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Rheinsberg Seit 20 Jahren Puppendoktor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Seit 20 Jahren Puppendoktor
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12:00 31.07.2018
Birgit Führenberg macht in ihrer Puppenklinik in Rheinsberg seit 20 Jahren kleine und große Patienten wieder heil. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

„Ganz oft fließen Tränen – beim Bringen und noch mehr beim Abholen“, sagt Birgit Führenberg. Nicht bei den kleinen Patienten – die haben keine Tränen. Aber bei den Besitzern der Puppen und Teddys, die die Puppendoktorin seit nunmehr 20 Jahren in ihrer Rheinsberger Puppenklinik „Anno dazumal“ wieder heil macht.

„Am 1. August 1998 habe ich mit meinem damaligen Mann in der Tucholskystraße ein Antikgeschäft mit Spielzeug und Trödel eröffnet“, erinnert sie an die Anfänge. Damals habe es schon die ersten Anfragen gegeben, ob sie nicht hier ein Bein wieder ankleben könne oder da einen Kopf restaurieren.

Ob Arm ab, Kleid kaputt oder Mund verblichen: Es gibt vieles, was an einer Puppe kaputtgehen kann. Puppendoktor Birgit Führenberg kümmert sich liebevoll um die kleinen Patienten und macht sie wieder gesund. Und ihre Besitzer damit glücklich.

Führenberg, eigentlich gelernte Industriekauffrau, die jedoch zwei Jahre in Köln in einer Puppenklinik gearbeitet hat, sagte zu. „Das wurde schnell mein Winterstandbein“, sagt sie. Und mittlerweile eine Beschäftigung fürs ganze Jahr – inzwischen in der eigenen Puppenklinik in der Paulshorster Straße. „Ich mache keine Werbung – die Puppen finden mich“, sagt sie. Besser gesagt die Puppenmuttis – meist sind es Frauen, die zu ihr kommen, um den Schatz aus Kinderzeiten wieder schön machen zu lassen.

Weil sie nostalgisch sind, oder weil sie sie der nächsten Generation schenken wollen. „Das rührt mich immer, wenn so eine Puppe wie ein wertvolles Familienerbstück weitergereicht wird. Oft hängen sehr viele Erinnerungen dran. Für manche Großmutter ist es das Einzige, was sie bei der Flucht im Zweiten Weltkrieg mitgenommen und seitdem wie einen Schatz gehütet haben. Birgit Führenberg erfährt zu vielen Puppen die ganze Geschichte – und die der Besitzer gleich mit dazu. Ein Stück weit ist sie nicht nur Puppen-, sondern auch Seelendoktor.

Der Ablauf ist immer ähnlich: „Wenn ein Besitzer seine Puppe zu mir bringen möchte, gibt es immer zuerst einen Termin – für ein ausführliches Gespräch.“ Dann wird genau besprochen, was der Kunde möchte. Die Puppendoktorin erklärt, was möglich ist und was nötig ist. „Manche wollen, dass die Puppe wieder genau wie früher aussieht.“ Andere möchten nur die nötigsten Reparaturen, die Puppe aber lieber im zerliebten und verlebten Zustand belassen. „Das muss ich vorher wissen, damit ich nicht zuviel mache und der Besitzer einen Schreck bekommt.“

Die Puppen, die Birgit Führenberg heilt, sind unterschiedlichster Art

Basierend auf diesem Gespräch werden Diagnose und Behandlung auf dem „Krankenschein“ notiert. Dann heißt es warten – ich habe manchmal lange Wartezeiten“, sagt Birgit Führenberg. Manchmal zieht sie auch einen Auftrag vor – etwa die inniggeliebte Puppe einer alten Dame aus dem Altersheim.

Einmal, so erinnert sie sich, habe eine Frau bei ihr die gleiche Puppe gesehen, die sie als Kind hatte, die aber verbrannt wurde. „Sie war so glücklich, als sie sie bei mir sah – das war ergreifend. Sie ging mit ihr wie mit einem Kind auf dem Arm raus“, sagt Führenberg gerührt. „Oft heile ich mit der Puppe auch die Seele des Besitzers.“ Gerade im Hinblick auf alte Spielkameraden der Kindheit, die unwiederbringlich verloren scheinen.

„Ich habe schon völlig hoffnungslose Fälle wieder hingekriegt“, sagt sie. Etwa, wo sie aus einem Säckchen Scherben den Kopf wieder zusammengesetzt hat.

Es gehört viel Puzzlearbeit und gute Feinmotorik dazu, die Puppen wieder herzurichten. „Manchmal ist es bei den neueren sogar schwerer“, weiß sie. Mit feinem Werkzeug wird gebohrt, geschliffen, geklebt, retuschiert, gemalt. Wichtig ist ihr, so nah wie möglich am Originalzustand zu bleiben. Lieber den alten Arm kleben, als einen Ersatzarm ansetzen – so ihre Devise.

Die Puppendoktorin bemüht sich, so dicht am Original wie möglich zu sanieren

Natürlich hat sie trotzdem ein großes Ersatzteillager mit Armen, Beinen und Köpfen in allen Größen und Altersgruppen. Denn Führenbergs Patienten sind vielfältig wie das Leben: Durch ihre Hände gehen Puppen aller Art – antike Kostbarkeiten aus Porzellan, Pappmaché-Figuren, Puppen aus Zelluloid oder neue Modelle aus Plastik. Frau Puppendoktor weiß um den besten Kleber und die passende Farbe. Sie repariert die Kleidchen oder näht neue. Das habe ihr schon als Kind viel Spaß gemacht, erzählt sie. Kein Wunder, dass sie schlussendlich in diesem Beruf gelandet ist – oder soll man es Berufung nennen?

Denn Birgit Führenberg macht ihre Arbeit mit Herz und Seele. In ihrer Ambulanz stapeln sich die Stoffe und Borten, handgestrickte Söckchen liegen neben Hüten. In Körben und antiken Puppenwagen stapeln sich Puppen, in den Regalen liegen dicht an dicht Puppenköpfe, Puppenarme, Puppenbeine. Die Puppenklinik bietet auch den Service, den Lieblingen ein der Zeit entsprechendes, stilistisch passendes Outfit, zu nähen.

Auf ihrem OP-Tisch liegt ein buntes Sammelsurium an Material und Werkzeug: Zahnarzt-Instrumente, kleine Bohrer und Schleifgeräte, Bürstchen und Pinzetten, diverse Pinsel. Dazwischen Döschen mit Farben und geheimen Mixturen, Spachtelmasse. „Alles eigene Rezepturen, in langen Jahren ausgefeilt“, sagt sie.

Auch Plüschtiere gehören zu ihren Patienten

Gerade hat sie ein grünes Plüschkrokodil in der Mache – gebracht vom Vater einer jungen Frau, die jetzt in Australien lebt, aber ohne das Tierchen nicht ins Flugzeug steigt. „Es ist quasi ihr Maskottchen und Beschützer“, sagt Birgit Führenberg, die natürlich alles tut, damit der Vater seine Tochter bald einmal wieder sieht.

„Wenn ich erst einmal an einer Puppe sitze, vergesse ich oft die Zeit“, sagt Birgit Führenberg, die selbst zwei Töchter hat. Gerade in der Vorweihnachtszeit stapeln sich bei ihr die „Krankenscheine“.

Von Regine Buddeke

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