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Rheinsberg Emotionale Achterbahnfahrt nach Hausbrand
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00:24 29.10.2018
Marco und Yvonne Schwarz vor den Überresten ihres Hauses in Heinrichsdorf, das vom Feuer zerstört wurde. Quelle: Peter Geisler
Heinrichsdorf

Emotionale Achterbahnfahrt. So könnte man vielleicht den Zustand beschreiben, in dem sich Familie Schwarz seit Wochen befindet. Bei dem verheerenden Brand ihres Hauses in Heinrichsdorf am 9. Oktober hat sie so gut wie alles verloren. Das war ein Schock. Ist es manchmal immer noch. „Aber es ist nicht mehr jeden Moment so, dass man denkt: Wie schlimm ist das alles! Man funktioniert einfach“, erzählt Yvonne Schwarz. Dann gibt es wieder Augenblicke, in denen die Eltern sogar fast dankbar sind. „Wäre das Feuer paar Stunden früher oder später ausgebrochen, dann wären die Kinder zu Hause und heute vielleicht nicht mehr da“, sagt die zweifache Mutter. Diese Vorstellung verändert den Blick auf das Unfassbare. „Wir haben zwar einen finanziellen Totalschaden erlitten, und vielleicht auch einen emotionalen – aber uns geht es gut, uns selbst ist ja nichts passiert.“

Es ist offen, ob Haus abgerissen und neu gebaut werden muss

Das materielle Unheil ist dennoch enorm. Das Haus ist unbewohnbar. Feuer, aber auch Löschwasser haben fast alles zerstört. „Bis heute tropft es noch von der Decke.“ Ob das Gebäude „nur“ entkernt und wiederaufgebaut wird oder gar ganz abgerissen und neu gebaut werden muss, ist offen. Der Dachstuhl ist jedenfalls nicht mehr zu retten. Unklar ist auch, ob die Versicherung für den Schaden zahlen wird. Und wenn ja, wie viel. Die Gutachter prüfen den Fall noch, die Polizei ermittele weiter. Und das, obwohl diese am 11. Oktober meldete, dass der Brand eine technische Ursache habe. Die Ungewissheit belastet die Familie. Und das Wissen, dass die Zahlungen, selbst wenn es gut läuft, nicht alle Kosten abdecken werden.

Gerührt von Hilfsbereitschaft in der Region

Umso dankbarer ist Yvonne Schwarz deshalb für die Hilfe ihrer Familie und Nachbarn, der Schulen ihrer Kinder, der Gewerbetreibenden aus Rheinsberg, Menschen aus der ganzen Region. „Es ist ein schönes Gefühl, nicht alleine dazustehen. Wir haben sogar Spenden aus Lindow und Neuruppin bekommen. Diese Anteilnahme ist einfach überwältigend.“ Zumal es vielen Unterstützern selbst finanziell nicht gut gehe. „Das hat mich berührt.“ Und auch etwas verändert. Wenn es ihr wieder besser geht, will die Familie selbst Geld spenden. Andere unterstützen, die in Not sind. „Wir wollen etwas zurückgeben.“

Familie ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen

Noch benötigen Marco und Yvonne Schwarz aber selbst Geld. Für Statiker, den keiner bezahlen wird, für Baustrom, vermutlich für einen Bauantrag, für zig andere Dinge. „Wenn aber alles steht und dann noch Geld übrig bleibt, werden wir als Familie entscheiden, was mit den Spenden passiert“, sagt die aus Oranienburg stammende Frau, die 2003 nach Heinrichsdorf gezogen ist. „Vielleicht gibt es dann jemanden, der so etwas ähnliches erfahren hat wie wir jetzt.“ Oder ein gutes Projekt wie die Kinderarche in Schulzendorf. „Wir wollen nicht, dass davon ein großes Stadtfest oder so etwas bezahlt wird.“

Der Geruch des Feuers in allen Dingen

Jeden Tag sind die Eltern auf dem Grundstück. Ihre Arbeitgeber haben sie freigestellt. Die Kinder sind in den Ferien bei Familie in Oranienburg. „Wir versuchen alles vorzubereiten, damit es gleich losgehen kann, wenn klar ist, was geschehen soll.“ Versucht zu retten, was in der Ruine noch zu retten ist. „Man erwischt sich immer wieder dabei, Müll zu sammeln.“ Zum Beispiel Briefumschläge, die den Brand irgendwie überstanden haben. „Sie waren nur ein bisschen nass“, erzählt Yvonne Schwarz. Stanken aber trotzdem. „Der Geruch des Feuers bleibt ja.“ Es zehre an den Kräften, ständig entscheiden zu müssen, was wirklich bleiben soll. „Manche Sachen hatte ich schon viermal in der Hand, und weiß immer noch nicht, was damit passieren soll.“

„Hauptsache, wir haben überhaupt Erinnerungen“

Die Kuverts sind mittlerweile weg. Die Fotos hat sie aber an der Wäscheleine zum Trocknen aufgehängt. Die gerettete Hochzeitskiste zum Auslüften rausgestellt. Dass mal eine Ecke hier oder das halbe Bild da fehlt, dass die Heiratsaccessoires total verrußt und verdreckt sind, sei nicht so wichtig. „Hauptsache, wir haben überhaupt Erinnerungen.“ Davon ist nicht viel übrig geblieben. Hauptsächlich Geschirr hat Feuer und Wasser überstanden. „Dabei kann man ausgerechnet das problemlos ersetzen.“ Ihre Kinder hat der Brand besonders hart erwischt: Vom Obergeschoss, das sie bewohnten, ist kaum etwas übrig geblieben. Der Tochter gar nur die Sachen, die sie an dem Tag des Feuers mit in der Schule hatte.

Familie versucht, zum Alltag zurückzukehren

Umso wichtiger sei es für sie, dass bald wieder Normalität in das Leben der Familie einkehrt. Deshalb sucht das Paar jetzt fieberhaft nach einer Unterkunft in der Nähe des abgebrannten Hauses, in der die Vier für die nächsten sechs oder auch zwölf Monate bleiben können. Seit dem Feuer leben sie bei den Eltern von Marco Schwarz. Das sei aber keine Dauerlösung. „Wir brauchen einen Alltag“, sagt Yvonne Schwarz. Ihre Stimme klingt tapfer, aber brüchig, als sie wieder ansetzt: „Einen wie immer gearteten Alltag.“

Von Celina Aniol

Die Welle der Solidarität reißt nach dem Brand in Heinrichsdorf nicht ab. Zuletzt veranstaltete die Rheinsberger Allendeschule einen großen Kuchenbasar . Spenden haben bereits die betroffene Familie erreicht.

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