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Rheinsberg Die Kammeroper macht Kinderoper
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13:38 08.08.2018
Samiel und Max in der Wolfsschlucht beim Herstellen der Freikugeln. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Wer sagt, dass Oper nichts für kleine Kinder ist? Aurélien Bello, der in den vergangenen Jahren in etlichen Produktionen der Kammeroper Schloss Rheinsberg den Taktstock schwang, möchte mit diesem Vorurteil aufräumen.

Webers große romantische Oper „Der Freischütz“ in einer Stunde – in dieser Zeit Oper für Kinder zu bieten, das war die Idee für das neue Format der Kammeroper Schloss Rheinsberg. In der Fassung von Aurélien Bello (Musikalische Leitung) und Mareike Zimmermann (Regie) ist es eine sehens- und hörenswerte Oper für Einsteiger geworden.

„Wir hatten in Rheinsberg bis jetzt noch keine Kinderoper“, sagt er und hat bereits zum vergangenen Saisonende die Idee an den Geschäftsführer herangetragen. Bei Thomas Falk stieß er damit auf offene Ohren. Und schnell war klar – es muss der Freischütz sein – das große Stück des diesjährigen Sommers.

Aber – und da waren sich Aurélien Bello und Regisseurin Mareike Zimmermann schnell einig: Keine zusammengestrichene Version der großen Produktion, womöglich noch mit denselben Darstellern.

Eine eigene Fassung für Kinder geschrieben

„Wir wollten keine Kopie der Heckentheater-Fassung, sondern eine eigenständige Produktion mit ihrer eigenen Ästhetik. Das ist schon eine Herausforderung fürs Haus.“ Beide haben sich ans Libretto gesetzt – gestrichen, gekürzt, geändert – und eine eigene Fassung für Kinder erarbeitet.

Die Handlung wird kindgerechter: So wird das Ännchen schlicht zu Agathes Mutter. Und die Figur des tückischen Nebenbuhlers Kaspar wird einfach mit der des Schwarzen Jägers Samiel zu einer verschmolzen: das personifizierte Böse braucht nur einen Sänger.

Nur fünf Sänger für die Produktion

Entsprechend reduziert ist das Ensemble: fünf Sänger und zehn Musiker der jungen Philharmonie, der Aurélien Bello vorsteht. Er hat mit den Berliner Philharmonikern schon einige Kinderopern gestemmt – etwa den Rosenkavalier und den Othello – und nimmt Kinderoper sehr ernst, wie er betont.

Bei den Sängern haben sich die Macher eine Altersgrenze von 30 Jahren gesetzt. „Ausgerechnet unser Nesthäkchen singt mit ihren 22 Jahren die Mutter“, schmunzelt Aurélien Bello.

Auch die Hauptfigur des Max wird mit einem 25-Jährigen gut präsentiert. „Er macht ja so halbgare Geschichten und nicht das, was seine Eltern von ihm erwarten“, benennt es der musikalische Leiter. „Er mogelt. Das mit der teuflischen Kugel beim Probeschuss ist ja quasi Doping“, erklärt er.

Der kleine Freischütz mogelt

Insofern ist es etwas, womit Kinder sich durchaus identifizieren können. Zumal die komplexe Freischütz-Handlung bei der Kinderoper auf die Essenz der Gespenstergeschichte eingedampft wurde.

Einen Stunde dauert „Der kleine Freischütz“: Die Strichfassung und Orchestrierung ist schmaler geworden. „Aber man merkt es kaum“, sagt Mareike Zimmermann. Ein paar Nummern fehlen, bei anderen wurde eine Strophe hie, ein Dialog da weggelassen.

„Was übrig bleibt, ist die pure Essenz“, lobt die Regisseurin „Wir hatten neulich die Klavierprobe, bei der das Orchester anwesend war. Die waren zum Teil überrascht, wie schnell wir aus den ‚Wäldern und Auen‘ wieder herauskamen.“. Für die Generalprobe wünschten sich beide viele Kinder im Publikum. „Da sehen wir schnell, was Sache ist. Das Feedback der Kinder ist ja immer sehr zeitnah.“

Bewusst die Bühne Schlosstheater gewählt

Um den kleinen Opernzuschauern eine konzentrierte geschlossene Atmosphäre zu bieten, wurde bewusst das Schlosstheater als Bühne gewählt. „Aber natürlich haben wir da auch eine Wolfsschlucht“, sagt Mareike Zimmermann.

Für die Ausstattung sorgt Claudia Weinhart. „Wir haben uns beim Bühnenbild von der Rheinsberger Natur inspirieren lassen – hohe lichte Wälder“, sagt sie. Es wird viele Lichteffekte und Verwandlungen auf der Bühne geben. „Die Kids lernen die ganze Theater-Trickkiste kennen“, verspricht sie. „Dann gruseln sie sich hoffentlich ein bisschen.“

Erst gruseln – und dann gibt es ein Happy End

Am Ende – anders als in der Erwachsenen-Oper – gibt’s ein Happy End. „Wie wir diese Kurve kriegen, verraten wir aber nicht“, schmunzelt Mareike Zimmermann. Denn es sei Ziel, eine neue Generation Operngänger zu akquirieren.

Aber natürlich auch, bisherige Opernmuffel oder Erwachsene, die noch nie eine solche gesehen haben, an das Genre Oper heranzuführen. „Also eine Art Einsteiger-Oper“, sagt Aurélien Bello. Da sei eine Kinderfassung oft besser als ein fünfstündiger Wagner-Marathon. „In jedem steckt ja noch eine Art inneres Kind“, sagt Mareike Zimmermann. „Und wo nicht: Dem können wir auch nicht mehr helfen.“

„Der kleine Freischütz“ ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet, Alter nach oben offen. Termine sind am Freitag und Samstag um 15 Uhr; am Sonntag um 11 Uhr im Schlosstheater.

Von Regine Buddeke

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