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Rheinsberg Cosi-fan-tutte-Ensemble singt Matinee
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00:18 11.07.2018
„Cosi fan tutte“ – so machen’s alle: Das Ensemble in Szene. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Wie eine gelernte Finanzprüferin sieht Cathy-Di Zhang nicht aus, wie sie da hochemotional die Arie der Mimi fleht, flirtet, flötet. Gedankt sei es ihrem Chef, der der jungen, bei der Arbeit singenden Frau empfahl, doch einmal vorzusingen. Die Chinesin, die in Sydney aufwuchs, mit einem Italiener verheiratet ist und in den Niederlanden lebt, tat das in London und bekam von der Royal Academy of Music stehenden Fußes ein Stipendium fürs Opernstudium.

Schöne Arien, schöne Stimmen: Bei der Matinee haben die Sänger Gelegenheit, sich vor der eigentlichen Produktion mit ihrem eigenen Repertoire dem Publikum vorzustellen.

Was für ein Gewinn für die Kammeroper, bei der die Sopranistin in diesem Jahr eine der beiden Fiordiligis in Mozarts „Cosi fan tutte“ singen wird. Cathy-Di Zhang und ihre elf Sanges-Kollegen stellten sich am Sonntag bei einer Opern-Matinee dem Publikum vor: knapp 250 Gäste kamen ins Schlosstheater, um zu lauschen.

Zu Beginn singen die beiden sechsköpfigen Besetzungen – so erklärt Regisseurin Arila Siegert gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Ivo Hentschel – drei Szenen aus der Oper, die am 20. Juli Premiere im Schlosshof hat. Danach hat jeder Zeit, sich mit einer Arie seiner Wahl zu präsentieren. Chanson-Fan Anika Paulick etwa schmilzt und schmettert den Barbara-Song aus Brecht/Weills Dreigroschenoper: Ja, da muss man sich doch einfach hinlegen.

Ganz anders Eyrun Unnarsdóttir – die Isländerin zieht ein Kunstlied ihrer Heimat vor. Die Griechin Georgia Tryfona bezirzt mit der Arie der Adele. Das Team ist – wie man sieht – international. Der Spanier – pardon, Katalane – Guillem Batllori singt eine spanische Romanze und stülpt der viel beschäftigten Pianistin Michelle Bernard seinen Hut über. Der Russe Andrey Yurkovsky gibt selbstredend den Eugen Onegin.

Drei Matineen finden jeweils sonntags statt

Junge frische Stimmen. „Keine A- und B-Besetzung – beide sind gleichwertig“, verspricht Arila Siegert und Frank Matthus, künstlerischer Kammeroper-Leiter beschwört das Publikum: „Wie sie hören, werden Sie zwei Cosi-Vorstellungen besuchen müssen.“ Was ihn, so gesteht er, besonders berührt, ist die Tatsache, dass die Kollegen des Freischütz-Ensembles im Saal sitzen und ihren Mozart-Kollegen zuhören – bei zum Teil denselben Arien, die in der Operngala erklangen:

Die Arie der Adele aus der „Fledermaus“, „Mein Sehnen, mein Wähnen aus Korngolds „Die tote Stadt“ und nicht zuletzt das wunderbare Duett aus den „Perlenfischern.“ „Eine zauberhafte Oper – Bizet hat nicht nur Carmen komponiert“, wirbt Ivo Hentschel. „Gestern haben die Cosi-Sänger den Freischütz-Sängern zugehört – und heute ist es andersherum. Und jeder singt es auf seine Weise wunderbar – es ist ein Fest, das wir hier in Rheinsberg feiern“, schwärmt Frank Matthus.

„Schau einer schönen Frau nie zu tief in die Augen“, schmettert Kai Kluge, der schon einmal in Rheinsberg dabei war, mit seinem überschäumendem Tenor und erntet Begeisterungsstürme – so wie auch der unter die Haut gehende Vortrag der Mimi, die ihren Blumenstrauß zerpflückt, als wäre der ein Sinnbild für das Leben und die Liebe. Und nicht zuletzt gibt es stürmische Ovationen auch für den emotionalen Gesang der beiden Perlenfischer, die dasselbe Mädchen lieben.

Premiere von Cosi fan tutte ist am 20. Juli

Schöne Stimmen, schöne Lieder: Ist es Kalkül, dass der Schmetterling, der sich da ins Schlosstheater verirrt hat, ausgerechnet auf dem Haupt von Kammeroper-Gründer Siegfried Matthus landen will, der kaum eine Vorstellung auslässt? Zumindest ein passender Zufall.

Ebenfalls passend ist, dass den größten Applaus des Konzerts Michelle Bernard empfängt. Die Noch-Studentin hat das komplette Konzert bravourös begleitet – obschon sie eigentlich alle Hände voll mit der nicht eben einfachen Cosi-Musik zu tun hat. Dazu kam nun noch das Einstudieren der zwölf zusätzlichen Matinee-Stücke. „Was sie hier zusätzlich gestemmt hat, war quasi ein komplettes Klavierkonzert“, lobt Ivo Hentschel und das Publikum klatscht frenetisch.

„Cosi fan tutte“ wird am 20., 21., 22., 24., 25., 27. und 28. Juli gegeben: jeweils 19.30 Uhr (am 22. bereits um 18.30 Uhr) im Schlosshof Rheinsberg.

Von Regine Buddeke

Barbara Klemm hat berühmte Aufnahmen wie den Bruderkuss von Honecker und Breschnew fotografiert, aber auch Straßenszenen in aller Welt. Die Fotografin stellt noch bis 5. August in Rheinsberg aus. Am Freitag sprach sie mit dem Literaten Durs Grünbein über Fotografie.

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