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Rheinsberg Malerei aus dem Mittelalter in Rheinsbergs Kirche entdeckt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Malerei aus dem Mittelalter in Rheinsbergs Kirche entdeckt
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00:21 08.07.2018
Mit dem Skalpell legen Sandra Bothe und ihre Kollegen die Quadermalerei von 1568 frei. Quelle: Reyk Grunow
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Rheinsberg

Die Sensation liegt versteckt unter mehreren Schichten Putz und Farbe. Niemand hatte erwartet, so etwas zu finden. Umso überraschter waren die Bauleute, als sie den alten Schornstein einer ehemaligen Heizungsanlage in der Rheinsberger Kirche abtrugen. Dahinter entdeckten sie plötzlich rötliche Farbe an der Wand, beeindruckend gut erhalten.

Wo heute nur noch weißer Putz zu erkennen ist, muss sich vor Jahrhunderten einmal ein reiches Schmuckwerk aus Ranken über die Wände gezogen haben. Auch wenn bisher nur ein kleiner Teil der Malereien freigelegt werden konnte, ist sich Restauratorin Sandra Bothe sicher, dass sich das Rankwerk einst bis unter die Decke der Kirche zog. Und es ist alt.

Unter mehreren Schichten Putz und Farbe wurden die Reste der Malereien nach dem Abriss eines Schornsteins sichtbar. Quelle: Reyk Grunow

Die Wandmalereien dürften aus dem Mittelalter stammen. Damit wären sei deutlich älter als der Kirchenbau, wie er heute in Rheinsberg steht. Dabei ist eigentlich er allein schon eine Besonderheit.

Die Rheinsberger Kirche stammt aus der Zeit der Renaissance, sie ist rund 550 Jahre alt. In Brandenburg gibt es mehrere ähnlich alte Kirchen. Aber kaum eine ist noch so nahe an dem damaligen Bauzustand erhalten. Die meisten wurden im Laufe der Jahrhunderte deutlich umgebaut.

Mit dem Skalpell sucht Restauratorin Ute Gemajew nach den Resten der Quaderbemalung aus dem 16. Jahrhundert an den Säulen. Quelle: Reyk Grunow

Auch in die Laurentiuskirche in Rheinsberg wurde mehrfach renoviert. Die Inschrift an der Decke über dem Altar erklärt, in welchen Jahren: 1568, 1739, 1788, 1836, 1855, 1918 und zuletzt 1968. Jetzt sind Restauratoren und Maler wieder dabei, das alte Gemäuer zu sanieren.

Seit Ostern ist der Chorraum der Kirche mit einer staubdichten Plastikfolie vom Kirchenschiff abgetrennt. Die Kirche ist so auch während der Bauarbeiten nutzbar, wenn auch sehr eingeschränkt. Für größere Konzerte reicht der Platz zum Beispiel nicht, für Gottesdienste schon eher.

Bis Ende 2019 muss die Rheinsberger Gemeinde deshalb zusammenrücken. So lange werden die Arbeiten voraussichtlich dauern. „In diesem Jahr ist der Chor an der Reihe“, sagt Restauratorin Sandra Bothe. „Im nächsten Jahr dann das Kirchenschiff.“

Der Anfang lag vor 750 Jahren

Der Chorraum ist der älteste Teil der St.-Laurentius-Kirche Rheinsberg. Er stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Schiff wurde wohl nur wenig später angebaut.

Beim Stadtbrand 1566 wurde auch die Kirche schwer beschädigt. Achim von Bredow ließ sie im Stil der Zeit wieder aufbauen. Damals wurde auch der Turm gebaut.

Den Stadtbrand 1740 überstand die Kirche nahezu unversehrt.

Die letzten größeren Arbeiten im Inneren fanden 1968 statt. 1992 wurde der Außenputz erneut.

Die Aufgabe der Restauratoren wirkt gewaltig. Sie sollen die Kirche behutsam wieder in den Zustand zurückversetzen, den sie etwa bei ihrem Wiederaufbau nach dem Stadtbrand 1566 hatte – Quadratzentimeter für Quadratzentimeter. Achim von Bredow hatte den zerstörten Bau aus dem 13. Jahrhundert wiederreichten lassen.

Die Fenster wurden damals umgestaltet und die Wände in einem schlichten Weiß gestrichen. Die mittelalterlichen Malereien verschwanden unter neuem Putz und wurden offenbar vergessen. Wie viel davon bei der Renovierung jetzt wieder freigelegt wird, steht noch nicht fest. „Aber es wäre schon schön, wenn wir weiter sichtbar lassen könnten, was dort bisher zu erkennen ist“, sagt Lothar Schulz vom Gemeindekirchenrat.

Erst der Chorraum, dann das Kirchenschiff

Rund 270.000 Euro stehen für die Arbeiten in diesem und im kommenden Jahr zur Verfügung. Etwa 40.000 Euro hat die Gemeinde selbst aufgebracht, der Rest sind Zuschüsse.

Für das Geld sollen die Wände saniert, die Elektrik erneut und am besten auch noch die Kirchenbänke überholt werden.

Zurzeit sind Sandra Bothe und Ute Gemajew von der Restauratorengemeinschaft Rheinsberg dabei, die Quaderbemalung an den Wänden wieder sichtbar zu machen. Beim Umbau 1568 wurden rund um die Fenster und an den Säulen Linien in den frischen Putz gemalt, die Steine andeuten sollten, wo eigentlich gar keine zu sehen sind.

Bis unter die Decke steht der Chorraum voller Baugerüste. Quelle: Reyk Grunow

Mit dem Skalpell legen die Restauratorinnen die Linien jetzt Millimeter für Millimeter wieder frei. Die Latexfarbe, die 1968 auf die Wände kam, ist schon abgewaschen. Später wird eine neue Farbschicht nach historischem Vorbild aufgetragen, wieder in einem gebrochenen Weiß.

„Bis November sollen die Arbeiten im Chor eigentlich beendet sein“, sagt Lothar Schulz. „Das ist unser Ziel.“ Bis unter die Decke ist der Raum zurzeit mit Baugerüsten vollgestellt. Die sollen zum Jahresende verschwinden, damit Platz für die Konzerte in der Advents- und Weihnachtszeit ist. Im Frühjahr 2019 sollen die Arbeiten fortgesetzt werden. Dann wird das Kirchenschiff gesperrt.

Von Reyk Grunow

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