.

Die Werkschau mit Fotografien von Barbara Klemm wird am Sonnabend, 5. Mai, um 11.30 Uhr im Spiegelsaal des Rheinsberger Schlosses eröffnet. Die Aufnahmen sind dann in der Galerie des Literaturmuseums bis zum 5. August zu sehen.

Von Celina Aniol

Gesine Jüttner aus Leipzig denkt gern an die Sommerferien in der Jugendherberge in Prebelow bei Rheinsberg zurück. Ihre Erinnerungen sind gefragt. Das MDR-Fernsehen will dazu einen Film drehen.

29.04.2018

In einer Sturmböe ist einem Transporterfahrer am Mittwochnachmittag zwischen Dorf Zechlin und Möckern ein dicker Ast aufs Dach gekracht. Die Frontscheibe splitterte, der Mann wurde zum Glück nur leicht verletzt.

29.04.2018

Kaum war Rheinsberg Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow im Amt, gab es erste Kündigungen. Der Leiter des Bauhofes wurde fristlos entlassen. Der verklagt jetzt die Stadt.

28.04.2018