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Rheinsberg Fahrverbot für Kutschen in der Mühlenstraße
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Fahrverbot für Kutschen in der Mühlenstraße
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02:19 18.05.2018
Der Rheinsberger Kutscher Henry Zimmermann empfindet die geplante Regelung als ungerecht. Quelle: Celina Aniol
Rheinsberg

Pferdeäpfel, die auf den Straßen liegen bleiben, erregen in Rheinsberg regelmäßig die Gemüter. Erst im Herbst haben Einwohner der Altstadt innerhalb von Stunden Dutzende Unterschriften gesammelt, damit die Stadt gegen die Hinterlassenschaften der Tiere etwas unternimmt. Der Vorstoß aus der Mühlenstraße schien erfolglos. Eine Handhabe habe die Kommune im Kampf gegen den Kot nicht, hieß es aus dem Rathaus.

Verbot für Pferde in der Mühlenstraße

Jetzt gibt es eine überraschende Wendung: Die Verwaltung hat beim Landkreis beantragt, dass die Kutscher nicht mehr durch die Mühlenstraße fahren dürfen – und damit Erfolg gehabt. Schilder, die darauf hinweisen, werden bald aufgestellt, so Vize-Bürgermeister Daniel Hauke.

Grundproblem bleibt bestehen

Dass das Problem damit nicht grundsätzlich gelöst ist, ist der Verwaltung klar. Durch die Neuregelung werde aber zumindest das Nadelöhr der Stadt von den unliebsamen Hinterlassenschaften verschont, die in der engen und viel befahrenen Straße überall verteilt werden: an den Hauswänden, auf den Bürgersteigen und in den Kellerschächten.

„So sehen die Gäste auch mehr von der Stadt“

Dass diese Lösung problematisch sein könnte, glaubt Hauke nicht. Zwar müssen die Kutscher dann Umwege in Kauf nehmen. „Aber so sehen die Gäste auch mehr von der Stadt.“ Wie die Stimmung bei den Fuhrunternehmen wirklich ist, weiß er nicht: Denn diese wurden über das Fahrverbot noch nicht informiert.

Neuregelung als eine Art Bestrafung

Henry Zimmermann, der auf seine nächsten Gäste vor dem Schloss wartet, hält die Regelung für „totalen Blödsinn“. Und für ziemlich ungerecht. Der Kutscher, der seit Jahrzehnten Touristen durch die Stadt spazieren fährt, glaubt nämlich, dass er bestraft wird für etwas, wofür seine Kollegen verantwortlich sind.

„Ich habe meinen Kescher immer parat“

„Ich fange die Pferdeäpfel meiner Tiere immer auf“, beteuert Zimmermann. „Ich habe meinen Kescher immer parat.“ Andere Fuhrleute seien schlicht „zu faul“, um die Tiere an das Gerät oder einen Auffangbeutel zu gewöhnen. „Die machen den Mist – und wir kriegen das Ding reingewürgt.“

Pferdeäpfel werden Anwohner an anderen Stellen ärgern

Helfen werde das Verbot am Ende wenig, sagt er: „Wir finden immer einen Weg durch die Stadt, die Leute werden sich dann aber immer noch über Pferdeäpfel ärgern – dann eben an anderen Stellen.“

Verbot ohne Ansage

„Der Verbot ist ein Witz“, kommentiert Torsten Erdmann die Verdammung der Pferde aus der Mühlenstraße. „Dann konzentriert sich alles eben auf andere Straßen.“ Er ist aber sauer, dass seine Gäste nicht mehr die älteste Straße der Stadt sehen dürfen. Und dass die Verwaltung im Vorfeld nichts gesagt hat. „Wenn sie uns gesagt hätte: Versucht Pferdeäpfel in der Mühlenstraße zu vermeiden, dann hätten wir uns daran gehalten.“ Das Verbot ohne Ansage sei „beschämend“.

Die Stadt schikaniere die Kutscher

„Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mitmache.“ Seit Jahren schikaniere die Stadt Anbieter, obwohl es in der Touristenhochburg neben dem Schloss, Keramik und der Fahrgastschifffahrt nicht viele Anlaufstellen für Besucher gibt. „Dann entlasse ich eben meine vier Mitarbeiter, wenn die Stadt keine touristischen Attraktionen mehr wünscht.“

Angst vor einem Unfall

Dass er keinen Kescher benutzt, gibt Erdmann offen zu. „Dann bräuchten wir zwei Leute auf dem Bock, damit kein Unfall passiert.“ Und das könne sich sein Betrieb nicht leisten. Eine Kutschfahrt müsste dann nicht mehr 30 Euro, sondern mindestens das Doppelte kosten. „Und das bezahlt mir keiner.“ Und ein Auffangsack könnte dazu führen, dass die Pferde irritiert wegen des Scheuerns an ihren Hintern durchgehen.

Von Celina Aniol

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